Per U-Bahn zur Universität Zürich

Stadtrat Richard Wolff (AL) hat eine Idee lanciert, wie der Verkehr ins neue Hochschulquartier zu bewältigen wäre.

Fährt in Zürich bald ein unterirdischer Shuttle, ähnlich der Minimetro von Perugia? Foto: LEITNER ropeways

Fährt in Zürich bald ein unterirdischer Shuttle, ähnlich der Minimetro von Perugia? Foto: LEITNER ropeways

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Die grosse Umgestaltung des Zürcher Hochschulquartiers ist eine Wundertüte, gefüllt mit Überraschungseiern. Zwar weiss man jetzt, wie die ersten Neubauten aussehen sollen, aber vieles ist weiter in Bewegung. Das zeigte sich, als der städtische Tiefbauvorsteher Richard Wolff neue Ideen skizzierte, wie man zu den 47'000 Menschen weitere 6000 transportieren könnte, die Tag für Tag ins Hochschulquartier pendeln. So viele zusätzliche Pendler werden bis im Jahr 2045 erwartet.

Wolff sprach von «utopischen Gedanken», bevor er an der Medienkonferenz ein Bild aus Perugia einspielte. Dort wurde vor zehn Jahren eine sogenannte Minimetro eröffnet, welche die Menschen in die hüglige, schwer erschliessbare Altstadt transportiert. Alle zwei Minuten wird ein vollautomatisierter Wagen mit bis zu 20 Passagieren von einem Stahlseil über die Schienen gezogen, zum Teil in Tunnels.

Zweierlei Seilbahnen

Die Minimetro wirkt wie eine moderne Variante der Zürcher Polybahn – und genau das ist es, was den Planern im Tiefbaudepartement vorschwebt: Ein unterirdischer Shuttlebetrieb, der in einem Bogen vom Hauptbahnhof übers Zentrum des Hochschulquartiers bis zum Bahnhof Stadelhofen führt, mit einer zusätzlichen Haltestelle am Pfauen. «Natürlich stellt sich die Frage der Machbarkeit und der Kosten», sagte Wolff. Beides werde zurzeit geprüft. Eine Seilbahnverbindung ins Hochschulquartier regten im vergangenen März auch Kantonsräte von SP, FDP und CVP an – allerdings eine oberirdische. Der Vorschlag, der im Parlament eine Mehrheit fand, liegt derzeit zur Prüfung beim Regierungsrat.


Video: So wirbt der Kanton für das Grossprojekt

Die Pläne im Kurzfilm erklärt. Video: Tamedia/Kanton Zürich


Dass im Zusammenhang mit dem Hochschulquartier immer wieder originelle Verkehrslösungen auftauchen, hat einen Grund: Die bestehenden Tramlinien können das erwartete Passagierwachstum nicht bewältigen. Das gelingt selbst dann nicht, wenn die Cobras ab 2035 durch grössere Trams ersetzt werden und die Linie 5 ab Bellevue sowie die Linie 6 ab Central häufiger fahren, wie das kantonale Gesamtverkehrskonzept vorrechnet. «Wir stossen da sehr schnell an Grenzen», sagte auch Wolff am Dienstag, «das Central ist heute schon voll ausgelastet.»

Ein anderer Ansatz besteht darin, die Leute dazu zu bringen, von den Bahnhöfen aus zu Fuss ins Hochschulquartier zu gehen. Wegen des Höhenunterschieds von 40 Metern und mehr sind dabei Aufstiegshilfen vorgesehen, namentlich Rolltreppen oder Rollbänder. Der Stadtrat wollte die entsprechenden Pläne bis zur Präsentation der Wettbewerbsergebnisse für die ersten Neubauten konkretisiert haben. Seit der Publikation des Gesamtverkehrskonzepts vor zwei Jahren ist aber nur klar geworden, welche Rolltreppen nicht realisiert werden.

Die Polybahn bleibt erhalten

Erstens ist die Idee von Wolffs Vorgänger Filippo Leutenegger, die Polybahn durch eine Rolltreppe zu ersetzen, definitiv vom Tisch. Der ETH-Immobiliendirektor sagte schon vor Jahresfrist, dies sei wegen des erwartbaren Widerstands nie ernsthaft zur Debatte gestanden. Zweitens scheint man auch beim Polysteig, der rechtsseitig der Polybahn zur ETH führen soll, von einer Variante mit Rolltreppen abgekommen zu sein. Inzwischen ist nur noch von einer Treppe die Rede.

Anderswo bleiben Aufstiegshilfen ein Thema. Einerseits in einem Stollen, der das Central mit dem Uni-Hauptgebäude verbinden soll – wobei das Central-Parkhaus als Velostation dienen könnte. Anderseits zwischen Bahnhof Stadelhofen und Pfauen, ein Projekt, das parallel zum Bahnhofausbau realisiert werden könnte. In beiden Fällen gibt es grobe Schätzungen zu den Baukosten: je 10 bis 20 Millionen Franken. Noch ungeklärt ist laut Wolff, ob unterirdische Verbindungen attraktiv und sicher sind.

Während die Stadt bei den Neubauten im Hochschulquartier nur eine Nebenrolle spielt, ist sie bei den Verkehrslösungen treibende Kraft. Ziel ist es laut früheren Aussagen des Stadtrats, dass bis zum Baubeginn des neuen Universitätsgebäudes von Herzog & de Meuron geklärt ist, was realisiert wird. In etwa drei Jahren dürfte es so weit sein.

Längere Staus auf Strasse

Ein letzter Schwerpunkt zur Entlastung des ÖV besteht im Ausbau des Veloverkehrs. Laut Verkehrskonzept sind dafür neue Radwege nötig, unter anderem vom Pfauen entlang der Rämistrasse. Für das umstrittene Nadelöhr zwischen Bellevue und Pfauen zeichnet sich seit einem Jahr eine Lösung ab. Der damalige Tiefbauvorsteher Leutenegger schlug dem Gemeinderat vor, die Mauer der hohen Promenade zurückzuversetzen, um Platz für einen Veloweg zu gewinnen. Knackpunkt sind die Kosten von 50 Millionen Franken.

Ein blinder Fleck in der Debatte ums Hochschulquartier ist bislang der Durchgangsverkehr. Der Gewerbeverband Zürich-Ost weist in einer kritischen Stellungnahme darauf hin, dass die einzige kantonale Hauptverkehrsstrasse östlich der Limmat tangiert ist. Laut Verkehrskonzept soll verhindert werden, dass Schleichverkehr im Quartier entsteht. Eine Simulation im Auftrag des Kantons hat ergeben, dass die Verlegung der Tramhaltestelle an den Knoten Rämi-/Gloriastrasse zu längeren Rückstaus führen wird, vor allem bergwärts. Die Verkehrsmengen seien jedoch zu bewältigen.

Erstellt: 10.01.2019, 06:13 Uhr

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