Nach dem Fest die Abfallflut

Die Organisatoren der Street Parade haben dem Abfall den Kampf angesagt. Doch bleibt auch ohne Grossanlass am See oder an der Limmat tonnenweise Kehricht liegen.

Tonnenweise Abfall: Die Abfallmenge ist zuweilen grösser als das Fassungsvermögen der Abfalleimer. Bild: Samuel Schalch

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Das kleinere Übel sind überquellende Abfallkübel, das grössere auf Wiesen, an der Seepromenade oder am Limmatufer verstreute Bierdosen, Papierteller und Wegwerfgrills. Am Limmatufer bleiben nach schönen Sommerabenden zuweilen ganze Gummiboote liegen, denen unterwegs offenbar die Luft ausgegangen ist.

In einem Video von Keystone-SDA erzählt der Sprecher von Entsorgung und Recycling Zürich, Daniel Eberhard, dass die Mitarbeitenden im Sommer pro Tag bis zu 4,5 Tonnen Abfall am Zürcher Seebecken einsammeln. Auf der Nötzliwiese beim Bahnhof Dietikon, wo die Gummi-Böötler aus Zürich üblicherweise auswassern, bleibt bis zu einer Tonne Abfall zurück, wie heute in der «Limmattaler Zeitung» (LIZ) zu lesen ist.

Mehr Abfallkübel an der Street Parade

Laut Bundesamt für Umwelt kostet Littering die Schweiz jährlich rund 200 Millionen Franken. Ein Viertel davon entfällt auf den öffentlichen Verkehr, den Rest müssen vorab die Gemeinden bezahlen.

In der Stadt Zürich und den meisten anderen Gemeinden werden auch die Organisatoren von Grossanlässen zur Kasse gebeten, denn die Entsorgung des Abfalls ist Sache des Veranstalters. Deshalb hat der Verein Street Parade eine Offensive gegen die Abfallflut gestartet. Wie er mitteilte, wird die Kapazität der Abfallbehältnisse am kommenden Samstag praktisch verdreifacht.

Glassammelteam unterwegs

Die Veranstalter erhoffen sich davon, dass massiv weniger Abfall auf der Route liegen bleibt. Gleichzeitig wollen sie auch das Recycling verbessern. So werden in der Kernzone erstmals Abfallcontainer aufgestellt, deren Inhalt nach der Veranstaltung von Hand nach Rohstoffen wie PET, Alu, Glas oder Kompost getrennt wird.

An den Zubringerstrassen, in der Seeanlage sowie im Start- und Zielbereich werden wie schon in den früheren Jahren Recyclingstationen aufgebaut. Zudem werden Glassammelteams eingesetzt. Dabei geht es vorab um die Sicherheit der Festbesucherinnen und Festbesucher, denn Glasflaschen gehen oft in Brüche, wenn es hoch hergeht.

Joel Meier, Präsident des Vereins Street Parade, appelliert überdies an die Besucherinnen und Besucher, Getränke an den offiziellen Getränkeständen zu beziehen. «Damit wird automatisch ein Umweltfranken bezahlt, dessen Erlös vollumfänglich in die Wertstofftrennung des Abfalls fliesst.» Und er bittet darum, keine Glasflaschen mitzubringen.

Littering auf dem Kanzleiareal nach dem Aufstiegsfest des FCZ im Mai 2017. Bild: Reto Oeschger

Ein neues Abfallkonzept forderte Stadtrat Richard Wolff (AL), Vorsteher des Tiefbau- und Entsorgungsdepartements, auch von den Organisatoren des Züri-Fäscht in der Stadtratskolumne des «Tagblatts der Stadt Zürich». 250 Tonnen Abfall blieben dieses Jahr nach dem Volksfest liegen. Für die Neuauflage in drei Jahren sollte laut Wolff beispielsweise auf ein System mit Mehrweggeschirr und Depot umgestellt werden.

Höhere Bussen?

Auch viele kleinere Gemeinden machen sich Gedanken darüber, wie sie dem Littering Herr werden könnten. In Dietikon hat man behelfsmässig die Kehrichtkübel mit schwarzen Abfallsäcken behängt, um das Fassungsvermögen zu erhöhen. Auch überlegt sich der Stadtrat laut LIZ, die Bussen zu erhöhen. Diese betragen derzeit 100 Franken.

Viele Gemeinden kennen mittlerweile Bussen für Littering, auch die Stadt Zürich, wo das achtlose Wegwerfen von Abfall achtzig Franken Busse kostet. Die Krux ist allerdings, dass diese höchst selten ausgesprochen werden, da es schwierig ist, jemandem dieses Vergehen nachzuweisen, wenn er nicht bei der Tat erwischt wird.

So wurden im letzten Jahr in der Stadt Zürich 288 solche Bussen ausgesprochen, wobei diese nicht nur Littering im eigentlichen Sinn betreffen. Der Artikel 10 der Polizeiverordnung umfasst Beeinträchtigungen von öffentlichem oder privatem Eigentum durch Beschädigung, Veränderung und Verunreinigung.

Nötzliwiese ab sofort gesperrt

Auf der Dietiker Nötzliwiese wird sich das Problem ab sofort lösen – beziehungsweise verschieben. Seit heute wird die Wiese nämlich für die nächsten drei Jahre für Gummiböötler gesperrt sein. Sie wird als Installationsplatz für die Limmattalbahn benötigt.

Das bedeutet, dass einige Bootsminuten oberhalb ausgewassert werden muss. Beim Bahnhof Glanzenberg wurde vor einigen Wochen eine Anlegestelle samt Liegewiese, Grillstellen, Toiletten und Abfallstellen in Betrieb genommen. Noch ist sie idyllisch leer und sauber.

Erstellt: 05.08.2019, 11:56 Uhr

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