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«Nicht, solange ich Stadtrat bin»

100'000 Menschen mehr in Zürich, wie soll das gehen? Hochbauvorsteher André Odermatt im Interview.

Mit André Odermatt sprach Marius Huber
«Die Mehrwertabschöpfung macht ja nur ein, zwei Prozent der Bausumme aus»: Stadtrat André Odermatt. Foto: Dominique Meienberg
«Die Mehrwertabschöpfung macht ja nur ein, zwei Prozent der Bausumme aus»: Stadtrat André Odermatt. Foto: Dominique Meienberg

Szenarien zufolge könnte die Stadt Zürich bis ins Jahr 2040 um rund 100'000 auf etwa 520'000 Bewohner wachsen (hier gehts zum Bericht). Die Stadt hat nun erstmals einen kommunalen Richtplan Siedlung, Landschaft, öffentliche Bauten und Anlagen erarbeitet. Zusammen mit der Revision des kommunalen Richtplans Verkehr will sie so dem erwarteten Bevölkerungswachstum begegnen. Hochbauvorsteher André Odermatt nimmt Stellung:

Sie rufen die Zürcher zum Dialog über den Richtplan auf. Wie gross sind meine Chancen, wenn ich sage: Verdichtet in einem anderen Quartier?

Man muss sich bewusst sein, dass wir die Verdichtungsgebiete nach klaren Kriterien festgelegt haben. Dabei schieden jene aus, die heute schon dicht bebaut sind, und andere, in denen sich Verdichtung negativ auf Verkehr oder Klima auswirken würde.

Das heisst: Mit pauschaler Kritik erreiche ich nichts.

Man muss schon sehr gute Gründe haben. Sie müssten aufzeigen, dass Sie bessere Argumente haben als wir. Etwa, dass eine Verdichtung über die heutigen Möglichkeiten hinaus zur deutlichen Verschlechterung der Quartierstrukturen führen würde.

Sie wollen ausgerechnet dort eine hohe Bautätigkeitauslösen, wo Leute mit tiefem Einkommen leben. Weil sich diese am wenigsten wehren?

Das wäre eine komplett falsche Annahme. Wir hatten objektive Kriterien. Hinzu kommt: Wo wir eine Aufzonung planen, wollen wir die neue Möglichkeit des Baugesetzes mitanwenden und im Gegenzug einen angemessenen Anteil an preisgünstigem Wohnraum einfordern.

Wie viel?

Wir orientieren uns am bisherigen Ziel: ein Drittel. Das ist aber nur eine vorläufige Meinung.

Hat ein Privater dann einen Anreiz zu bauen? Den Mehrwert durch die Aufzonung wollen Sie ja auch abschöpfen.

Auf jeden Fall. Die Mehrwertabschöpfung macht ja nur ein, zwei Prozent der Bausumme aus. Das lohnt sich für den Grundeigentümer immer noch.

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Widerspricht es nicht Ihrer Politik, dort Dynamik auszulösen, wo die tiefsten Mieten der Stadt bezahlt werden?

Die bestehenden Häuser müssen sowieso irgendwann erneuert werden. Damit ergibt sich für uns sogar die Chance, den Anteil preisgünstiger Wohnungen stark zu erhöhen. Bei den Genossenschaften ist es in der Regel so, dass die neuen Wohnungen nicht mehr kosten und eine höhere Lebensqualität bieten, als wenn man die alten saniert hätte.

Warum verdichtet man nicht am Zürichberg? Dort hat es am meisten Platz.

Sie müssen genauer hinschauen, auch dort wird verdichtet.

Aber anders als in Zürich-Nord nicht über die BZO hinaus.

Das stimmt. Der Zürichberg ist vom Verkehr her nicht optimal erschlossen, zudem fliessen dort fürs Stadtklima wichtige Kaltluftströme den Hang runter, die wir sonst blockieren würden.

Die gibt es am Uetliberggenauso, und dort wird das mittelständische Friesenbergquartier zünftig verdichtet.

Dort wurde das aber planerisch mitberücksichtigt.

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Gaben nicht die Bauanwälte der Zürichbergbewohner den Ausschlag?

Nein, definitiv nicht.

Der Charakter der Stadt soll sich mancherorts stark ändern. Ist es wirklich nötig, durchgrünte Quartiere durch Blockrandbebauungen zu ersetzen?

Der Blockrand ist eine sehr effiziente und von den Bewohnern geschätzte Bebauungsform. Wenn man an Orten mit Zentrumsfunktion zusätzlich verdichten will, wie wir das vorschlagen, kommt man kaum darum herum. Im konkreten Einzelfall kann sich aber durchaus zeigen, dass eine andere Lösung besser ist. Zum Beispiel aus klimatischen Überlegungen.

Die neuen Pärke, die die Verdichtung erträglich machen sollen, kosten viel Geld. Woher nehmen?

Wir brauchen dazu unbedingt die Möglichkeit, bei Aufzonungen einen Teil des Mehrwerts abzuschöpfen. Deshalb appelliere ich an den Kanton: Wenn wir die Stadt verdichten sollen, müssen sie uns einen fairen Mehrwertausgleich in die Hand geben.

Der Pessimist befürchtet: Am Ende haben Private dank dem Richtplan überall dichtergebaut, aber die schönen Parks blieben Papiertiger.

Nein. Ich sage das ganz deutlich: Das gehört beim Richtplan untrennbar zusammen. Eine Aufzonung gibt es nicht, wenn nicht auch all die anderen Aspekte berücksichtigt werden wie Freiräume, Zentren, Schulhäuser und Versorgung. Nicht, solange ich Stadtrat bin.

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