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Nach Zürich gelockt, um anzuschaffen

Ein Ehepaar holte eine Brasilianerin in die Schweiz, damit sie sich prostituiert. Für das Bundesgericht ist das ein Fall von Menschenhandel.

Eine Zürcher Barbesitzerin hatte der Frau 2007 bei einem Aufenthalt in Brasilien angeboten, bei ihr als Prostituierte zu arbeiten. Die Frau willigte ein, um den Lebensunterhalt für ihre zwei Kinder zu sichern. Über die erfolgreiche «Rekrutierung» informiert, organisierte der Gatte die Reise in die Schweiz, wo sie in der Bar des Ehepaars als Prostituierte zu arbeiten begann. Mit ihren Einnahmen musste sie zunächst 2400 Franken für Anreisekosten und Essensgeld abzahlen.

Das Zürcher Obergericht sprach die Eheleute im letzten November wegen Menschenhandels schuldig und verurteilte sie zu je einer bedingten Geldstrafe von 360 Tagessätzen à 30 Franken sowie zu insgesamt 3000 Franken Genugtuung. Das Bundesgericht hat diesen Entscheid nun bestätigt und die Beschwerde des Paares abgewiesen.

Kein freier Entscheid

Die Barbesitzer hatten argumentiert, dass das sexuelle Selbstbestimmungsrecht der Frau nicht beeinträchtigt worden sei. Sie habe gewusst, worauf sie sich einlasse. Das Bundesgericht hält ihnen entgegen, dass die aus Armut und wirtschaftlicher Not heraus gefällte Entscheidung zur Prostitution nie freiwillig ist. Die Frau habe nicht bloss eingewilligt, um ihre eigene Situation zu verbessern. Vielmehr sei sie nach der Trennung von ihrem Mann mit leeren Händen dagestanden und habe für ihre zwei Kinder sorgen müssen.

So habe sie sich in einer ausweglosen Lage befunden und aus dieser Situation der Bedürftigkeit und Verwundbarkeit heraus einer Tätigkeit als Prostituierte zugestimmt. Ihren Zuhältern sei dies bekannt gewesen – und sie hätten davon profitiert.

SDA/fsc

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