Zum Hauptinhalt springen

Peinlich, aber nicht für Filippo

Graue Ästhetik geht in Zürich über Wohnlichkeit.

Die Schweiz lacht über Filippo Leutenegger. Erst vor einer Woche hatte der Zürcher Tiefbauvorsteher auf dem Sechseläutenplatz Sonnenschirme aufgestellt, gut gelaunt und gut beobachtet von den Medien. Sonnenstichgefährdete Flaneure atmeten auf. Nicht lange. Schon die ersten Windstösse zerzausten die gut gemeinte Aktion. Leu­tenegger liess wieder abräumen. Ein kleinlautes Communiqué musste da genügen. Jetzt sieht sogar die ihm sonst wohlgesinnte NZZ auf dem freisinnigen Kandidaten für das Stadtpräsidium einen Schatten liegen.

Natürlich ist die Sache peinlich. Aber nicht Filippo Leutenegger ist hier die Lachnummer. Es ist vielmehr der überbordende Zürcher Hang, bei der Planung der öffentlichen Räume knochentrockene Ästhetik über die eigentlich einfachen Bedürfnisse der Einwohnerinnen und Nutzer zu stellen. Im Gestaltungswettbewerb für den Sechseläutenplatz hatte die Stadt «Betonung der Urbanität» gefordert und «Zurückhaltung bei der Vegetation». Kurz: «eher grau als grün». Das Resultat: Sogar Fans nennen den Platz nun eine «Quarzitwüste», auf der man bei Sonnenschein Spiegeleier braten kann.

Was man beim doch auch hübsch geratenen Sechseläutenplatz allein noch hinnehmen konnte, findet seine Fortsetzung auf dem Münsterhof. Hier sind unbeschattete Passanten vollends hilflos urbaner Leere ausgesetzt. Sie meiden ihn entsprechend. Die Begeisterung über die «wohltuende Weite» der Zürcher Platzästhetik weicht zunehmend einer anderen Regung: Ärger über kahl gefegte Flächen, auf denen sich höchstens eilen, aber nicht verweilen lässt.

Leuteneggers Aktion war hilf- und vor allem erfolglos. Die Absicht aber war richtig. Doch selbst ein Machertyp, als der er sich gern sieht, ist angesichts von Jahrzehnten des übersteigerten Ästhetizismus überfordert.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch