Die Heirat als Marketing-Event in eigener Sache

Immer mehr Paare wollen, dass es bei ihrer Hochzeit wie in einem Hollywoodfilm zugeht. Deshalb beginnt nun die Hochsaison für eine boomende neue Berufsgattung.

Brautkleider an der Hochzeitsmesse in Oerlikon.

Brautkleider an der Hochzeitsmesse in Oerlikon. Bild: Keystone

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Die Dübendorfer Schule Sawi ist eigentlich darauf spezialisiert, Marketing- und Kommunikationsprofis auszubilden. Aber einer ihrer erfolgreicheren Kurse zielt auf ein Betätigungsfeld, das spontan wohl nur die wenigsten mit Big Business verbinden würden: Seit ein paar Jahren gibt es dort einen Lehrgang für Hochzeitsplaner.

Lanciert hat ihn Yvonne Hochheuser. Die 46-Jährige hat schon Dutzende von Hochzeiten organisiert und hat als Präsidentin des Verbands unabhängiger Schweizer Hochzeitsplaner diesen Berufsstand geprägt und professionalisiert. Als sie den neuen Lehrgang gemeinsam mit der Sawi erstmals ausschrieb, geriet er zum Grosserfolg: Für den ersten Kurs mit 25 Studienplätzen interessierten sich mehr als 70 Leute. «Wir wussten, dass eine Nachfrage besteht, der Ansturm hat uns aber trotzdem überrascht», sagt Hochheuser. Mittlerweile hätten 150 Teilnehmerinnen den Lehrgang erfolgreich abgeschlossen. Auch drei Männer sind unter den Absolventen.

Für viele Frauen sei Hochzeitsplanerin ein Traumberuf. Zahlreiche Kursteilnehmerinnen sind verheiratet. Einige seien traurig darüber, dass die Hochzeit und die damit verbundenen Vorbereitungen bereits Geschichte seien, sagt Hochheuser. Mit dem viermonatigen Kurs findet diese Zeit quasi eine Fortsetzung, einfach im Dienst anderer. In den 128 Lektionen lernen die angehenden Hochzeitplanerinnen unter anderem die Wahl der passenden Lokalität, des Brautstrausses, der Weine und auch den Umgang mit lustigen Gastbeiträgen sowie alles über Projekt- und Businessplanung.

Davon leben können die wenigsten

Noch vor zehn Jahren waren Hochzeitsplaner hierzulande eine Rarität. Doch mittlerweile lassen immer mehr Paare das Fest der Feste von Profis organisieren. Das hänge vor allem mit dem grösser werdenden Angebot an Möglichkeiten zusammen. Im Vergleich mit den USA und England, wo Wedding Planners die meisten Hochzeiten orchestrieren, bewegt sich dieser Anteil in der Schweiz laut Hochheuser im einstelligen Prozentbereich. Er nehme allerdings stetig zu. Hierzulande gibt es rund 70 professionelle Hochzeitsplaner-Agenturen. Die wenigsten können laut Hochheuser allerdings davon leben, die meisten Planerinnen hätten noch einen Nebenjob.

Der Hochzeitsplaner-Lehrgang findet in der Hochzeitstiefsaison statt, zwischen Oktober und März. In den übrigen Monaten arbeitet Kursleiterin Hochheuser für ihre eigene Agentur. Auch als Hochzeitsprofi bekomme sie bei Trauungen immer noch feuchte Augen. «Gehen mir diese emotionalen Momente eines Tages nicht mehr zu Herzen, höre ich als Hochzeitsplanerin auf.»

Die typischen Kunden lassen sich in zwei Kategorien einteilen: «Einerseits der Perfektionist, der nichts dem Zufall überlassen will, andererseits der Chaot, dem die Aufgabe über den Kopf wächst.» Durchschnittlich gibt ein Paar rund 30'000 Franken für das Hochzeitsfest aus, etwa zehn Prozent des Budgets gehen an die Hochzeitsplaner bei einer Rundum-Betreuung. Hochheuser hat auch schon ein Paar beraten, dem nur 5000 Franken für eine Feier mit 50 Gästen zur Verfügung standen. In einem einzigen Beratungsgespräch habe sie dem Paar aufzeigen können, wie sie dieses Budget am effektivsten einsetzen.

Abseilen aus dem Helikopter war zu gewagt

Am liebsten organisiert Hochheuser Hochzeitsfeste für schwule Paare. Dies sei eine sehr herausfordernde und kreative Klientel. Manchmal auch mit übertriebenen Wünschen: Als ein solches Paar sich vor dem Ziviltrauungslokal aus einem Helikopter abseilen wollte, intervenierte Hochheuser. Am Hochzeitstag gebe es bereits genug Spektakel und Anspannung.

Die Vorstellung einer perfekten Hochzeit ist stark von US-amerikanischen Romantik-Komödien geprägt, wo sich das Paar am Ende unter einem Rosen-Baldachin im Freien das Ja-Wort gibt. Sie müsse deshalb immer wieder Paaren erklären, dass dies in der Schweiz nicht möglich sei und die Eheschliessung in einem zivilen Trauungslokal stattfinden müsse. Eine Alternative sei die Zeremonie im Freien durch einen Pfarrer oder einen freien Trauungsgestalter, gerade diese Form der Hochzeit setze aber einiges an Know-how voraus, damit sie ein Erfolg werde. Die klassische Hochzeit in der Kirche ist laut Hochheuser nicht mehr so gefragt wie einst. Gewisse Kirchen, die früher über Monate ausgebucht gewesen seien, hätten heute vermehrt freie Termine.

Über 40'000 Ehen werden in der Schweiz jährlich geschlossen, davon rund 2200 in der Stadt Zürich. 90 Prozent der Paare lassen sich im Stadthaus trauen. Daneben bietet Zürich seit einigen Jahren mit der Masoala-Halle und dem Zunfthaus zur Waag und der Weinschenke auch alternative Traulokale. Laut Roland Peterhans, Leiter des Zivilstandsamts, sind diese speziellen Lokale beliebt und während der wärmeren Monate meistens ausgebucht.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 22.03.2016, 12:10 Uhr

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