Naegeli umgarnt den neuen Baudirektor

Der Street-Art-Künstler Harald Naegeli setzt viel Hoffnung in den grünen Regierungsrat Martin Neukom. Und er hat eine dringende Bitte an ihn.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Keine Zeit verlieren und Präsenz markieren, um doch noch zum Ziel zu kommen. Das scheint sich Harald Naegeli vorgenommen zu haben. Noch keine zwei Wochen ist der Grüne Martin Neukom als kantonaler Baudirektor im Amt, schon hat er elektronische Post vom Zürcher Street-Art-Künstler erhalten. Inhalt: Gratulationen und eine dringende Bitte.

Harald Naegeli geht es um den «Totentanz» im Grossmünster, seinen lang gehegten Traum. Dieses mehrteilige Wandbild aus Strichmännchen und -frauen im Turmgebäude hat der 79-Jährige Ende 2018 angefangen, durfte es aber nicht beenden. Naegeli hatte sich nicht an die vereinbarten Regeln gehalten, worauf der ehemalige Baudirektor Markus Kägi (SVP) ihn aufforderte, die Arbeiten zu sistieren. Kägi drohte ihm gar, das gesamte Kunstwerk zu entfernen, halte er sich nicht daran.

Deshalb hofft Naegeli nun auf den Neuling und darauf, dass er seine «Visionen nicht begrenzt». Neukom möge seinen bislang geschaffenen Totentanz doch bald einmal besuchen und ein souveränes O. K. ohne überflüssige formale Hindernisse erteilen, schreibt er in einem Rundschreiben.

Gesundheitlich angeschlagen

Aus Naegelis Zeilen spricht auch eine gewisse gesundheitliche Dringlichkeit. Naegeli schreibt in seiner Mail von seiner eigenen Gebrechlichkeit, der fortschreitenden Krankheit und dem Zerfall des eigenen Körpers. Anfang Jahr war er schon nicht sicher, wie seine körperliche Verfassung im Mai sein werde. «Es ist fraglich, ob ich dann noch lebe!», liess er sich zitieren.

Die Idee, der Grossmünsterkirche mit dem Totentanz ein politisches und kulturelles Denkmal zu stiften, hatte Naegeli der Kirchgemeinde bereits 2006 unterbreitet. Christoph Siegrist, Pfarrer am Grossmünster, war es auch, der Anfang Jahr zwischen Naegeli und dem ehemaligen Baudirektor zu vermitteln versucht hatte. Nach dem Gespräch zeigte sich Naegeli wenig motiviert, sein Werk überhaupt noch beenden zu wollen.

Geerbtes Geschäft

Die Baudirektion bestätigt den Eingang der Mail. Es sei eines der Geschäfte, die Martin Neukom von seinem Vorgänger geerbt habe, sagt Sprecher Dominik Bonderer. «Mehr kann ich derzeit dazu aber nicht sagen.»

Martin Neukom wird sich zu einem späteren Zeitpunkt zum Totentanz äussern.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 17.05.2019, 18:05 Uhr

Artikel zum Thema

«Sprayer von Zürich» muss wegen Flamingo-Graffiti zahlen

Eine Spray-Aktion in Deutschland kommt den berühmten Zürcher Künstler Harald Naegeli teuer zu stehen. Mehr...

Ausgetanzt!

Harald Naegeli beendet seine Arbeit am Totentanz im Grossmüsterturm – aus Ärger über Baudirektor Markus Kägi. Mehr...

Harald Naegeli provoziert im Zürcher Grossmünster

Der Graffitipionier hat mit seinen Strichfiguren eine rote Linie überschritten. Baudirektor Markus Kägi ist verärgert. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Weiterbildung

Banken umwerben Frauen

Weltweit steigt das Privatvermögen von Frauen. Banken zeigen, wie dieses gewinnbringend anzulegen ist.

Kommentare

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Fanliebe: Kurz vor dem sechsten Spiel des NBA Finals zwischen den Toronto Raptors und den Golden State Warriors herrscht im Fansektor grosse Anspannung. (Toronto, 13. Juni 2019)
(Bild: Chris Helgren ) Mehr...