Muss Manor seine Tore schliessen?

Die Besitzerin der Liegenschaft an der Zürcher Bahnhofstrasse, die Swiss Life, macht Druck auf das Warenhaus.

Seit bald acht Jahren streiten Manor und Swiss Life um die Zukunft des Hauses an der Bahnhofstrasse. Foto: Reto Oeschger

Seit bald acht Jahren streiten Manor und Swiss Life um die Zukunft des Hauses an der Bahnhofstrasse. Foto: Reto Oeschger

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

«Wir sind der Meinung, dass Manor aus der Liegenschaft an der Bahnhofstrasse ausziehen muss.» Dies sagt Florian Zingg, Mediensprecher von Swiss Life, der Vermieterin des Warenhauses. Nach Auffassung des Konzerns könnte dies schon bald der Fall sein, denn «zwischen Manor und Swiss Life besteht ab Februar 2019 in jedem Fall kein Mietvertragsverhältnis mehr».

Seit bald acht Jahren streiten Manor und Swiss Life um die Zukunft des Hauses. Streitpunkt ist ein im November 2001 abgeschlossener Nachtrag zum ursprünglichen Mietvertrag vom Dezember 1983. Darin verpflichtete sich Swiss Life, im Hinblick auf das Ende des Mietverhältnisses Ende Januar 2014 Manor «eine Offerte zur Fortführung des Vertragsverhältnisses für eine weitere Dauer von mindestens fünf Jahren zu dannzumal marktüblichen Vertragskonditionen zu unterbreiten».

Bloss: Was heisst «marktüblich»? Swiss Life verstand darunter neu einen jährlichen Mietzins von rund 19 Millionen Franken. Dies hätte praktisch einer Verdreifachung des bisherigen Zinses von knapp 6,3 Millionen Franken für die 14000 Quadratmeter grosse Fläche entsprochen. Manor klagte – und bekam sowohl vom Mietgericht wie vom Zürcher Obergericht in einem Punkt recht: Die Offerte entspreche nicht der vertraglichen Vereinbarung. Swiss Life hätte einen Mietzins offerieren müssen, der den «marktüblichen Vertragskonditionen für ein Warenhaus» entspreche. Das Mietgericht verpflichtete Swiss Life, Manor eine entsprechend geänderte Offerte zu unterbreiten. Eine dagegen erhobene Beschwerde von Swiss Life hat das Obergericht abgewiesen.

Erneut vor Bundesgericht

Swiss Life wird das Urteil ans Bundesgericht weiterziehen. Der Konzern ist der Meinung, dass das Urteil des Obergerichts «die Situation nicht klärt». Vor allem aber ist der Versicherer laut Mediensprecher Zingg überzeugt, Manor damals «eine korrekte Offerte» unterbreitet zu haben.

Ob Swiss Life die geforderte neue Offerte vorlegen wird, ist mehr als fraglich. Denn das Mietverhältnis, das wegen der anscheinend fehlerhaften Offerte über den eigentlichen Kündigungstermin von Ende Januar 2014 hinaus weiterbestand, läuft Ende Januar 2019 definitiv aus.

Manor kann ein Erstreckungsgesuch stellen. Laut Gesetz kann ein Mietverhältnis bei Geschäftsliegenschaften bis maximal sechs Jahre erstreckt werden. Ein entsprechendes Gesuch ist vor dem Obergericht hängig. Fraglich ist allerdings, ob darauf eingetreten werden kann.

Der Gang ans Bundesgericht macht vor allem im Zusammenhang mit einem allfälligen Erstreckungsgesuch Sinn. Unter der Annahme, dass Manor tatsächlich eine Erstreckung von sechs Jahren erhielte, heisst dies, auf einen einfachen Nenner gebracht: War die Swiss-Life-Offerte tatsächlich ungültig, würde die Erstreckungsfrist für Manor am 31. Januar 2025 enden. War die Offerte aber gültig, könnte die Erstreckungsfrist schon am 31. Januar 2020 enden.

Erstellt: 04.12.2018, 06:51 Uhr

Artikel zum Thema

Manor-Streit: Falsches Gericht am Werk

Das Zürcher Handelsgericht hätte sich nie mit dem Streit zwischen dem Warenhaus und der Vermieterin befassen dürfen. Mehr...

Kündigung doch gültig: Manor verliert vor Gericht

Das Handelsgericht erteilt Manor eine Absage: Jetzt ist nur noch die Frage, wann das Warenhaus von der Zürcher Bahnhofstrasse ausziehen muss. Dennoch gibt sich Manor kämpferisch. Mehr...

Nie gültig gekündigt – Manor feiert Zwischenerfolg vor Gericht

Das Mietgericht hat zugunsten des Warenhauses und gegen die Swiss Life entschieden. Ob Manor an der Bahnhofstrasse bleiben kann, ist noch unklar. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Weiterbildung

Lohncheck in Pflegeberufen

Qualifiziertes Pflegepersonal ist rar. Eine Pflegeinitiative setzt sich darum für höhere Löhne ein.

Kommentare

Blogs

Geldblog Warum darf mich die PK ausspionieren?

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Aufgeblasen, aber nicht abgehoben: Vor dem Start in Chateau-d'Oex kontrollieren Besatzungsmitglieder die Hülle ihres Heissluftsballons. In der Schweizer Berggemeinde findet bis derzeit die 42. Internationalen Heissluftballonwoche statt. (26. Januar 2020)
(Bild: Jean-Christophe Bott) Mehr...