Noch lange nicht am Ziel

Die Schritte, welche die ETH eingeleitet hat, sind richtig. Doch um richtig aufzuräumen, braucht die ETH Hilfe von aussen.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Nach 164 Jahren ETH ohne eine einzige Entlassung beantragte der neue Präsident Joël Mesot die Entlassung der italienischen Astronomieprofessorin, die jahrelang Doktoranden gemobbt haben soll. Seit vergangenen Freitag also können Professoren und Professorinnen zum ersten Mal in der Geschichte der Hochschule nicht mehr damit rechnen, auf Lebenszeit auf ihrem Stuhl zu sitzen. Gegen innen ist der Entlassungs­antrag vielleicht das effektivste Zeichen, das Mesot setzen konnte.

An der Pressekonferenz präsentierten er und Rektorin Sarah Springman weitere Massnahmen zur Verbesserung der Führungs- und Betreuungssituation. Auch dies ist ein grosser Schritt. Normalerweise werden Probleme an der ETH Zürich diskret ab­gehandelt, nicht in der Öffentlichkeit. Selbst jetzt reagiert die ETH erst auf massiven Druck: Sie ist im Ungewissen, wie viele ihrer Doktoranden sich noch an die Medien wenden könnten, nachdem sie an sämtlichen ETH-Stellen aufgelaufen sind.

Ein blinder Fleck bleibt

Die verschiedenen Anlauf- und Meldestellen sollen nun geschult, die Ombudsstelle ausgebaut, Meldungen schneller bearbeitet werden. Bis 2020 sollen Doktorierende von mindestens zwei Professorinnen betreut werden, um die Abhängigkeitsverhältnisse zu verringern. Die Professoren sollen führen lernen.

Das ist gut. Ein blinder Fleck bleibt jedoch: Die ETH will sich weiterhin vorwiegend selber untersuchen. Missstände sollen, wenn möglich, bereits im Departement geklärt werden. In den bisherigen Untersuchungen hat die ETH aber vor allem grosses Interesse an ihrem Ruf und weniger an der Aufklärung von Missständen vermuten lassen. Meist erhielten die Studierenden und Dok­torierenden kaum Schutz oder Unterstützung. Eine externe Meldestelle wäre daher mehr als angebracht.

Denn um richtig aufzuräumen, braucht die ETH Hilfe von aussen. Die Strukturen zur Sicherung von Reputation und Verschleierung von Problemen sind hausgemacht – und sehr alt; 164 Jahre alt.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.03.2019, 21:03 Uhr

Artikel zum Thema

Nach Mobbing-Affäre: «Es ist ein trauriger Tag für die ETH»

Die Hochschule hat beim ETH-Rat die Entlassung einer Astronomie-Professorin beantragt – und entschuldigt sich. Mehr...

Neue Mobbingfälle setzen ETH unter Druck

Jeder vierte Doktorand der Hochschule beklagt Machtmissbrauch durch Professoren. Wie reagiert die ETH? Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Kommentare

Service

Ihre Spasskarte

Mit Ihrer Carte Blanche von diversen Vergünstigungen profitieren.

Die Welt in Bildern

Die Prothese als Sitznachbar: Ein Zuschauer verfolgt in Vladivostok ein Rollstuhl-Basketballspiel der Regionalmeisterschaft. (18. März 2019)
(Bild: Yuri Maltsev ) Mehr...