Noch einmal viel Geld ausgeben bei Gustav

Essen bei Antonio Colaianni bietet mehr als nur das, was auf den Teller kommt. Das kostet, ist aber auch gut.

Sieht aus wie ein Gesteck, ist aber eine ausgezeichnete Bouillabaisse.

Sieht aus wie ein Gesteck, ist aber eine ausgezeichnete Bouillabaisse. Bild: Philipp Penner/PD

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Das Gustav ist das Edelrestaurant an der Europaallee – und es macht am 21. Dezember dicht. Grund dafür ist die schlechte Auslastung des noblen Alterswohnheimes im oberen Stock. Es bleiben noch knapp zwei Monate, um das Lokal zu besuchen. Und es gibt Gründe dafür, dies auch zu tun.

Generell gilt: Man fühlt sich als Gast an nobler Adresse wichtig, bedeutsam, einzigartig, ja, unverzichtbar. Und das Gustav bietet eine wie massgeschneiderte Umgebung für dieses Gefühl. Man findet hier eine in teuren Restaurants oft typische gedämpfte Gepflegtheit. Wer bezahlt, bleibt vom Alltagslärm verschont.

«Herr Sarasin, Ihre Begleitung ist soeben angekommen.» – «Vielen Dank.» – «Möchten Sie den Apéro am Tisch zu sich nehmen oder an der Bar?» Man lässt sich das umso lieber gefallen, weil man es sich nicht oft leisten kann. «Mögen Sie auf eines Ihrer Menüs Trüffel?» – «Bitte, gerne.»

Den Blick zu lange durch die Gegend schweifen zu lassen, das tun aber nur Anfänger.

Der Abstand zwischen den Tischen ist gross genug, um privat zu sein. Und genau richtig klein, dass man andere wahrnimmt – und diese einen ebenso wahrnehmen. Den Blick zu lange durch die Gegend schweifen zu lassen, das tun aber nur die Anfänger. Der Geist weitet sich im Gespräch, eine noble Normalität macht sich breit.

Antonino Alampi (l.) und Antonio Colaianni wirten nur noch bis Ende Dezember im Gustav.

Neben der Atmosphäre zählt natürlich die Qualität des Essens und des Weines. «Der Weisswein ist etwas zu fruchtig» – «Und der?» – «Haben Sie irgendwas dazwischen?» – «Sicher.» Es kommt ein Plàcet, ein weisser Rioja (11 Fr. pro dl).

Die Bouillabaisse zur Vorspeise (31 Fr.) ist das Signature-Menü des prämierten Chefs Antonio Colaianni. Dorade, Scampi, Jakobsmuschel, Rotbarbe und Pulpo sind auf den Punkt gegart, der Fond schmeckt sämig und gut. Würzig schmeckt auch die Brust vom Ormalinger Schwein auf Sauerkrautschaum und Linsen (31 Fr.). Der Chef lässt ausrichten, dass die weisse Trüffel bei keinem der geschmacksstarken Menüs richtig zur Geltung komme. Er empfiehlt deshalb einen Zwischengang aus Tagliolini. Bald rauscht die Bedienung mit Raffel und Waage heran (9 Fr. pro Gramm Trüffel).

Tipp für Profis: Unbeirrt Intimitäten austauschen

Der Hauptgang besteht einmal aus Rindsfilet mit Steinpilzbutter (61 Fr.) und einmal aus Wildschwein-Kopfbacke, serviert in einem Blätterteigmantel (58 Fr.). Beides schmeckt gut, ist dann aber doch nicht ganz so aufregend wie der Preis.

Aber eben, den unsichtbaren Teil der Rechnung macht das Ambiente aus. Die Servicemitarbeiterinnen und -mitarbeiter umsorgen einen zwar meistens diskret, unterbrechen dann und wann aber auch persönliche Gespräche. Ein Tipp für Profis: unbeirrt weiterhin Intimitäten austauschen.

Es sei denn, der umworbene Zürcher Koch tritt an den Tisch. Dann bietet sich Smalltalk an. Er habe sich noch nicht für einen neuen Ort entschieden, wolle aber in Zürich bleiben, sagt er im Gespräch.

Restaurant Gustav

– Preis-Leistungs-Verhältnis
Das Essen ist zwar teuer, aber in Kombination mit dem Ambiente seinen Preis wert.

– Ambiance
Die Stimmung ist angenehm gedämpft, die Stühle sind bequem. Das Licht ist zwar etwas dunkel, aber stimmig.

– Service
Der Service verhält sich sehr diskret und lässt sich auch von übertrieben persönlichen Gesprächen nicht aus der Ruhe bringen. Pluspunkt.

– So kommt man mit dem ÖV hin
Erreichbar ist das Restaurant mit der Buslinie 31, Haltestelle Kanonengasse, oder Buslinie 32, Haltestelle Militär-/Langstrasse.

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In dieser wöchentlichen Rubrik lesen Sie unsere Urteile über die Gerichte in Zürcher Restaurants.

Erstellt: 31.10.2019, 15:11 Uhr

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