Neues Züri-Tram soll mit dem Zug kommen

70 Flexity-Trams werden zurzeit in Wien gebaut und dann nach Zürich geliefert. Auf der Strasse oder per Bahn? Für die Grünen ist das keine Frage.

Eine Computervisualisierung des Trams Flexity, das Ende 2019 durch Zürich fahren soll.

Eine Computervisualisierung des Trams Flexity, das Ende 2019 durch Zürich fahren soll. Bild: Stadtrat Zürich

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Sie rollen noch nicht, aber sie sind bestellt: 70 neue Flexity-Trams für 358 Millionen Franken haben die Zürcher Verkehrsbetriebe bei der Herstellerfirma Bombardier bestellt. Der Vertrag ist seit vergangenem Frühjahr unter Dach und Fach. Die ersten Fahrzeuge sollen im November 2019 über die Gleise Zürichs rollen.

Obwohl es bis dann noch eine Weile geht, steht schon jetzt die Frage im Raum, auf welche Weise diese neue Tramgeneration nach Zürich transportiert wird. Die Fahrzeuge werden in einem Bombardier-Werk in Wien hergestellt, also in ungefähr einer Distanz von 750 Kilometern zu Zürich. Die Cobra-Tramwagen wurden seinerzeit mit Spezialfahrzeugen auf dem Strassenweg nach Zürich gebracht, was einen grossen logistischen Aufwand bedeutete. Es sei damals kein umwelt- und klimaschonender Transport gewesen, sagt Gemeinderat Markus Knauss.

Basel macht es vor

Der grüne Politiker und Geschäftsführer des VCS Zürich fordert deshalb den Stadtrat in einer schriftlichen Anfrage dazu auf, dieses Mal für den Transport der Flexy-Trams doch auf Lastwagen zu verzichten und stattdessen auf die Bahn zu setzen.

Dass eine Anlieferung per Bahn grundsätzlich möglich sei, zeige die Firma Stadler, die ihre Tango-Trams für die Baselland Transport AG per Bahn von Altenrhein nach Basel transportiert habe, so Knauss.

Video: «Das Tram muss quietschen»

Die Basler haben die Züri-Trams bereits. Was sie davon halten. Video: Lea Koch

Vom Stadtrat will Knauss nicht nur wissen, wie die neuen Trams nach Zürich kommen, auf der Strasse oder per Bahn, sondern auch, mit welchen Kosten bei den verschiedenen Transporttypen zu rechnen sei. Der Politiker sagt auf Anfrage von Tagesanzeiger.ch/Newsnet, er habe gehört, dass Bombardier für den Transport die Strasse ausgewählt habe, deshalb wolle er mit seiner Anfrage im Gemeinderat die Öffentlichkeit für das Thema sensibilisieren.

Gemäss einer VBZ-Sprecherin ist der Entscheid noch nicht gefallen, wie die neue Tramgeneration 2019 nach Zürich gelangt.

Monstertransport des Cobra-Trams

Das erste Cobra-Tram traf im Mai 2001 ein und wurde mit einer Polizeieskorte und im Beisein von Fotografen und Journalisten nach Zürich gebracht. Es war ein Monstertransport: Der Tieflader, der das Tram geladen hatte, war 43 Meter lang und 103 Tonnen schwer. Wegen seiner Höhe von 4,4 Metern musste das Spezialfahrzeug an manchen Orten hydraulisch abgesenkt werden.

Der Transport war minutiös geplant. Die Route führte damals von der Produktionsanlage in Pratteln über die Autobahn Richtung Zürich und den Nordring bis Aubrugg, dann über den Bucheggplatz und die Rosengartenstrasse zum Albisriederplatz und anschliessend auf der Badenerstrasse Richtung VBZ-Zentrale. Auf der Autobahn zählte bei einigen Brücken jeder Zentimeter, manchmal ging es sogar nur schrittweise vorwärts, wie der «Tages Anzeiger» damals berichtete. Zudem musste eine Route ausgesucht werden, die keine engen Kurven aufwies.

Der ganze Transport dauerte vier Stunden, bis das erste Cobra-Tram die VBZ-Zentralwerkstatt in Altstetten erreichte. Die Höhe der Cobra war damals der Grund, weshalb die Auslieferung nicht per Bahn erfolgen konnte.

Erstellt: 23.11.2017, 11:17 Uhr

Trambeschaffung

In den Trams wird es enger

Zu den Spitzenzeiten sind viele Trams in Zürich mit Passagieren vollgestopft, ein Bild, welches die Zürcherinnen und Zürcher nur zu gut kennen. Die engen Platzverhältnisse im Tram werden sich künftig noch verschlimmern. Grund: Die Linie 8 wird am 10. Dezember 2017 erstmals über die Hardbrücke rollen und im Sommer 2019 soll das 2er-Tram bis nach Schlieren fahren. Die Verkehrsbetriebe der Stadt Zürich (VBZ) brauchen deshalb mehr Fahrzeuge. Doch die neuen Flexity-Trams treffen erst Ende 2019 in Zürich ein. Um den zu erwartenden Engpass abzumildern, wollen die VBZ auf Reservefahrzeuge zurückgreifen, heisst es in einer Mitteilung. Weitere Massnahmen: Man verzichtet auf Ausbildungsfahrten während den Hauptverkehrszeiten sowie auf Extrafahrten für Private mit regulären Trams. Die Überbrückungsmassnahmen der VBZ haben ihre Konsequenzen. Künftig müssen die Passagiere mit stärker ausgelasteten Trams rechnen, sprich, es wird enger in den Trams und es könne zu einer Abnahme der Pünktlichkeit kommen, so die VBZ. Eine Normalisierung des Tramsbestands erwarten die VBZ auf das Fahrplanjahr 2021. (wsc)

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