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Waid löst Triemli als Zürichs Problemspital ab

Dem Triemli geht es wirtschaftlich besser. Das Waid hingegen muss 70 Stellen abbauen. So sehen die Pläne für die beiden Stadtspitäler aus.

Susanne Anderegg
Die Stadtspitäler Triemli (im Bild) und Waid nehmen über die Hälfte aller Notfälle in Zürich auf. Foto: Samuel Schalch
Die Stadtspitäler Triemli (im Bild) und Waid nehmen über die Hälfte aller Notfälle in Zürich auf. Foto: Samuel Schalch

Drei Männer prägen derzeit die Spitalpolitik der Stadt Zürich, sie haben gestern über die Angebotsstrategie fürs Waid und Triemli und über deren wirtschaftliche Entwicklung informiert: Stadtrat Andreas Hauri (GLP), Claudia Nielsens Nach­folger als Vorsteher des Gesundheitsdepartements, André Zemp, seit September Vorsitzender der neuen Spitalleitung für beide Häuser, sowie Andreas ­Zollinger, der medizinische Direktor. In ihrem Sprachgebrauch gibt es nun nicht mehr zwei Stadtspitäler, sondern nur noch eines, das «Stadtspital Waid und Triemli». Rechtlich sind es aber immer noch zwei Dienstabtei­lungen der Stadt mit je eigener Rechnung, und auch der Kanton erteilt seine Leistungsaufträge an die einzelnen Betriebe.

Zemp konnte mit einer guten Nachricht aufwarten, die er selber nicht erwartet hatte. Als der Unternehmensberater im Oktober 2017 die Führung im Triemli übernahm, setzte er sich zum Ziel, das Spital so rasch wie möglich finanziell unabhängig zu machen. «Dass dies bereits erreicht ist, hat mich selber überrascht.» Statt des budgetierten Defizits von 18,6 Millionen Franken resultierte 2018 ein Gewinn von 1,4 Millionen. 2017 hatte das Triemli ein Defizit von 32 Millionen eingefahren. Die finanzielle Schieflage der Stadtspitäler sorgte politisch für Turbulenzen, in deren Folge SP-Stadträtin Nielsen zurücktrat.

10 Millionen weniger Zins

Zemp stoppte teure Renovierungspläne, zog beim Personal die Schraube an und verpflich­tete Belegärzte im Dutzend, um das überdimensionierte neue Triemli-Bettenhaus besser auszulasten. Und er erreichte, dass der Stadtrat seinen Spitälern eine Zinsreduktion auf ein branchenübliches Niveau gewährte; das entlastete die Rechnung des Triemli um 8,5 Millionen, jene des Waid um 2 Millionen.

Das Waid schloss 2018 wie budgetiert mit einem Defizit von 14,4 Millionen. Zwischenzeitlich wurde sogar mit einem noch grösseren Minus gerechnet, weil die Zahl der stationären Patientinnen und Patienten markant zurückging – eine Folge neuer Vorschriften des Kantons, gewisse Eingriffe nur noch ambulant durchzuführen. In den letzten Monaten zählte das Waid aber wieder mehr stationäre Fälle. Das Triemli ist von der Vorgabe weniger betroffen; es legte im stationären Bereich übers ganze Jahr um 0,6 Prozent zu.

Entlassungen vermeiden

Ein weiteres ökonomisches Problem des Waid ist seine hohe Personalquote von 76 Prozent. Diese konnte trotz einem Abbau von 45 Stellen bisher nicht ­gesenkt werden. Laut Zemp liegt der Branchenschnitt bei 63,2 Prozent. Er strebt fürs Waid 65 Prozent an, wofür 70 Stellen gestrichen werden müssen. Wo genau der Abbau erfolge, sei noch nicht eruiert. Sowohl Zemp wie Hauri und Zollinger sind aber überzeugt, dass er ohne Entlassungen möglich ist: durch natürliche Fluktuation, restriktive Wiederbesetzung von frei werdenden Stellen und stadtinterne Versetzungen.

Waid nötig für Versorgung

Wer befürchtet hatte, das Waidspital werde ausgehöhlt, wurde gestern beruhigt. «Beide Spitäler sind für Zürich versorgungsrelevant», sagte Hauri und untermauerte das mit Zahlen: Das Triemli deckt 32 Prozent der Notfälle in der Stadt ab, das Waid 21 Prozent. Wie das Triemli soll das Waid deshalb weiterhin eine breite Grundversorgung anbieten, wofür es eine Chirurgie und eine Innere Medizin braucht.

Darüber hinaus sollen sich beide Spitäler in bestimmten Bereichen profilieren. Das Triemli fokussiert wie bisher auf spezialisierte und hoch spezialisierte Behandlungen, zum Beispiel in der Tumor- oder Herzmedizin, der Bauchchirurgie oder der ­Augenheilkunde. Das Waid hingegen soll zum landesweit führenden Zentrum für Altersmedizin werden. Dafür sollen gewisse Fachgebiete gestärkt werden, etwa die Geronto-Traumatologie, die Orthopädie und die Rheumatologie. Zudem hofft man, mit der Spitalliste 2022 einen Auftrag für akutgeriatrische Rehabilitation zu erhalten.

Seit Mai Departementsvorsteher: Andreas Hauri. Foto: Urs Jaudas
Seit Mai Departementsvorsteher: Andreas Hauri. Foto: Urs Jaudas

Es gibt aber auch Bereiche, in denen das Waid eingeschränkt wird. Der medizinische Direktor Andreas Zollinger erwähnte Tumoroperationen, Eingriffe im Enddarm und bei Übergewich­tigen. Auch die Schilddrüsen­chirurgie soll ans Triemli gehen. Im Gegenzug schicke das Triemli geriatrische Fälle ins Waid.

Weiter will Zemp auch Angebote der Grundversorgung konzentrieren. Denkbar sei zum Beispiel, alle Hernienoperationen im Waid zu machen und etwas anderes dafür nur im Triemli. Die Ärztinnen und Ärzte müssen dann ihren Patienten folgen.

Stadtrat Hauri ist zuversichtlich, die Spitäler mit all diesen Massnahmen so fit zu machen, dass sie bei der bevorstehenden Neuvergabe der Leistungsaufträge durch den Kanton ihre Position behaupten können. Zufrieden ist Hauri jedoch nicht: «Das Problem der Wirtschaftlichkeit ist noch nicht gelöst.» Das Triemli leidet nach wie vor unter den hohen Schulden infolge des neuen Bettenhauses. Helfen könnte ein Abschreiber durch die Stadt. Der Stadtrat diskutiert derzeit verschiedene Varianten.

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