Parat für die Parade

Am Samstag findet zum 25. Mal die Street-Parade statt, diesmal unter dem Motto «Unique – Zurich is unique – you are unique». Erwartet werden eine Million Menschen.

25 Jahre Street-Parade: Die Highlights der Zürcher Technoparade von 1992 bis 2015. Video: Newsnet

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Woran erkennt man, dass die Street-Parade stattfindet? Zuerst an den Autos mit deutschen und italienischen Nummernschildern, die im Wohnquartier Parkplätze suchen. Dann am Bürkliplatz und am Bellevue an den schwarzen Bühnen, die in wenigen Tagen in die Höhe gewachsen sind. Und schliesslich an den Eisengittern, die alle Bäume und Blumenrabatten im Umfeld der zwei Kilometer langen Technoparade umgeben.

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Alle Mobilzäune der Schweiz sind an diesem Wochenende in Zürich versammelt. Was zweierlei erhellt: wie viel Wert die Stadt ihren Bäumen und Blumen ­beimisst und wie wenig Pflanzenliebe sie den Teilnehmern der Street-Parade zutraut. Diese heissen Raver – von englisch «rave», was toben, rasen oder delirieren bedeutet. An der Street-Parade heisst raven auch Gebüsch-Aufsuchen und Freiluft-Urinieren. Deshalb die Eisengitter.

Zuverlässiger als Meteo Schweiz

Wagenburgen aus mobilen Toiletten sind entlang der Umzugsroute zwischen Utoquai und Hafen Enge aufgefahren, als drohten die Komantschen. Doch ändern sie nichts an der Zürcher Bedeutung von raven, denn die Street-Parade ist immer auch Enthemmung, was sie fundamental vom anderen Zürcher Volksfest unterscheidet: dem Sechseläuten. Der zweite grosse Unterschied zwischen dem Umzug der Zünfte und dem der Raver ist das Wetter: Die Zünfter defilieren meist im Regen, die Raver in der Sonne. Nur drei Mal in den 25 Jahren Street-Parade war das Wetter garstig. Wer im August eine private Grillparty veranstaltet, tut das am besten am Samstag der Street-Parade. Sie ist die zuverlässigere Wetterprognose als Meteo Schweiz.

Wie beim ersten Mal vor 25 Jahren: Kunstblumen auf dem Hechtplatz. Foto: Esther Michel

Gutes Wetter bedeutet auch, dass der Verein Street Parade Zürich mit 800'000 bis zu einer Million Teilnehmern und Zuschauern rechnet. Um sie zu schleusen, betreuen, verpflegen und überwachen stehen ab 13 Uhr 2500 Beschäftigte bereit. Die Stadt freut sich auf die Besucher, was sich an der offiziellen Beflaggung ablesen lässt. Sogar der See wurde mit Bojengirlanden geschmückt, was in erster Linie der Sicherheit und den Rettungsbooten dient, aber auch hübsch aussieht. Die Stadt hat allen Grund, sich auf die Street-Parade zu freuen, denn sie verschafft der Bankenstadt ein übermütiges Image und dem lokalen Gewerbe Einnahmen. Über 100 Millionen Franken beschere die Technoparty der Schweizer Wirtschaft, schreiben die Organisatoren. Sie selbst kostet die Street-Parade jedes Jahr etwa 1,8 Millionen Franken, was sie unter anderem mit ihren Getränkeständen finanzieren. Viel trinken ist deshalb für die Raver ein Beitrag an die Unkosten.

Viel trinken – Alkohol aber mit Mass – ist auch eine der Empfehlungen, um die Street-Parade ohne Schaden und Übelkeit zu überstehen. Weitere Empfehlungen: Ohrpfropfen benutzen, keine Drogen konsumieren, keine Ampeln, Bäume, Wartehäuschen und Baugerüste erklettern, keine Flip-Flops tragen, keine Glasflaschen mitnehmen. Und: Toiletten benützen.

Erstellt: 12.08.2016, 22:03 Uhr

Verkehr und Sicherheit

Tabuzone für Autofahrer

Wer Auto fährt, sollte Zürich während der Street-Parade möglichst meiden. Die Parkhäuser werden voll sein. Wer sie dennoch ansteuert, wird auf dem Weg dorthin viel Geduld aufbringen müssen. Das prophezeit der Sprecher der städtischen Dienstabteilung Verkehr, Heiko Ciceri. Er rät Stadtbesuchern am Samstag von der Benutzung des Autos grundsätzlich ab. «Am besten, man parkiert es an einem Bahnhof in der Agglomeration und benutzt die S-Bahn.» Mit Agglomeration meint Ciceri nicht etwa den Bahnhof in Altstetten, sondern Bahnhöfe auf dem Land wie zum Beispiel jene in der Unterländer Gemeinde Rafz oder der Seegemeinde Wädenswil.

Die Zürcher Innenstadt vom Hir-schengraben bis zur Bahnhofstrasse ist bis Sonntagmorgen Sperrzone, rund um das Seebecken sind die Strassen inklusive Bellerivestrasse und Mythenquai gesperrt. «Wir haben alles signalisiert, die Autofahrer werden entsprechend umgeleitet», erklärt Polizeisprecher Marco Cortesi. Um angesichts der europaweiten Terrorgefahr die Sicherheit zu gewährleisten, wird die Polizei während der Street-Parade Präsenz zeigen. «Aufgrund der Anschläge in Deutschland und Frankreich haben wir das Sicherheitskonzept angepasst», sagt Polizeisprecher Cortesi. «Wir bieten mehr Personal auf als in den vergangenen Jahren und arbeiten eng mit der Kantonspolizei zusammen.» Die Polizei werde sehr sichtbar sein, doch auch Polizisten und Polizistinnen in zivil werden sich unter die Feiernden mischen. Wie viele Beamte im Einsatz sind, macht die Polizei nicht öffentlich.

Im Zweifelsfall die 117 wählen

«Wenn Street-Parade-Teilnehmer etwas Beunruhigendes sehen, können sie sich an die anwesenden Polizisten wenden oder die 117 wählen», ergänzt Cortesi. Zum Beispiel wenn sie eine Straftat oder eine Sachbeschädigung beobachten. Cortesi rät, den gesunden Menschenverstand walten zu lassen. Nur weil ein Rucksack herumstehe, sei das noch kein Grund, Alarm zu schlagen. «Doch im Zweifelsfall ruft man lieber einmal zu viel an als einmal zu wenig.» Dass angesichts der erwarteten Million Menschen das Handynetz aussetzt, hält der Polizeisprecher für unwahrscheinlich. «Es werden ja nicht alle gleichzeitig telefonieren.» Während der vergangenen Paraden habe das Mobilfunknetz immer funktioniert.

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