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Naegeli schliesst mit Zürich ab

Der «Totentanz» im Grossmünster bleibt nach einem Streit mit dem Kanton unvollendet. Spraykünstler Harald Naegeli macht nun reinen Tisch.

«Lasst mein Werk für mich sprechen.» Harald Naegeli zeigt sich nicht gern in der Öffentlichkeit.  (2017, Pro Litteris, Zürich.)
«Lasst mein Werk für mich sprechen.» Harald Naegeli zeigt sich nicht gern in der Öffentlichkeit. (2017, Pro Litteris, Zürich.)
Doris Fanconi
Kunst im Treppenhaus des Grossmünsters: Im November 2018 begann Spraykünstler Harald Naegeli mit seinem Werk «Der Totentanz». Es bleibt wohl unvollendet.
Kunst im Treppenhaus des Grossmünsters: Im November 2018 begann Spraykünstler Harald Naegeli mit seinem Werk «Der Totentanz». Es bleibt wohl unvollendet.
Enzo Lopardo
Gemäss dem 80-jährigen Künstler war der «Totentanz» sein letztes Werk. Naegeli sagt Tschüss.
Gemäss dem 80-jährigen Künstler war der «Totentanz» sein letztes Werk. Naegeli sagt Tschüss.
Reto Oeschger
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Die Verbindung zwischen Harald Naegeli und Zürich begann mit einem Missverständnis. Und es endet mit einem selbigen. Vor 40 Jahren wurde der «Sprayer von Zürich» geschnappt, verhaftet und verurteilt. Zuvor hatte er jahrelang Mauern mit sonderbaren Figuren besprayt und das Publikum in Verachter und Bewunderer geteilt.

Im vergangenen Herbst begann er, ein Treppenhaus des Grossmünsters mit seinen Strichfiguren zu verzieren – diesmal mit amtlichem Segen. Bis der damalige Baudirektor Markus Kägi (SVP) intervenierte und ihm das Weitersprayen verbot. Der inzwischen 80-jährige Künstler hatte den vertraglich festgelegten Zeichenperimeter überstrichen. Kürzlich wurde bekannt, dass der neue Baudirektor Martin Neukom (Grüne) nicht bereit ist, auf Kägis Entscheid zurückzukommen.

«Auch als Fragment vollkommen»

Damit endet das künstlerische Wirken Naegelis in seiner Heimatstadt. Das Werk im Grossmünster, das er ohne Honorar in Angriff nahm, werde unvollendet bleiben. Dies erklärt Naegeli in einem Interview mit der NZZ. «Kunst lässt sich nicht mit staatlichem Massstab definieren», sagt er. «Den Vogelflug misst man auch nicht mit dem Zollstock.» Etwas bitter stellt er fest, dass sogar «ein Geschenk gemassregelt» wird. Aber: «Der Totentanz ist wie jede grosse Kunst auch als Fragment vollkommen.» Nun werde er das Werk auch dann nicht vollenden, wenn ihn «der liebe Gott darum bittet».

«Den Totentanz vollende ich selbst dann nicht, wenn mich der liebe Gott darum bittet.»

Harald Naegeli

Naegeli hatte Zürich Mitte der 1980er-Jahre verlassen und lebte 35 Jahre lang in Düsseldorf. Im letzten Herbst erfolgte das überraschende Comeback an der Limmat.

Naegeli will in Zürich sterben

Naegeli hat das Interview im Unispital geführt, es liest sich wie ein Abschied. «Ich werde immer schwächer», sagt er. «Mein Leben ist weitgehend abgeschlossen.» Es gebe nicht mehr viel, das ihn hier halte. Er wolle in Zürich sterben, gibt er bekannt. «Zürich ist wunderschön, viel schöner als Düsseldorf.»

«Früher wurde ich als Schmierfink angesehen, als Sachbeschädiger. Nun gelte ich als Pionier der Street Art,als ernsthafter Künstler.»

Harald Naegeli

Versöhnlich gibt er sich auch gegenüber den Behörden, mit denen er ein Leben lang im Clinch lag. «Auch wenn der Totentanz nun nicht weitergeführt werden kann, ist es eine grossartige Manifestation, dass die Kirche sich überhaupt darauf eingelassen hat», sagt er. Er sieht das als Anerkennung, nach der er sich lange gesehnt hat: «Früher wurde ich als Schmierfink angesehen, als Sachbeschädiger. Nun gelte ich als Pionier der Street Art, als ernsthafter Künstler.»

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