Philip Morris wirbt mit der Olé Olé Bar

Für seine neuen Werbungen hat sich der Tabakkonzern eine angesagte Kulisse ausgesucht. Zielt er mit Dampfzigaretten-Kampagne auf Teenager?

Testimonials für Iqos in der angesagten Olé Olé Bar. Bild: Screenshot/Philip Morris

Testimonials für Iqos in der angesagten Olé Olé Bar. Bild: Screenshot/Philip Morris

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Die Kampagne läuft seit diesem Herbst. Für seine neue Dampfzigarette Iqos hat Philip Morris bereits mehrere Kampagnen lanciert. Die neuste baut auf Testimonials von zufriedenen Iqos-«Usern» auf. Solche wie Tommaso und Sebastian. Im Video erzählen die zwei Männer begeistert, wie die Dampfzigarette im Gegensatz zu normalen Zigaretten nicht stinke, wie angenehm das Produkt sei. Die Kulisse, in der sie das tun, sticht Zürcherinnen und Zürchern sofort ins Auge: Es ist die bekannte und legendäre Olé Olé Bar mitten an der Langstrasse.

Eine angesagte Bar mit Geschichte. Eine Bar die schon da war, als die Langstrasse noch keine Partymeile für die halbe Schweiz war. Eine Bar, die einen Übernahmeversuch der Hells Angels überlebt hat und heute bei unterschiedlichen Leuten – vom Studenten bis zur Bankerin – beliebt ist. Mediendrehs waren in der Olé Olé früher nicht gern gesehen. Jeder sei willkommen gewesen, aber für Publizität hätten allein die Gäste sorgen dürfen, sagte die frühere Besitzerin 2012 im «Tages-Anzeiger».

Angesagtes Zürcher Lokal: Die Olé Olé Bar an der Langstrasse. Bild: Urs Jaudas

Heute ist das offensichtlich anders. Olé-Olé-Mitbetreiberin Elena Nierlich sieht kein Problem in der Zusammenarbeit mit Philip Morris: «Wir sind offen für Drehs in der Olé Olé Bar. Es wurden auch schon verschiedene Filme bei uns gedreht», sagt sie. «Wir sind das Nachtleben, Alkohol und Zigaretten passen da dazu», sagt Nierlich. «Obwohl auch das Rauchen von Dampfzigaretten in der Bar verboten ist und wir das Rauchverbot in Innenräumen sehr schätzen.» Wie viel Philip Morris für den Dreh bezahlt hat, weiss Nierlich nicht mehr.

Fachstellen beobachten Werbung kritisch

Suchtfachstellen beobachten das Werbetreiben der Tabakkonzerne schon länger mit Argusaugen. Die Industrie war 30 Jahre lang dafür bekannt, in ihrer Werbung direkt auf Teenager als potenzielle Neukunden abzuzielen, wie etwa zuletzt mit der Kampagne «Don’t be a maybe». Heute fokussiert Philip Morris auf Werbung für die neuen Dampfzigaretten. Sie sollen zwar weniger Schadstoffe als Zigaretten enthalten, machen aber genauso abhängig und schädigen die Gesundheit. So steht es auch unter der Olé-Olé-Iqos-Werbung.

Thomas Beutler, wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention Schweiz, stört sich an der Werbung, die auf einen gewissen Lifestyle abzielt: «Das Produkt soll von den Konsumentinnen und Konsumenten als gesund und trendy interpretiert werden», sagt er. «Wir beobachten auch mit einer gewissen Sorge, wie sich vermehrt der Chef von Philip Morris in grossen Medien präsentiert, um persönlich für Iqos zu werben.» Bei Werbung in angesagten und stilvollen Bars, verknüpft mit Testimonials von coolen Typen, sei schwer abzuschätzen, ob die Werbung nicht doch auf Teenager ziele. «Umso cooler und trendiger die Werbung, desto grösser ist die Chance, dass sie bei Jugendlichen zieht», sagt Beutler.

Beutler beobachtet, dass die Konzerne die Werbung für Zigaretten in letzter Zeit eingeschränkt, dafür mehr in elektronische Zigaretten investiert haben. «Solange das Tabakproduktegesetz noch im Rat behandelt wird, wird sich die Industrie wohl zurückhalten», sagt Beutler. Der Bundesrat hat jüngst zugestimmt, einen Antrag der Gesundheitskommission anzunehmen und auch E-Zigaretten künftig zu besteuern. Diesen Herbst haben die grossen Gesundheitsorganisationen der Schweiz zudem gemeinsam die eidgenössische Initiative «Kinder ohne Tabak» eingereicht.

Philip Morris bestätigt, dass sie seit mehr als einem Jahr nicht mehr mit ihren Zigarettenmarken auf Plakaten, in Zeitungen im Kino und an Festivals wirbt. «Unsere Kommunikation mit erwachsenen Rauchern ist seither auf unsere rauchfreien Produkte fokussiert», sagt Sprecher Julian Pidoux. «Iqos ist nur für erwachsene Raucher, die nach einer besseren Alternative zu Zigaretten suchen und nicht für Ex-Raucher, Nichtraucher oder Minderjährige.» Auch die aktuelle Kampagne richte sich ausschliesslich an erwachsene Raucher, die über 25 Jahre alt sind.

Erstellt: 11.11.2019, 14:31 Uhr

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