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Mit Luxus-Logen harzt es

250'000 Franken Miete kostet im Zürcher Hallenstadion eine Loge für zwölf Personen. Einige Grossfirmen haben sich nun zurückgezogen. Die Gründe – und die Reaktion der Stadion-Betreiber.

Eine Loge für zwölf Personen kostet pro Jahr 250'00 Franken. Immer weniger Unternehmen sind bereit, diesen Preis zu zahlen.
Eine Loge für zwölf Personen kostet pro Jahr 250'00 Franken. Immer weniger Unternehmen sind bereit, diesen Preis zu zahlen.
Eddy Risch, Keystone
Dabei wird einiges an Aufregung und Spektakel geboten: ZSC-Trainer Marc Crawford beim Viertelfinalspiel der Playoffs im Hallenstadion.
Dabei wird einiges an Aufregung und Spektakel geboten: ZSC-Trainer Marc Crawford beim Viertelfinalspiel der Playoffs im Hallenstadion.
Ennio Leanza, Keystone
Das Hallenstadion mit den Logen in dunkle Spielatmosphäre getaucht.
Das Hallenstadion mit den Logen in dunkle Spielatmosphäre getaucht.
Flickr.com
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Den exklusivsten Blick auf das Geschehen im Hallenstadion gewähren die Plätze in den 20 Logen. Sie bilden eine Art grossen Balkon, der als frei stehender Baukörper ins Halleninnere ragt. «Verpassen Sie kein Highlight und schaffen Sie sich mit ihrer eigenen Loge den Rahmen, um Kunden, Mitarbeiter oder ihre Familie und Freunde zu verwöhnen», wirbt das Stadion. Die Logen wurden im Rahmen des Umbaus im Jahr 2005 eingebaut und zählen zu den wichtigsten Pfeilern im Businessplan.

Doch die exklusiven Plätze lassen sich schlechter vermieten als noch vor drei, vier Jahren. «Der Wettbewerb ist definitiv härter geworden», sagt Stadion-Geschäftsführer Felix Frei. Einer der Gründe für diesen Trend seien Firmen, die sich strengere Grundsätze der Unternehmensführung auferlegt hätten. Stichwort: Corporate-Governance. Vor allem bei grossen internationalen Firmen sei dies zu spüren. Ausserdem sind die Laufzeiten der Mietverträge für die Logen deutlich kürzer geworden. Anfänglich unterzeichneten die Firmen Drei- und Fünfjahreskontrakte. Mittlerweile wollen sich die Unternehmen nur noch für zwölf Monate verpflichten.

Der Ruch der Bestechlichkeit

Den Trend zu strengeren Regulierungen in Unternehmen bestätigt auch Hans-Ueli Vogt, Professor für Privat- und Wirtschaftsrecht an der Universität Zürich. Im Fall der Hallenstadion-Logen sieht er weniger die Corporate-Governance als Ursache als vielmehr den Code of Conduct oder Code of Ethics – den Verhaltens- oder Ethikkodex der Firmen. Bei staatlichen Betrieben, aber auch bei Firmen, die gegenüber ihren Kunden unabhängig sein müssen, wie zum Beispiel Revisionsgesellschaften, sei das Thema aktuell. «Niemand will bei Einladungen in VIP-Logen in den Ruch der Bestechlichkeit oder der Bestechung geraten.»

Jetzt reagieren die Hallenstadion-Betreiber auf die schleppende Nachfrage. Sie legen 5 der 20 Logen zu einer einzigen Lounge zusammen, die 60 Personen Platz bieten soll. Die Gesamtkapazität im VIP-Bereich bleibt damit unverändert. Die Ausschreibung im «Tagblatt» erfolgte bereits am 25. März. «Wir reagieren damit auf die veränderten Kundenbedürfnisse», sagt Frei. In Stadien seien heute auch grössere Lounges oder Logen gefragt.

Wie die geplante Lounge im Hallenstadion künftig vermietet werden soll, ist laut Frei momentan in Ausarbeitung. Möglicherweise steht sie auch Einzelpersonen zur Verfügung, die ein Spezial­ticket kaufen. Die Lounge wird gebildet aus vier Logen, deren Mietverträge ausgelaufen sind oder bald auslaufen. Zudem steuert das Hallenstadion seine Loge bei, die es in Eigenregie betrieb. Welche Firmen die Verträge nicht mehr erneuerten, gibt Frei nicht bekannt.

Eine Loge für zwölf Personen kostet pro Jahr 250'000 Franken Miete. Im Preis inbegriffen sind kalte Getränke und Kaffee. Die Tickets müssen ebenso separat bezahlt werden wie das Catering. «Eine Firma, die die Loge gut auslastet, muss pro Gast etwa 300 bis 400 Franken aufwenden», sagt Frei. Das sei ein attraktiver Preis für qualitativ hochstehende VIP-Plätze.

Während der Finanzkrise im Jahr 2009 äusserte sich Hugo Mauchle, stellvertretender Direktor der Hallenstadion AG, optimistisch. Die Logen würden auch künftig genutzt werden, weil in schwierigen Zeiten die Kundenpflege umso wichtiger sei. «Das kleine Glück leistet man sich weiterhin.» Die Zurich-Versicherung verlängerte damals ihren Vertrag nicht.

Auch in Fussballarenen harzt es

Andere Stadien machen unterschiedliche Erfahrungen mit der Logenvermarktung. Laut Letzigrund-Stadionmanager Peter Landolt ist das Geschäft mit den Logen tendenziell schwieriger geworden. Im Letzigrund stehen zehn Logen zur Verfügung, die Platz für jeweils acht Personen bieten. Jahresmiete: 80'000 bis 100'000 Franken. Dass das Ganze kein Selbstläufer mehr ist, zeigte sich letzte Woche, als bekannt wurde, dass die Grossbank CS ihre VIP-Lounge im Letzigrund gekündigt hat, wie der «Blick» berichtete. Laut Landolt sind vor allem die kleinen Logen weniger beliebt. Diese müssten einzeln bewirtschaftet werden, was entsprechend koste. Hinzu komme, dass viele Gäste die Atmosphäre in kleinen Logen als steif empfänden. «Beim ersten Mal ist das interessant, beim zweiten Mal langweilig.» Stattdessen ziehen sie es vor, den Match in einer Grosslounge zu verfolgen, zusammen mit vielen anderen. «Dort ist mehr Stimmung.»

Landolt beobachtet auch, dass Kunden Einladungen in VIP-Logen zurückhaltender annehmen. Sie sind unsicher, ob sie solche Geschenke akzeptieren dürfen. Gerade in Deutschland hätten Stadionbetreiber Probleme damit. Laut Landolt verläuft das Geschäft mit VIP-Logen auch in anderen Fussballstadien teils harzig. So habe etwa Arsenal London Mühe mit der Vermietung seiner 150 Logen.

Den Trend zu grösseren Lounges verspüren auch die Berner Young Boys im Stade de Suisse. «Es gibt Unternehmen, die mit ihren Kunden gerne in grösseren Gruppen Kontaktpflege betreiben und daher unsere grösseren Lounges bevorzugen», sagt Sprecher Stefan Stauffiger. YB sei aber zufrieden mit der Vermarktung der Logen, die Nachfrage nach VIP-Angeboten sei konstant. Kostenpunkt für die 12er-Loge: 150'000 Franken pro Jahr.

Keine Probleme mit der Vermietung von Logen hat man derzeit im St.-Jakob-Park des FC Basel und in der AFG-Arena des FC St. Gallen, wie die Medienverantwortlichen versichern. «Unsere fünf geschlossenen Logen mit insgesamt 60 Plätzen sind alle vermietet», sagt FCB-Sprecherin Andrea Roth. Der FCB hat in der Winterpause seinen VIP-Bereich rundum erneuert, insgesamt verteilen sich 1445 VIP-Plätze über drei Etagen. In der AFG-Arena sind 19 von 21 Logen über längere Zeit vermietet. Die Jahresmiete beläuft sich in St. Gallen für eine 8er-Loge auf 100'000 Franken, jene für die 12er-Loge auf 160'000 Franken.

Alternative: Billiges KMU-Paket

Mit der Auslastung der Logen zufrieden zeigt man sich auch in der neuen Swisspor-Arena des FC Luzern. Dort gibt es neun Logen mit jeweils zehn Plätzen. Eine Loge kostet pro Saison 150'000 Franken. Weil nicht alle Fans auf Cüpli-Anlässe stehen, hat man sich in Luzern etwas Spezielles einfallen lassen. Laut Medienchef Max Fischer offeriert der FCL neu eine Billigvariante zu den VIP-Logen, ein KMU-Paket. Inhalt: vier Sitzplätze auf der Tribüne, viermal Wurst und Getränke, eine bequeme Parkmöglichkeit plus ein Treffen mit der Mannschaft. Preis für die ganze Saison: 5200 Franken. Fischer: «Ideal für KMU-Patrons als sympathische Geste für Mitarbeiter oder als Kundenbindungsmassnahme.»

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