Neue Rebstöcke für den Hönggerberg

Die Stadt setzt auch beim Wein auf biologischen Landbau. Jetzt ersetzt sie die altehrwürdigen Rebstöcke im Chillesteig mit pilzwiderstandsfähigen Sorten.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der Umbau des Weinbergs Chillesteig unterhalb der reformierten Kirche Höngg erfolgt in Schritten. Bereits 2013 wurden erste Rebstöcke der traditionellen Traubensorte Pinot noir durch Prior-Trauben ersetzt. Im letzten Jahr kam mit Divico eine weitere pilzwiderstandsfähige Sorte hinzu, von der zunächst sechs Reihen gepflanzt wurden. Und diesen Juni pflanzte Grün Stadt Zürich mithilfe einer auf Rebbaudienstleistungen spezialisierten Firma insgesamt 2300 neue Rebstöcke – 1100 Prior und 1200 Divico.

Die alten Rebstöcke waren schon im vergangenen Herbst mit einem Traktor ausgerissen worden. Sie werden im städtischen Gutsbetrieb Juchhof als Brennholz genutzt, wenn die Schulkinder zum Znüni Steckenbrot über dem Feuer backen. Nach dem Entfernen der alten Reben wurde der Boden mit einem Grubber grobschollig aufgerissen, sodass im Winter eine sogenannte Frostgare den Boden natürlich lockern und feinkrümelig machen konnte. Dieser Arbeitsgang wurde im Frühjahr wiederholt, um Luft in den Boden zu bringen, damit die Bodenbakterien arbeiten können.

Schweizer Neuzüchtung

Die rote Rebsorte Divico ist eine Schweizer Neuzüchtung von Agroscope, dem eidgenössischen Kompetenzzentrum für landwirtschaftliche Forschung. Divico ist resistent gegen Falschen und Echten Mehltau sowie Graufäule. Entwickelt wurde sie 1996 am Standort Pully aus den Sorten Gamaret und Reichsteiner. Der Name Divico erinnert an den legendären Anführer der Helvetier in der Schlacht gegen die Römer bei Agen 105 v. Chr.

Die zweite pilzwiderstandsfähige rote Rebsorte, Prior, ist eine deutsche Neuzüchtung, die 1987 am Staatlichen Weinbauinstitut Freiburg entwickelt wurde. Sie ist weitgehend gegen Falschen und Echten Mehltau resistent und weist eine geringe Neigung zum sogenannten Verrieseln auf, dem unerwünschten Abstossen von ungewöhnlich vielen Blüten oder Beeren. Der Name Prior leitet sich vom lateinischen Wort für «der vortreffliche» ab. Die Bestände in der Schweiz sind noch eher klein. Beide Traubensorten erbringen farbintensive, tanninreiche Rotweine.

Nach 40 Jahren ausgelaugt

Laut Lukas Handschin, Pressesprecher von Grün Stadt Zürich, müssen dank der pilzwiderstandsfähigen Sorten viel weniger chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden. Zudem seien die Rebstöcke nach über vierzig Jahren ausgelaugt und würden nicht mehr das erwünschte Gleichgewicht von Quantität und Qualität erreichen. Mit dieser Maschine werden die neuen Reben gepflanzt.

Der städtische Gutsbetrieb Juchhof, der auch den Weinberg am Chillesteig bewirtschaftet, habe schon in der Vergangenheit mit biologischem Ackerbau begonnen. Aus diesem Grund seien auch die Milchkühe verkauft worden. Ziel sei nur noch biologische Landwirtschaft auf Stadtgebiet.

Jahrhundertalter Rebberg

Die zu ersetzenden Rebstöcke am Chillesteig stammen aus dem Jahr 1969. Denn in diesem Jahr wurden auf dem drei Hektaren grossen Hügel wieder Reben angebaut, nachdem 1942 die letzten Weinreben unterhalb der Kirche Höngg gerodet wurden und der Hügel mit Gartenparzellen bewirtschaftet wurde. Der Chillehügel, so sein früherer Name, war über Jahrhunderte vollständig mit Reben bepflanzt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts musste in Höngg die Weinproduktion an fast allen Reblagen wegen der seit 1886 grassierenden Reblaus-Epidemie und des Aufkommens des Falschen Mehltaus aufgegeben werden.

Erstellt: 10.07.2019, 16:08 Uhr

Artikel zum Thema

Diese 77 Zürcher Weinbauern öffnen heute ihren Keller für Sie

Degustieren statt demonstrieren: Viele Winzer im Kanton nehmen den Tag der Arbeit wörtlich – unsere neun Tipps. Mehr...

Sein erster Räuschling schlägt gleich alle anderen

Das Weingut Schipf gewinnt die Degustation der Räuschling-Weine vom Zürichsee. Jonas David Ettlin hat ihn gekeltert. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Newsletter

Der ideale Start in den Tag

Sonntags bis freitags ab 7 Uhr die besten Beiträge aus der Redaktion.
Newsletter «Der Morgen» jetzt abonnieren.

Blogs

Geldblog Was passiert bei einem Konkurs meiner Bank?

Mamablog Besonders ist nicht besser

Die Welt in Bildern

Auf Händen getragen: Eine handgeschnitzte Statue der Jungfrau Maria wird anlässlich des Fests zu Ehren der «Virgen del Carmen» durch die andalusische Stadt Málaga geführt. (16. Juli 2019)
(Bild: Daniel Perez / Getty Images) Mehr...