Neue Tigerlady soll Tragödie von 2018 vergessen machen

Nachdem Tiger Sayan vor einem Jahr Gefährtin Elena totgebissen hat, startet der Zürcher Zoo einen neuen Versuch mit Irina. Der erste Kontakt fand schon statt.

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Es war ein erschütternder Befund, den die Pathologie der Veterinärischen Fakultät im letzten Oktober lieferte. Der zweieinhalbjährige Tiger Sayan hatte Elena im Kehlbereich gebissen, worauf die 14-jährige Tigerdame am 5. September starb. Der Zoo war von der Aggression Sayans völlig überrascht worden, da es zuvor keinerlei Anzeichen für Auseinandersetzungen gegeben hatte. Sayan war im März 2018 in den Zürcher Zoo gekommen.

Jetzt versucht es der Zoo erneut. Tigerlady Irina ist Anfang Juli nach Zürich gekommen. Das vierjährige Amurtigerweibchen ist nach der einmonatigen Quarantänezeit, in der es abgeklärt und mit dem Tigerpfleger vertraut gemacht wurde, vor einer Woche in ein kleines Aussengehege geführt worden.

Zoo hofft auf Nachwuchs

Schon zuvor hatte die Tigerin durch Gebrüll Kontakt aufgenommen mit dem nicht sicht-, aber riechbaren potenziellen Partner. Die erste richtige Annäherung mit dem fast gleichaltrigen Sayan durch das Gitter war eher durch Desinteresse als durch Aggression geprägt, wie Zoodirektor Alex Rübel berichtet. Er ist guter Dinge, dass das Zusammenleben klappen wird.

Die Zusammenführung läuft äusserst behutsam ab, die beiden Tiere werden sehr genau beobachtet und vom gleichen Pfleger betreut. Jetzt hat Irina Zugang zur Aussenanlage. Sie ist aber noch etwas scheu, weshalb sie fürs Publikum nicht immer sichtbar ist. Laut Rübel kann es zwei Wochen oder auch zwei Monate dauern, bis Irina und Sayan zusammengeführt werden und allenfalls ein gemeinsames Tigerglück seinen Lauf nimmt. Der Zoo hofft, dass es irgendwann Nachwuchs gibt.

«Erfahrung mit Weibchen»

Wie gross das Risiko eines weiteren Zwischenfalls ist, ist gemäss dem Zoodirektor schwierig zu sagen. «Der Vorfall von letztem Jahr war aussergewöhnlich.» Dass der Kater nach einem Jahr Einzelgängertum etwas derangiert sein könnte, glaubt Rübel nicht. Das Jahr sei völlig unproblematisch gewesen. «Tiger sind gerne allein, ausserdem hat Sayan Erfahrung mit Weibchen.» Vor seiner Ankunft in Zürich war der junge Tiger in Frankreich mit drei Schwestern aufgewachsen und auch schon mit einem anderen Weibchen zusammen gewesen.

Sayan erkundet im März 2018 sein neues Gehege in Zürich. (Video: Zoo Zürich)

Irina kommt aus Dänemark. Sie wurde Zürich vom Europäischen Zuchtprogramm zugewiesen. Es hat etwas länger gedauert als vom Zoo erhofft. Laut Rübel macht der Zoo aber nicht mehr Druck, weil das Publikumsinteresse bei Tigern gross ist. «Ob Faultier oder Tiger – es läuft immer dasselbe Programm ab.» Es sei gleichwohl eine grosse Freude, wieder eine Tigerdame auf dem Zürichberg zu haben.

Amurtiger werden gewildert

Der Amur- oder Sibirische Tiger ist mit bis zu vier Metern Länge (inklusive Schwanz) der grösste Vertreter seiner Art. Das Männchen kann bis 300 Kilo schwer werden, in Gefangenschaft können sie das Alter von 25 Jahren erreichen. In den 1940er-Jahren war die Art fast ausgestorben. In der Wildnis, an der russisch-chinesischen Grenze, lebten nur noch rund 40 Tiere. Heute hat sich der Bestand etwas erholt. Schätzungen gehen von rund 500 Exemplaren aus, wobei die Tiger noch immer stark unter Druck stehen und gewildert werden. In Zoos leben zusätzlich 300 Amurtiger.

Tigerdame Elena war 2010 aus München gekommen und hatte mit Kater Coto ein Jahr später vier Junge gehabt, wovon drei überlebten. Diese sind heute in der ganzen Welt verstreut. Coto musste 2016 als 14-Jähriger wegen akuten Magenproblemen eingeschläfert werden, worauf Elena mit Kater Fedor einen Lebensabschnittspartner erhielt. Dieser war aber nur kurz in Zürich, weil «sein» Zoo in Münster umgebaut wurde und er darauf zurückkehrte. 2018 folgte Sayan, mit den bekannten Folgen.

Nun soll in Zürich eine neue Generation entstehen. Nur müssen sich Irina und Sayan noch finden. Mit etwas Glück können Sie hier auf der Zoo-Webcam Irina erspähen.

Erstellt: 15.08.2019, 13:54 Uhr

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