Nach erneuten Attacken: Zürcher Polizei reagiert

Polizeivorsteher Richard Wolff (AL) und Kommandant Daniel Blumer haben eine Arbeitsgruppe eingesetzt, um die Gewalt gegen Beamte zu verringern.

Eingekesselt: Bei einem früheren Vorfall bewarfen kurdische Demonstranten Zürcher Polizisten mit Steinen (08.02.2016).

Eingekesselt: Bei einem früheren Vorfall bewarfen kurdische Demonstranten Zürcher Polizisten mit Steinen (08.02.2016). Bild: Siggi Bucher/Keystone

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Drei verletzte Polizisten, Sachschaden in der Höhe von über 50'000 Franken. Dies die Bilanz des Saubannerzugs vom vergangenen Samstagabend zwischen Bellevue und Central (TA vom Montag). Vermummte Chaoten versprayten Hauswände und schlugen Fensterscheiben ein. Als die Polizei eintraf, wurden die Beamten mit Steinen und Knallkörpern beworfen und mit Laserpointern ge­blendet. Drei Polizisten mussten mit Gehörproblemen ins Spital gebracht werden. Ein 25-jähriger Schweizer, der beim Einschlagen einer Scheibe ertappt wurde, konnte verhaftet werden.

Die Polizei geht davon aus, dass die Randalierer aus der autonomen Szene stammen. Gestützt wird die These durch ein Bekennerschreiben auf einer einschlägigen Internetplattform. Dort wird die militante Demonstration als Antwort auf das Verhalten der Zürcher Polizei in den vergangenen Monaten bezeichnet: «Ob bei Demonstrationen oder Besetzungen, die Polizei von Richard Wolff (Alternative Liste) engt ein, pfeffert, schrotet, kontrolliert, verhaftet, verteilt Wegweisungen und versucht mit ihrer Repression Bewegungen und Widerstand auf der Strasse zu unterdrücken … Da war es an der Zeit, ihnen eine Quittung für ihr Verhalten auszustellen.»

2016 bereits sechs Angriffe

Die drei verletzten Polizisten wurden ­inzwischen wieder aus dem Spital entlassen. Ob sie bleibende Schäden davontragen, sei noch nicht klar, erklärt Infochef Marco Cortesi. Es sei in diesem Jahr bereits das sechste Mal, dass es aus Gruppen heraus zu Gewalt gegen Polizisten gekommen ist. «Eine sehr bedenk­liche Entwicklung», so Cortesi. Mitte ­Januar etwa wurde die Polizei bei einer unbewilligten Demo am Heimplatz mit Steinen beworfen. Eine Polizistin wurde durch ein Feuerwerksteil im Gesicht verletzt. Am 9. Januar wurden Polizisten, die bei einem Streit vor einem Nachtclub im Kreis 4 schlichteten, von Vermummten mit Flaschen und Regenschirmen angegriffen.

Schon letztes Jahr zählte die Stadtpolizei Zürich 17 teils gravierende Übergriffe auf ihre Beamten. Dieser Entwicklung will man nun nicht länger tatenlos zusehen. Polizeivorsteher Richard Wolff und Kommandant Daniel Blumer haben deshalb eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, wie Cortesi erklärt. Sie soll in den nächsten Monaten nach Lösungen suchen, wie sich die Zahl solcher Übergriffe verringern lässt. Der Arbeitsgruppe werden auch externe Partner angehören. Es sei wichtig, dass die Aussensicht miteinbezogen werde.

Bürgerliche kritisieren Wolff

Für SVP-Fraktions-Chef Martin Götzl ist es «sehr bedauerlich», dass es immer häufiger zu Angriffen auf Polizisten kommt. Nun müsse der Einsatz von Drohnen oder von Körperkameras für Polizisten geprüft werden. Unbefriedigend sei, dass nach Ausschreitungen so wenige Täter verhaftet werden. Götzl kritisiert, dass die Polizeiführung sich in der Vergangenheit nicht entschieden genug vor die Polizisten gestellt habe. Auch FDP-Gemeinderat Andreas Egli stört sich an den wenigen Verhaftungen. «Wir fragen uns, ob die Stadtpolizei nicht entschlossener gegen Chaoten durchgreifen will, kann oder darf.» SP-Fraktionschef Davy Graf nennt die Ausschreitungen «inakzeptabel». Besonders stossend sei, dass Polizisten verletzt wurden. Für AL-Gemeinderat Walter Angst ist es «indiskutabel», einfach auf Polizisten loszugehen und Schaufenster einzuschlagen: «Das ist keine Message.»

Erstellt: 16.02.2016, 07:57 Uhr

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