Zürcher Münsterhof: Nach den Autos die Events

Der letzte Pflasterstein auf dem grossen Platz ist noch nicht verlegt, schon steht der erste Grossanlass an.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Passanten haben den Platz mitten in der Zürcher City schon in Beschlag genommen. Touristen zücken ihre Smartphones und fotografieren die Fraumünsterkirche, Fussgänger lenken ihre Schritte quer über den Platz, ohne dabei auf herannahende Autos achten zu müssen. Umwege müssen sie höchstens noch wegen letzter Bauarbeiten nehmen. Anfang April ist aber auch damit Schluss. Dann sind die Sanierungsarbeiten auf dem Münsterhof nach gut einem Jahr Bauzeit abgeschlossen.

Damit hat die Stadt Zürich einen neuen, autofreien Raum. Allzu viel Zeit, den offenen Platz zu geniessen, bleibt aber nicht. Noch vor dem vollständigen Abschluss der Sanierung ist der erste Event auf dem Münsterhof geplant: Vom 11. bis 15. Februar soll dort die Fasnacht gefeiert werden. Die Bewilligung sei derzeit in Bearbeitung, so Anna Schindler, Direktorin Stadtentwicklung Zürich.

«An der Fasnacht hat hier niemand Freude»

Dem Förderverein Kulturplatz Münsterhof ist dies ein Dorn im Auge. «An der Fasnacht hat hier niemand Freude», sagt Präsident Hans-Hinrich Dölle auf Anfrage. Der Anlass habe auch nichts mit dem Anspruch der Stadt zu tun, den Münsterhof als Kulturplatz zu etablieren. «Wir wissen aber, dass eine Verlegung des Ganzen aus politischen Gründen nicht möglich ist.»

Weniger Bedenken hat Dölle, dass das dichte Programm – zehn Events sind allein im Eröffnungsjahr geplant (siehe Box) – problematisch sein könnte. «Es sind allesamt Veranstaltungen, die ruhig ablaufen und ohne grosse Auf- und Abbauarbeiten möglich sind.» Bei der Planung, in welche der Förderverein Kulturplatz Münsterhof involviert war, seien nicht nur die Anliegen der Anwohner berücksichtigt worden, sondern auch jene der Kirche und der Zunfthäuser, die rund um den Münsterhof angesiedelt sind. «Wir mögen es still und kulturell hochstehend. Und: Der Platz muss möglichst frei bleiben. Er darf nicht ständig mit Zelten verbaut werden.»

Auch der Zürcher Stadtrat will, dass der Münsterhof primär der Bevölkerung für die Alltagsnutzung zur Verfügung steht. Um dies sicherzustellen, hat er in einem neuen Nutzungskonzept vorgeschrieben, dass der Platz während mindestens 255 Tagen pro Jahr keinerlei Belegung aufweisen darf. Von den verbleibenden 110 Tagen, an denen ein Event auf dem Münsterhof möglich ist, sind 30 im August und September «für Kunstnutzungen» reserviert.

Kunst und Kultur «auf höchstem Niveau»

Gemäss Konzept sind neben der Fasnacht weitere traditionell wiederkehrende Anlässe wie der Kinderumzug am Sechseläuten, die Zürcher Festspiele, der Silvesterlauf sowie das Züri-Fäscht oder das Mittelalterspectaculum und das Weltjugendmusikfestival auch in Zukunft auf dem Platz möglich. Hinzu kommt eine ganze Reihe neu geplanter Kulturveranstaltungen.

So soll künftig auch «Zürich tanzt» ein Gastspiel auf dem Münsterhof haben. In diesem Jahr wird das Tanzfest vom 13. bis 16. Mai stattfinden. Ein Gesuch ist noch pendent. Noch ungewiss ist, wie die 30-tägige Kunstnutzung des Platzes in diesem Sommer aussehen wird. Idee sei eine stille Bespielung mit temporären Ausstellungen oder der Präsentation von Kunstwerken, sagt Dölle. Vorgesehen wäre in diesem Jahr ein Besuch der Manifesta 11. «Wir wissen aber noch nicht, ob die Verantwortlichen der Kunstbiennale den Platz nutzen wollen.»

Sicher ist, dass der Förderverein Kulturplatz Münsterhof ab 2017 jährlich gemeinsam mit der ZHDK während dreier Tage den «Marktplatz der Künste» veranstalten wird. «Geplant sind Performances, Musik- und Theater-Veranstaltungen auf höchstem Niveau und kein Rambazamba», versichert Dölle.

Noch ein Weihnachtsmarkt

Ende 2016 gibt es schliesslich auch auf dem Münsterhof einen Weihnachtsmarkt, der danach bis 2020 jährlich stattfinden soll. Die Konzepte konnten bis Ende November beim Büro für Veranstaltungen eingereicht werden. Auch der Förderverein Kulturplatz Münsterhof ist unter den Bewerbern. «Unsere Ideen gehen dabei ebenfalls in Richtung Kultur. Wir wollen keine Häuschen für Essen und Trinken, Glühwein oder Würste, sondern ein ruhiges, besinnliches Angebot schaffen, das zum Innehalten anregt», sagt Präsident Dölle.

Bevor es aber so weit ist, muss der neue Platz erst mal ordentlich eingeweiht werden. Das Eröffnungsfest findet am 18. und 19. Juni statt, beginnt am Samstag um 12 Uhr mit verschiedenen Konzerten sowie einer Orgelführung für Kinder und endet am Sonntag mit einem Frühschoppen sowie artistischen Darbietungen. Kultur wird also von Anfang an gross geschrieben auf dem neusten Platz von Zürich. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 11.01.2016, 13:43 Uhr

Geplante Anlässe auf dem Münsterhof 2016

11. bis 15. Februar: Fasnacht

17. April: Sechseläuten

13. bis 16. Mai: Zürich tanzt

3. bis 26. Juni: Zürcher Festspiele

18. bis 19. Juni: Eröffnungsfest Münsterhof

30. Juni bis 4. Juli: Züri-Fäscht

Mitte August bis Mitte September: Kunstnutzungen

26. September: Zürcher Orientierungslauf

24. November bis 24. Dezember: Weihnachtsmarkt

11. Dezember: Silvesterlauf

Artikel zum Thema

Dada kommt mehr als das Züri-Fäscht

Zürichs Agenda ist 2016 voller aussergewöhnlicher Grossereignisse. Das freut nicht nur die Dada-Anhänger. Mehr...

Und es wurde Lust

Monatelang fragte sich Zürich, was mit dem geschlossenen Traditionsrestaurant Münsterhöfli geschieht. Das Geheimnis ist gelüftet: Leopold Weinberg und sein Team haben es «erotisiert». Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Kommentare

Die Welt in Bildern

Hi Fisch! Vor Hawaii lebt dieser Haifisch Namens Deep Blue. Wer mutig ist und lange die Luft anhalten kann, darf ihn unter Wasser streicheln (15. Januar 2019).
(Bild: JuanSharks) Mehr...