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Zürich testet Boden-Ampel auf der Hardbrücke

Alarm, wenn Velofahrer und Passanten streiten. So geschehen an der Bushaltestelle Hardbrücke. Hilfe könnte dieses neue System bringen.

LED-Lichter sollen Konflikte lösen: Bei der Haltestelle Hardbrücke kommen sich Fussgänger und Velofahrer häufig in die Quere.
LED-Lichter sollen Konflikte lösen: Bei der Haltestelle Hardbrücke kommen sich Fussgänger und Velofahrer häufig in die Quere.
Lea Blum
In dieser sogenannten Mischzone müssen auf Busse wartende Passagiere und vorbeifahrende Velofahrer aneinander vorbeikommen.
In dieser sogenannten Mischzone müssen auf Busse wartende Passagiere und vorbeifahrende Velofahrer aneinander vorbeikommen.
Lea Blum
Wenn die Lichter zu einer Konflikt-Entschärfung führen, könnten sie auch an anderen Orten zum Einsatz kommen.
Wenn die Lichter zu einer Konflikt-Entschärfung führen, könnten sie auch an anderen Orten zum Einsatz kommen.
Lea Blum
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«Erleuchtung verhindert Konflikte» lautet der Titel eines Artikels in der Mitarbeiterzeitschrift der Dienstabteilung Verkehr der Stadt Zürich (DAV). Ein Titel, der dem Einstieg einer Predigt gleicht. Im Schreiben wird aber nicht zur Nächstenliebe aufgerufen, sondern über eine neue, sogenannte Lichtinsel auf der Hardbrücke informiert.

Auf der 70 Meter langen Haltestelle Hardbrücke wurden vor kurzem LED-Lampen in den Boden versenkt. Diese Bodenampeln sollen ab September den Verkehr zwischen Velofahrern und ÖV-Passagieren regeln. Zudem zeigen die Bodenampeln an, wo genau der Bus zum Stehen kommt. Diese Art der Signalisation ist eine Neuheit in der Schweiz.

Signalisation am Boden besser als Hinweistafeln

Die Neuerung kommt nach einem Postulat, das Markus Knauss (Grüne) und Guido Trevisan (GLP) im Februar 2015 eingereicht hatten. Sie thematisierten darin den Mischverkehr, der auf so engem Raum wie der Hardbrücke gefährlich werden könne.

«Ich bin froh, hat das Postulat Wirkung gezeigt», sagt Knauss, der auch Geschäftsführer des VCS Zürich ist. Ein Veloweg über die gesamte Hardbrücke wäre ihm zwar lieber. Aber auch wenn es diesen irgendwann gäbe, bestünde das Mischverkehr-Problem bei der Haltestelle weiterhin.

Mischzonen sind «unhaltbar»

«Die Idee dieser Leuchten stammt aus Kopenhagen und hat sich dort sehr bewährt», sagt Knauss. Ciceri wiederum ist zuversichtlich, dass die Signalisation auf dem Asphalt in Zürich funktioniert: «Velofahrende schauen eher auf den Boden als in die Höhe, da sie ihren Fahrweg ‹suchen›.» Dies treffe auch auf ÖV-Passagiere zu, vor allem auf diejenigen, die mit Smartphones beschäftigt seien.

Die Bushaltestelle Hardbrücke ist eine der meistfrequentierten Haltestellen in Zürich. Dass sich genau dort eine Mischverkehrzone befindet, wo Velofahrer und Fussgänger auf engem Raum aneinander vorbeikommen müssen, findet Knauss unhaltbar. «Es werden sich nie restlos alle an die neuen Lichtinseln halten, und es braucht gewiss eine Anpassungszeit.» Da bei dieser Haltestelle vor allem Berufsleute und kaum Touristen verkehren, sollte das System «relativ schnell einleuchten».

Gefährlichere Orte als die Hardbrücke

Als Dave Durner, Geschäftsführer von Pro Velo, von dieser Idee hört, lacht er laut. Auch er hält von Mischzonen nichts und bezweifelt, dass das System funktionieren wird. «Fussgänger achten sich nicht, wo sie warten sollten, und nicht alle Velofahrer bleiben bei Rot auch wirklich stehen», so Durner. Man habe dort die Veloführung «völlig versiebt».

«Da herrscht jetzt eben Chaos», so Durner. Ausserdem sei die Haltestelle Hardbrücke kein gefährlicherer Ort als beispielsweise das Bellevue. Natürlich gäbe es Orte wie beim Stadelhofen, wo Mischzonen unumgänglich seien. «Aber auf der Hardbrücke ist das nicht nötig: Grundsätzlich gehören Velos laut Durner auf die Fahrbahn und Fussgänger aufs Trottoir.

Die ersten Tests der neuen Lichtinsel starten im September. Auf den Fahrplanwechsel im Dezember wird das System dann in Betrieb genommen. Wenn die Lichter zu einer Konfliktentschärfung führen, könnten sie auch an anderen Orten zum Einsatz kommen.

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