Pistole, Funk, Pfefferspray – so rüsten sich Zürcher Polizisten

Polizist ist ein schwerer Job – nicht nur bei der täglichen Arbeit, sondern auch, was die Ausrüstung betrifft. 12 Kilogramm trägt ein Kantonspolizist mit sich herum.

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Ausweis

Der Ausweis muss bei Kontrollen und Einsätzen nur in Zivil gezeigt werden. Uniformierte Polizisten müssen sich nicht ausweisen, hier gilt die Uniform als Legitimation.

Schutzweste

Die Schutzweste wird jeweils unter dem Hemd getragen und ist nicht sichtbar. Sie wird im Dienst auswärts immer angezogen und schützt den Polizisten vor Messerstichen sowie Pistolenschüssen. Die Schutzweste wiegt dreieinhalb Kilogramm. Zusammen mit dem Waffengurt ist die gesamte ­Ausrüstung rund zwölf Kilogramm schwer.

Funkgerät

Mit dem Funkgerät (Polycom) ist der Polizist jederzeit mit der Einsatzzentrale verbunden. Er hört mit dem Kopfhörer auch immer, was seine Kollegen mit der Zentrale kommunizieren, und diese kann sofort Unterstützung organisieren. Dies ist aber nur in Ausnahmesituationen der Fall. Normalerweise dient die Einsatz- oder Verkehrsleitzentrale als Relaisstation.

Dienstpistole

Die Dienstpistole Heckler & Koch P30 gilt als eine der modernsten Polizeipistolen. Der Vorteil gegenüber der früheren Polizeipistole ist das sogenannte Double-Action-­Only-System. Der Schütze kann die Waffe nach Gebrauch sofort wieder ins Holster stecken, ohne den Schlaghammer nach der Schussabgabe entspannen zu müssen.

Ersatzmagazin

Neben der Dienstpistole mit 15 Patronen führt jeder Polizist noch ein Ersatzmagazin mit 15 Schuss Munition mit sich. Das Munitionskaliber beträgt 9 Millimeter. Die Dienstpistole HK P30 ist in der Schweiz bereits in verschiedenen Polizeikorps eingeführt worden, unter anderem auch bei der Stadtpolizei Winterthur.

Handschellen

Die Handschellen mit dem dazugehörigen Schlüssel (links). Der Mehrzweckstock ist nicht abgebildet, weil dieser nicht immer am Waffengurt getragen wird.

Taschenlampe

Hightech-Taschenlampe mit besonders starkem Lichtstrahl. Der Polizist braucht die Lampe bei Suchaktionen, Fahrzeugkontrollen und beim Aufspüren der Täterschaft in dunklen Gebäuden und Räumen.

Multifunktionstool

Das Multifunktionswerkzeug gehört zwar nicht zur Standardausrüstung, aber die meisten Polizisten der Kantonspolizei Zürich besitzen eines und tragen es bei ihren Einsätzen auch auf sich.

Handschuhe

Der Handschuh mit Schnittschutz ist aus kaum zerstör­barem Kunststoffmaterial (Kevlar). Schützt gegen ­Messerattacken und vor Schnitt­verletzungen.

Pfefferspray

Das Reizstoffsprühgerät, so der Fachbegriff, dient der Selbstverteidigung. Jeder Polizist hat einen Selbsttest in der Polizeischule absolvieren müssen. Nach einem Spraystoss direkt ins Gesicht ist die betroffene Person rund eine halbe Stunde ausser Gefecht.

Handy

Jeder Polizist besitzt ein Dienst­-Smartphone (iPhone von Apple), mit dem er Ripol, das Fahndungssystem des Bundes, abfragen kann. Es umfasst Datenbanken für Personen-, Fahrzeug- und Sachfahndungen sowie ungeklärte Straftaten. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 16.06.2016, 10:16 Uhr

«Die Schutzweste ist meine Lebensversicherung»



Mit T. Scherrer sprach Werner Schüepp

Die Gewalt gegen Polizisten im Dienst nimmt zu: Schläge,
Spuckangriffe, Schimpftiraden und Beissattacken müssen
eingesteckt werden. Schützt Ihre Ausrüstung gegen solche Übergriffe?

Die Polizeiarbeit ist gefährlicher geworden. In den meisten Situationen schützt mich meine Ausrüstung zuverlässig, sodass ich mich sicher fühle. Ich bin mir aber bewusst, dass meine Arbeitskleidung auch provozieren kann. Am helllichten Tag ist das weniger ein Problem, aber im Nachtdienst, beispielsweise an einem Wochenende, wenn die Leute in den Ausgang gehen und ich als Fuss­patrouille unterwegs bin, ist es schon geschehen, dass sich Personen nur durch den Anblick meiner Uniform heraus­gefordert fühlten.

Die Anforderungen an Ihre Uniform sind hoch: Sie muss gut aussehen, komfortabel sein und ­Sicherheitsaspekten genügen. Fehlt etwas? Zum Beispiel eine Bodycam?
Nein. In Amerika sind solche Kameras, die an der Uniform befestigt sind und bei Bedarf die Polizeiarbeit aufzeichnen, teilweise ja bereits Standard. Ich fühle mich ohne Kamera sicher.

Ihre Ausrüstung ist nicht leicht. Sie tragen bei Ihrer Arbeit ständig zwölf Kilogramm mit sich herum. Möchten Sie sich bei heissen Temperaturen nicht ab und zu alles vom Leib reissen?
(lacht) Nein, auf keinen Fall, denn die Ausrüstung ist meine Lebensversicherung. Es ist ein Stück weit auch Gewöhnungssache. Ich trage diese Ausrüstung jetzt seit bald drei Jahren und habe mich mittlerweile an das Gewicht gewöhnt. Es klingt fast ein wenig seltsam, aber ohne Schutzweste fühle ich mich bei meiner Arbeit mittlerweile fast nackt.

Welchen Gegenstand brauchen Sie im Arbeitsalltag am häufigsten?
Das sind sicher die Handschellen, die bei Verhaftungen häufig angewendet werden. Dann das Funkgerät, mit welchem die permanente Kommunikation zwischen mir und der Einsatz- und Verkehrsleitzentrale sichergestellt ist. Die Taschenlampe schätze ich ebenfalls. Oft rücke ich bei einem Alarm aus und muss bei einem Einbruch zum Beispiel ein ­Gebäude auf eine mögliche Täterschaft durchsuchen. Da bin ich froh, dass ich mich in dunklen Räumen auf meine ­Taschenlampe verlassen kann.

Was benötigen Sie ganz selten?
Das Reizstoffsprühgerät.

Sie meinen den Pfefferspray?
Richtig, der Fachausdruck dafür heisst Reizstoffsprühgerät. Ihn musste ich noch nie einsetzen. Allerdings weiss ich, wie er wirkt. Zu unserer Ausbildung ­gehörte ein Selbstversuch.
Mussten Sie von Ihrer Waffe schon einmal Gebrauch machen?
Nein. Jeder Polizist hofft, dass dies in ­seinem Berufsleben nie der Fall sein wird.

Welches ist der wertvollste Gegenstand Ihrer Ausrüstung?
Die Unterziehweste mit einem Anschaffungspreis von rund 1000 Franken.

Weshalb haben Sie sich für den Beruf des Polizisten entschieden?
Als Jugendlicher habe ich mit meinem ­Vater TV-Krimis geschaut und war fasziniert von der Polizeiarbeit, auch wenn sie in der Realität nicht so aussieht. Schon während meiner Lehre als Sportartikelverkäufer hatte ich als berufliches Fernziel Polizist vor Augen. Den Beruf übe ich aus, weil ich jemand bin, der sich an die Spielregeln der Gesellschaft hält und das auch von seinen Mitmenschen erwartet.

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