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Pensionskasse wirft Lehrer raus

Die Pensionskasse der Stadt Zürich hat Regeln geändert, ohne die Versicherten zu informieren. Dies hat einen Lehrer den Versicherungsschutz gekostet.

Lehrer mit Kleinstpensen können Probleme mit der Pensionskasse bekommen: Musikunterricht in der Sekundarschule. Foto: Keystone
Lehrer mit Kleinstpensen können Probleme mit der Pensionskasse bekommen: Musikunterricht in der Sekundarschule. Foto: Keystone

Seit 2016 arbeitet Sekundarlehrer Thomas P. in einer Zürcher Schule mit einem Pensum von gut 80 Prozent. Angestellt ist er, wie alle Volksschullehrer, beim Kanton, und seine Vorsorge läuft über die Pensionskasse BVK. Darüber hinaus hat Thomas P. aber noch ein Kleinstpensum von zwei Wochenlektionen, für das er bei der Stadt angestellt ist. Für dieses Minipensum hat er ein zweites Vorsorgekonto bei der Pensionskasse der Stadt Zürich, oder besser gesagt: Er hatte eines.

Denn mitten in den Sommerferien hat ihm die Kasse mitgeteilt, er sei ausgeschlossen worden. Begründung: Sein Pen­sum sei zu klein, und er habe den Beweis nicht erbracht, neben dem Kleinstpensum auch noch eine grössere Anstellung zu haben. Dies war seinerzeit nämlich die Bedingung, dass ihn die städtische Pensionskasse mit seiner Kleinstanstellung überhaupt versichert hat, denn gemäss Bundesgesetz können keine Jahreslöhne von unter 21150 Franken versichert werden.

Als Thomas P. aus seinen zweiwöchigen Ferien nach Hause zurückkehrte, war er wie vom Blitz getroffen, als er den Brief der Pensionskasse las. Auf sofortige telefonische Nachfrage wurde ihm mitgeteilt, er habe den jährlich notwendigen Nachweis nicht erbracht, dass er weiterhin als Lehrer arbeite und damit ein grösseres Gesamteinkommen habe. In der Tat hatte er dies nicht getan, denn die Aufforderung dazu war am ersten Ferientag gekommen, mit einer Antwortfrist von 5 Tagen. Und die hatte er tatsächlich verpasst. Als er um Wiederaufnahme bat, blieb die Kasse hart. Dies sei leider nicht mehr möglich. Gemäss den neuen Aufnahmeregeln müsse ein Kleinpensum mindestens 10 Stellenprozente betragen, auch wenn man zusätzlich eine grössere Anstellung vorweisen könne. Begründung für die Änderung: der zu grosse Verwaltungsaufwand.

Brief an Leutenegger

Als Alternative wurde Thomas P. von der Pensionskasse der Stadt Zürich empfohlen, sein Kleinstpensum bei der Pensionskasse Musik und Bildung versichern zu lassen, welche auf kleine Pensen von Musiklehrern spezialisiert sei. Verärgert schrieb Thomas P. dem Vorsteher des Schuldepartementes, Filippo Leutenegger (FDP): «Dieses Hauruck-Vorgehen ohne jede Information der Versicherten finde ich hanebüchen!» Neben diesem Protestbrief blieb Sekundarlehrer Thomas P. nichts anderes übrig, als sich bei der Pensionskasse Musik und Bildung anzumelden.

Unterdessen ist er dort zwar aufgenommen, doch mit dem ersten Lohnausweis kam für Thomas P. der nächste Ärger. Denn der Arbeitgeberbeitrag ist nur noch halb so gross. Zudem hat er im Mailverkehr mit Leuten­egger auch erfahren, dass es keine gesetzliche Grundlage gebe für den Wechsel zur Pensionskasse Musik und Bildung.

Die Pensionskasse der Stadt Zürich weist die Kritik von Thomas P. zurück. In Tat und Wahrheit sei das Gegenteil einer schlechten Behandlung der Fall, sagt Stefan Rüthi, Abteilungsleiter Versicherung: Man gehe mit der Versicherung von Kleinstpensen ab 10 Stellenprozenten weit über die gesetzlichen Vorgaben des Bundes hinaus, sagt Rüthi.

Stadt räumt Fehler ein

Marc Caprez, Sprecher von Leutenegger, räumt ein Versäumnis ein. Die Schaffung einer gesetzlichen Grundlage werde derzeit erwogen. Für die tieferen Arbeitgeberbeiträge liegt die Begründung in verschiedenen Verordnungen. Demnach leisten Arbeitnehmer und Arbeitgeber in der Stadt Altersgutschriften im Verhältnis 40:60, aber nur, wenn die Vorsorge über die Pensionskasse der Stadt Zürich abgewickelt wird. Bei anderen Pensionskasse gelten die Bundesvorgaben, welche für die Arbeitnehmer weniger günstig sind.

Für den Sekundarlehrer und mutmasslich weitere betroffene Lehrpersonen in der Stadt ist diese Regelung ein schwacher Trost: «Wir werden wie Angestellte zweiter Klasse behandelt, und die Stadt spart an unseren Renten», sagt Thomas P.

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