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Nach dem Parkschaden machte es klick

In Zürich fotografiert Nicolas Aebi Ausländer. Manche Vertreter der von ihm porträtierten Nationen hat er durch Zu- und Unfälle gefunden.

«Das Shooting war der absolute Brüller»: Menschen aus 120 Ländern hat Nicolas Yves Aebi in den vergangenen zweieinhalb Jahren aufgespürt und fotografiert.
«Das Shooting war der absolute Brüller»: Menschen aus 120 Ländern hat Nicolas Yves Aebi in den vergangenen zweieinhalb Jahren aufgespürt und fotografiert.
Nicolas Aebi

In der Stadt Zürich leben 423'310 Menschen (Ende 2017). Davon ist fast jede und jeder dritte nicht Schweizer.

Auf der Welt gibt es 194 Staaten, Menschen aus 171 davon sind in der Zürcher Bevölkerung vertreten.

Menschen aus 120 Ländern, allesamt wohnhaft in Zürich, hat Nicolas Yves Aebi in den vergangenen zweieinhalb Jahren aufgespürt und fotografiert. Jede Woche erscheint ein Porträt aus der Serie «Wir Zürcher» im «Tagblatt der Stadt Zürich», und zu jedem Bild gibt es einen kurzen Text. Der 46-Jährige, selber im Kreis 1 aufgewachsen, schreibt jeweils einige Zeilen über den oder die Menschen, die er fotografiert. Was alle Porträtierten verbindet: «Sie haben eine Reise hinter sich, freiwillig oder unfreiwillig», sagt Aebi, «entsprechend haben sie eine Geschichte zu erzählen. Manchmal eine fröhliche, manchmal eine unendlich traurige.»

Teils aufwendige Recherchen, teils Zufall

Da ist aber noch eine zweite Geschichte, unsichtbar, aber nicht uninteressant: Wie kommt Nicolas Aebi eigentlich an die Personen? Die ersten Nationen seien einfach gewesen, sagt Aebi, etwa die Deutschen. Anspruchsvoll werde es, wenn man sich auf die Suche nach der einzigen Person aus Gambia oder Guinea-Bissau mache. Manche der Porträtierten kannte Aebi persönlich, teils seien es aufwendige Recherchen gewesen, manchmal habe ihm der Zufall in die Hände gespielt.

Zum Beispiel die Italiener: «Mit den beiden Frauen bin ich im Hirschengraben zur Schule gegangen.»

Oder der Palästinenser: «Den musste ich nicht suchen, der hat mich gefunden: Er machte mich ausfindig und entschuldigte sich tausendfach für den Parkschaden, den er mir gemacht hat. Er liess sich an meinem Küchentisch mit dem Arafat-Tuch porträtieren.»

Oder die Japaner: «Den Balletttänzer hat mir die ZHDK vermittelt. Das Shooting war der absolute Brüller. Danach hatte ich einige Bilder auf meiner Kamera und einige Hundert auf meinem Handy. Der Tänzer kam total in den Selfierausch.»

Oder die Engländer: «Die sind für jeden Seich zu haben, auch für ein Abby-Road-Shooting auf der Münsterbrücke. Nur in einer Sache waren sie stur: Im Pub bezahlt der Engländer!» Und die Franzosen erst: «Das war das aufwendigste Bild. Klar, der Busen bei Eugène Delacroix’ «Freiheit führt das Volk» hängt im Original frei. Waren halt andere Zeiten. Und ich getraute mich nicht zu fragen.»

Ab dieser Woche sind die Bilder in der Galerie Ananda City, Zwinglistrasse 23, im Kreis 4 ausgestellt. Dort wird aus Einzelbildern eine Sammlung, die in ihrer Vielfalt Zürich abbildet. Nicolas Aebi spricht von einer Weltreise, die er unternommen habe, ohne die Stadt zu verlassen.

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