Neues ZSC-Stadion, neue Pläne

Eishockey und Volleyball in einer Duplexarena sollte es sein. Nun wird das Stadion in Altstetten für die geplanten 193 Millionen Franken um eine Attraktion ärmer.

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Es war in den vergangenen Monaten ­ruhig um das Stadionprojekt in Alt­stetten geworden. Verdächtig ruhig. Das legte den Schluss nahe, dieses könnte sich stillschweigend erledigt haben. Doch Recherchen des «Tages-Anzeigers» haben nun ergeben, dass hinter den Kulissen fieberhaft an der Optimierung des Projekts gearbeitet wurde. Mit dem folgenden Resultat: ­Geplant ist nicht mehr eine Duplexarena für Eishockey und Volleyball, sondern ein reines Eishockeystadion.

Als das Siegerprojekt des englischen Büros Caruso St. John Architects im März 2013 vorgestellt wurde, war es gedacht als neues Zuhause für die ZSC Lions und Volero. Die Idee klang plausibel: Wenn zwei das gleiche Ziel haben, tun sie sich zusammen. Doch je weiter die Feinplanung vorangetrieben wurde, desto mehr kristallisierte sich heraus: Die betrieblichen Probleme, die sich durch die Doppel­nutzung ergeben hätten, wären grösser gewesen als die Synergien. Es wären etwa Einschränkungen in der Nutzung entstanden – so wäre es nicht möglich gewesen, dass beide Teams gleichzeitig spielen. Und auf beschränktem Raum (28'000 Quadratmeter) konnten nicht alle Wünsche erfüllt werden.

Es war unter diesen Umständen nicht möglich, einen Businessplan zu entwickeln, der finanziell aufgegangen wäre. Und ein solcher ist die Voraussetzung dafür, dass die Stadionpläne weiterverfolgt werden können, sich die privaten Investoren verpflichten. Bereits im letzten Herbst zeichnete sich ab, dass die ZSC Lions und Volero getrennte Wege gehen würden. Zu klären war aber noch, wer welche Planungskosten tragen und wo die neue Heimat des Volleyballclubs sein sollte. Voleros Stav Jacobi will aus dem Projekt in Altstetten ein neues entwickeln, ist auf der Suche nach Bauland. Die beiden Sportclubs trennen sich einvernehmlich, die Unterstützung der Stadt soll auf beide Bauvorhaben aufgeteilt werden, aber in der Summe gleich bleiben.

36 Millionen von privater Seite

Als das Duplexprojekt im Februar 2012 erstmals vorgestellt wurde, waren die Baukosten auf 193 Millionen Franken veranschlagt. 44 Millionen sollten die Clubs bringen, 149 Millionen Franken von der Stadt mittels eines Darlehens zu Selbstkosten gestellt werden, wie Martin Vollenwyder (FDP) erklärte, der damalige Vorsteher des Finanzdepartements. Durch den Wegfall des Volleyball-Komplexes vergünstigt sich das Stadion nun von 193 auf 156 Millionen. 36 Millionen werden von privaten Investoren gestellt – man darf davon ausgehen, dass ZSC-Präsident Walter Frey, Ex-SVP-Nationalrat ­Peter Spuhler und weitere fürs Eigen­kapital aufkommen. Die restlichen 120 Millionen Franken werden mittels eines Darlehens beglichen werden, für das die Stadt behilflich ist.

Sofern Volero seine Hallenpläne realisiert, soll der Club dazu von der Stadt ein Darlehen von 29 Millionen Franken erhalten. Womit man wieder bei den ursprünglichen 149 Millionen wäre. Auch der jährliche Betriebszuschuss von insgesamt 2,5 Millionen Franken soll auf die Clubs aufgeteilt werden: 2 Millionen für die ZSC Lions, 0,5 Millionen für ­Volero in seiner neuen Heimat.

So weit die Idee. Doch wie sieht es mit der Realisierung aus? Sofern der Stadtrat dieses Vorhaben trägt, wird es im ­Gemeinderat behandelt. Klar ist, dass das Volk noch darüber befinden wird. Voraussichtlich Mitte 2016 dürften die Zürcher über den Betriebszuschuss für das «Theatre of Dreams» abstimmen. Das Darlehen fällt zwar im Prinzip in die Kompetenz des Stadtrats. Doch im Sinne der Ganzheitlichkeit ist denkbar, dass das Stimmvolk über das ganze Paket urteilt, also über den Betriebszuschuss von 2 Millionen wie auch über das Darlehen von 120 Millionen Franken.

Zur Hürde könnte auch immer noch die Kulturlandinitiative werden, die den Schutz von Landwirtschaftsflächen vorsieht. Der Kantonsrat beschloss im Mai 2014, nicht auf die Umsetzungsvorlage einzutreten. Die Grünen des Kantons Zürich reichten darauf Stimmrechtsbeschwerde beim Bundesgericht ein – der Entscheid ist noch hängig. Sollte die ­Beschwerde gutgeheissen werden, könnte dies zu weiteren Problemen fürs Stadionvorhaben führen.

Auf dem Areal an der Vulkanstrasse, wo die Eishockeyarena gebaut werden soll, stehen immer noch Familiengärten. Den Pächtern wird, wie ursprünglich angedacht, von der Stadt der Ersatzstandort Dunkelhölzli in Altstetten zur Verfügung gestellt. Was den Businessplan des Stadions betrifft, so ist man bei den Bauherren überzeugt, unter den neuen Gegebenheiten rote Zahlen zu vermeiden.

Was statt der Volleyball-Halle?

Allerdings muss das Projekt, da die Volleyball-Halle wegfällt, überarbeitet werden. Von aussen soll sich nichts ändern. Die Frage ist, was mit dem zusätzlichen Raum geschieht. Denkbar ist, dass die Tiefgarage ins Erdgeschoss verlegt wird. Mehr Parkplätze als die geplanten 350 sollen es aber nicht werden. Man wird sich überlegen müssen, welche Zusatznutzungen Sinn machen. So denkt man bei den ZSC Lions über den Aufbau einer Sportphysiotherapie nach, die auch der Öffentlichkeit offenstünde. Eine Mantelnutzung mit Geschäften ist aber nicht vorgesehen. Die Eishockeyarena (Kapazität 12'000 Zuschauer) und das Trainingsfeld sollen bleiben wie angedacht.

Erstellt: 17.03.2015, 23:05 Uhr

Zwischen Turnhalle und Champions League

Volero und die Sehnsucht nach einer würdigen Heimat

Volero gehört längst zu den besten Frauenvolleyballteams der Welt. Im nächsten Jahr soll die – vorläufige – Krönung folgen. Präsident Stav Jacobi wird ein Team präsentieren, von dem er erwartet, dass es die Champions League gewinnt. Der gebürtige Russe, der den Club seit 2002 führt und ihn zu dem machte, was er heute ist, greift also nach den Sternen. Die Infrastruktur hinkt den sportlichen Ambitionen aber deutlich hinterher. Sie ist eines Spitzenclubs in einer Weltsportart eigentlich unwürdig.

Die Spielerinnen teilen sich die Hallen mit Amateurvereinen, mit Schülern, müssen ausweichen, einmal trainieren sie in der Oerliker Halle Im Birch, dann in der Stadt im Utogrund oder in der Hardau. Wenigstens tragen sie ihre internationalen Spiele mittlerweile nicht mehr in der Im-Birch-Halle aus, sondern in der Saalsporthalle. Die Probleme aber bleiben. Zum einen ist der Aufwand sehr gross, um die Stätte für internationale Spiele herzurichten – zum anderen ist der Trainingsbetrieb nicht befriedigend geregelt.

Schon lange sehnt sich Jacobi deshalb nach einer eigenen Arena. Nun, da das Projekt mit den ZSC Lions nicht zustande kommt, will der 48-Jährige eine eigene Lösung. Er verwendet dabei die Vorarbeit, die beim «Theatre of Dreams» geleistet wurde, und ist intensiv auf der Suche nach einem Landstück in Zürich-Nord. Dort, wo er seinen Club ansiedelte: Rund um den Oerliker Max-Bill-Platz wohnen die Spielerinnen, steht auch der Gastrobetrieb Volero-Lounge und befinden sich die Büros der Geschäftsstelle. «Der Stadtrat ist bestrebt, Boden­ersatz für uns zu finden», sagt Jacobi.

6000 Quadratmeter würde er benötigen, um ein wirtschaftlich sinnvolles Projekt mit einer Trainings-, einer von 3000 auf 1000 bis 1500 Zuschauerplätze redimensionierten Spielhalle und einer Drittnutzung wie Büros oder Wohnungen umzusetzen, glaubt er. Weiterhin würde die Stadt für ein Darlehen von 29 Millionen Franken bürgen, denselben Betrag wie beim Projekt in Altstetten. Rund 9 Millionen würden Jacobi und dem Club nahestehende Personen beisteuern. «Je nach Standort könnten wir auch ein Projekt realisieren, das für andere Investoren ­interessant wäre», ist Jacobi überzeugt. Doch erst einmal muss er die erste hohe Hürde nehmen und Bauland finden.
René Hauri

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