Naturschützer scheitern mit Beschwerde gegen Holzschlag

SVP-Regierungsrat Markus Kägi lehnt es ab, das Fällen von rund 2100 Bäumen am Uetliberg zu untersagen. Der Protest am Zürcher Hausberg geht aber weiter.

Ein spezialisiertes Unternehmen ist längst daran, im Auftrag der Stadt mit schwerem Gerät die Bäume am Hang zu fällen. Bild: Fabienne Andreoli

Ein spezialisiertes Unternehmen ist längst daran, im Auftrag der Stadt mit schwerem Gerät die Bäume am Hang zu fällen. Bild: Fabienne Andreoli

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Der Protest kommt in neuer Gestalt daher. Im Bereich des Denzlerwegs hängen an diversen Bäumen Zettel, wie ein Augenschein heute Morgen gezeigt hat. Die Bäume sind allesamt markiert; die Farbstriche sind Vorboten der bevorstehenden Fällung. «Stopp!!!», steht da geschrieben. «Erbarmt euch!!!», «Ich will leben!».

Nicht bekannt ist, wer der Urheber des Schreibens ist. Er oder sie dürfte aus dem Kreise jener Naturschützer stammen, die gegen die laufende Fällung von 2100 Bäumen am Uetliberg protestieren. Die Kritik richtet sich gegen die «blinden Experten, die ihr meint, dass ihr etwas von der Natur versteht». «Wie könnt ihr so ein Wunder der Natur, gewachsen in hundert Jahren, in ein paar Minuten mit euren brutalen Maschinen zerstören?»

Markus Kägi hat nun die Antwort darauf gegeben. Die Baudirektion des SVP-Regierungsrats lehnt es ab, den Holzschlag am Uetliberg zu untersagen. Einer Aufsichtsbeschwerde, in der Pro Uetliberg vorletzte Woche ein solches Verbot verlangt hat, gibt die Baudirektion keine Folge. Bereits mit der Forderung nach einer vorübergehenden Sistierung der Arbeiten sind die Naturschützer aufgelaufen, wie seit Mittwoch bekannt ist. Die Arbeiten schreiten damit weiter voran. In einer Zone von 30 Hektaren soll jeder fünfte Baum der Axt weichen müssen.

Eingriff als verhältnismässig taxiert

Es sei nicht ersichtlich, inwiefern der Holzschlag «offensichtlich gegen klares Recht verstossen würde», heisst es im Entscheid, der dem «Tages-Anzeiger» vorliegt. Die Baudirektion taxiert den Eingriff nicht nur als verhältnismässig. Sie widerspricht den Naturschützern auch in der zentralen Frage, ob der Holzschlag im Einklang mit den Schutzzielen stehe, die in diesem Gebiet gelten.

Ziel sei es, lichte Waldbestände zu erhalten und fördern, stellt die Baudirektion klar. Weil die Förster in diesem Gebiet aus praktischen Gründen – die Zone ist steil und unwegsam – nur in grösseren Abständen den Wald bewirtschaften, ist der Eingriff im Verhältnis zum Ausgangsbestand «relativ stark», wie die Baudirektion schreibt. Das aber sei notwendig, um die gemäss Schutzverordnung verlangten Lebensräume zu schaffen. Mit einer zurückhaltenden Nutzung dagegen sei es nicht möglich, die angestrebten Biodiversitätswerte zu erreichen. «Situativ mitberücksichtigt» hätten die Förster auch die übrigen Schutzziele, etwa die Förderung von Alt- und Totholz sowie die Schonung der Eibenbestände.

Pro Uetliberg wartet auf Anwalt

Als unproblematisch taxiert die Baudirektion auch die Tatsache, dass die fragliche Zone in einem Gebiet liegt, das im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung verzeichnet ist (Albiskette-Reppischtal). Zu den Schutzzielen gehöre es insbesondere, die in grossen Teilen naturnahe Waldlandschaft mit der Silhouette der Albiskette zu erhalten. Zwar werde das Waldbild durch den Eingriff «für einige Zeit deutlich verändert», der Holzschlag sei aber «lokal eng begrenzt», die Wahrnehmung des BLN-Objekts als Ganzes sieht die Baudirektion dadurch aber nicht beeinträchtigt.

Der Vorstand von Pro Uetliberg wird sich am Montag zu einer Sitzung treffen und das weitere Vorgehen sprechen. «Wir warten», sagt Präsidentin Margrith Gysel, «nun auf eine Reaktion von unserem Anwalt.»

Erstellt: 19.10.2018, 09:31 Uhr

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