Das wird besser im Zürcher Nachtnetz

Der «Nachtfünfliber» soll fallen, rund um die Langstrasse gibts den Viertelstundentakt, und Winterthur bekommt bessere Verbindungen.

Der Hauptbahnhof wird künftig das Bellevue als Nachtbus-Knotenpunkt ersetzen: Nachtbusse am Central. Foto: TA

Der Hauptbahnhof wird künftig das Bellevue als Nachtbus-Knotenpunkt ersetzen: Nachtbusse am Central. Foto: TA

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Manchmal braucht es etwas Zeit, bis etwas Unliebsames verschwindet. Ganz schnell weg wünschen sich auf einmal der Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) und der Regierungsrat den unter den Jungen unbeliebten Nachtzuschlag. Dies gab die Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh (FDP) gestern an einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz bekannt.

Läuft alles nach Plan, entfällt der 5-Franken-Zuschlag für die durchschnittlich 20'000 Fahr­gäste pro Nacht per Ende 2021. Bis anhin verlangte die Politik, dass der ZVV das Nachtnetz kostendeckend betreibt. In einem entsprechend formulierten Nachtrag zur ZVV-Strategie 2022–2025 beantragt der Regierungsrat nun, dies zu ändern.

«Nachtnetz wird erwachsen»

Nimmt der Antrag die politischen Hürden, fällt der Sonderstatus 19 Jahre nach Einführung des ZVV-Nachtnetzes im Dezember 2002. Oder wie es Carmen Walker Späh sagte: «Das Nachtnetz wird erwachsen.» Gleichzeitig soll es weiter wachsen und sich den veränderten Ausgehgewohnheiten anpassen.

Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh will den «Nachtfünfliber» streichen. Foto: Keystone

Der neue Nachtbus-Knotenpunkt in der Stadt Zürich wird nicht mehr das Bellevue sein, sondern der Hauptbahnhof, weil heute mehr im Kreis 4 und 5 gefeiert wird als früher.

«Im Ausgehquartier rund um die Zürcher Langstrasse soll neu ein Viertelstundentakt eingeführt werden», sagte ZVV-Direktor Franz Kagerbauer. Weiter will man die Verbindung der beiden Städte Zürich und Winterthur verbessern und neu an Wochenenden die ganze Nacht durch einen Halbstundentakt sicherstellen.

ZVV-Direktor Franz Kagerbauer kündigt den Ausbau des Nachtnetzes an. Fotos: Keystone

Allgemein wird die Region Winterthur stark von den Änderungen profitieren. «Dort haben wir am meisten Nachholbedarf verortet», sagte Kagerbauer. In der Stadt sind neue Nachtbuslinien im Halbstundentakt geplant. Zudem wird es ein neues Nachtbuskonzept für die Regionallinien ab Winterthur geben.

Der geplante Ausbau des Nachtnetzes erhöht die jährlichen Kosten um rund 2 Millionen Franken. Diese würden sich gleichmässig zu je einem Viertel auf die Stadt Zürich, die Stadt Winterthur, den Halbstundentakt zwischen Zürich und Winterthur sowie den Ausbau in den ländlichen Gebieten verteilen, wobei darin auch die neuen Regionallinien ab Winterthur enthalten sind. Weiter will der ZVV das Tagnetz ausdehnen, also teilweise früher starten und später aufhören. «Die detaillierte Ausarbeitung des Konzepts findet im Rahmen des ordentlichen Fahrplanverfahrens statt, welches die Mitwirkung der Bevölkerung und der Gemeinden sicherstellt», so der ZVV-Direktor.

Politik begrüsst Vorhaben

Inklusive des geplanten Ausbaus würde das Nachtnetz neu 17 Millionen Franken jährlich kosten. Weil der ZVV aber damit rechnet, dass die Nachfrage künftig um 30 Prozent steigen wird und 2021 die Trassenpreise im S-Bahn-Netz für den Verkehrsverbund um 5 Millionen Franken sinken werden, rechnet er vor, dass diese beiden Faktoren die Ausfälle des Nachtzuschlags kompensieren können.

Damit Ende 2021 der Nachtzuschlag verschwindet, muss ­allerdings noch der Vertrag mit den Nachtzuschlag-Tarifverbundpartnern gekündigt werden. Denn die angestrebte Neuerung gilt vorerst nur für das ZVV-Netz.

Zwischen Zürich und Winterthur soll es an Wochenenden durchgehend den Halbstundentakt geben.

Die Parteien haben die gestrige Ankündigung wohlwollend aufgenommen. Rot-Grün begrüsst den Schritt, spricht von einer Strafgebühr für Junge, gegen die sie sich schon seit Jahren wehrten. Die FDP stellt sich grundsätzlich hinter die Pläne, stellt aber die Bedingung: «Der Kostendeckungsgrad des ZVV darf nicht sinken.» Die Grünliberalen hingegen befürchten, dass ohne Nachtzuschlag der Spielraum für einen weiteren Ausbau des Nachtnetzes schwindet. Sie fordern zudem ein Nachtnetz-Angebot unter der Woche – insbesondere am Donnerstag. An der Pressekonferenz wurde dies aber vom ZVV kategorisch ausgeschlossen. Die Nachfrage sei zu klein, hiess es.

Voraussichtlich kommt der «Nachtfünfliber», wie ihn Carmen Walker Späh gestern nannte, im Frühling in den Kantonsrat. Er wird dort wohl für weniger Furore sorgen als jüngst der unbeliebte Schiffsfünfliber, den die Volkswirtschaftsdirektorin zuerst einführte, dann trotz Kritik daran festhielt – und dann plötzlich doch wieder ganz zügig versenkte.

Erstellt: 30.10.2019, 08:28 Uhr

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