Zum Hauptinhalt springen

Politischer Widerstand gegen Seilbahn lässt die ZKB kalt

Trotz der Abfuhr aus dem Gemeinderat treibt die Bank die Planung der Gondelbahn über das Zürcher Seebecken voran. Auch der Stadtrat bleibt positiv.

Neue Visualisierungen: Die Zürcher Kantonalbank (ZKB) hat am Freitag, 2.11.2018, das Design der geplanten Seilbahn über den Zürichsee vorgestellt.
Neue Visualisierungen: Die Zürcher Kantonalbank (ZKB) hat am Freitag, 2.11.2018, das Design der geplanten Seilbahn über den Zürichsee vorgestellt.
PD
Die Station bei der Blatterwiese am Zürichhorn wird von einer lichtdurchlässigen Hülle umfasst.
Die Station bei der Blatterwiese am Zürichhorn wird von einer lichtdurchlässigen Hülle umfasst.
PD
Seilbahn in der Ferne: Blick vom Bürkliplatz aus.
Seilbahn in der Ferne: Blick vom Bürkliplatz aus.
PD
1 / 4

Die Wogen gingen hoch am Mittwochabend im Stadtparlament. Die temporäre Züri-Bahn zwischen Landiwiese und Zürichhorn, die die Zürcher Kantonalbank zu ihrem 150-Jahr-Jubiläum nächstes Jahr errichten will, führte zu einem langen und emotionalen Schlagabtausch.

Video: Gondeln über dem Zürichsee

Virtuelle Fahrt mit der Seilbahn, die ab 2020 in Betrieb sein soll. Video: TA/ZKB

Die links-grüne Ratsseite sprach von einer Zumutung für Stadtbewohner und warnte vor einer «Europa-Parkisierung» des Seebeckens. Bürgerliche ­bezeichneten die Gegner der Seilbahn ihrerseits als «konservative Spassbremsen». Am Ende hiess der Rat mit 71 zu 39 Stimmen eine Resolution gut, die den Stadtrat auffordert, sich für einen Verzicht auf die Gondelbahn einzusetzen.

Pikant: Auch die SP stimmte grossmehrheitlich gegen die Bahn der Kantonalbank, womit sie sich gegen die eigene Stadtpräsidentin stellte. Corine Mauch wie der Gesamtstadtrat stehen dem Projekt positiv gegenüber. Severin Pflüger (FDP) meinte ziemlich desillusioniert: «Wenn ich der ZKB und allen andern, die etwas bewegen wollen, einen Rat geben darf: Baut die Seilbahn zwischen Zollikon und Kilchberg. Dort haben sie vielleicht Freude ­daran.»

Stadt: «Quartierverträgliche Realisierung»

Am Tag danach bemühten sich die ZKB wie der Stadtrat um Schadensbegrenzung. Corine Mauch liess ausrichten, der Stadtrat werde an einer seiner nächsten Sitzungen besprechen, wie er auf die Resolution ant­worten wird. Er sei sich ­bewusst, dass zusätzliche Attraktionen am Seebecken ein «sensibles Thema darstellen» und für direkt betroffene Anwohner wie für die Umwelt Belastungen mit sich bringen können. Die Stadt werde sich aber für eine quartier- und umweltverträgliche Realisierung der zeitlich befristeten Bahn einsetzen und «entsprechende Massnahmen einfordern».

Mauchs Sprecher Lukas Wigger wies darauf hin, dass es sich bei der Resolution um eine öffentliche Erklärung handle, die rechtlich nicht bindend sei. Der Stadtrat sei formell nicht verpflichtet, etwas zu unternehmen. Die Stadt sei als Eigentümerin des Grunds, auf dem die beiden Stationen geplant sind, ins Projekt involviert. Die Unterzeichnung dieser Nutzungsvereinbarung liegt in der Kompetenz des Stadtrats. Bewilligt wird die ­Züri-Bahn aber vom Bundesamt für Verkehr.

ZKB: «Seilbahn ist politisch legitimiert»

Auch die ZKB sieht trotz des negativen Ratsentscheids keinen Grund, über die Bücher zu gehen. «Wir machen wie geplant weiter», sagt Rolf Rufer, Projektleiter der Züri-Bahn, der die Rats­debatte am Mittwoch persönlich auf der Tribüne mitverfolgte. Mit Widerstand habe er gerechnet: «Es ist klar, dass ein Grossprojekt in dieser Dimension nicht überall auf Zustimmung stösst.» Es gebe aber auch sehr viele Befürworter, bloss höre man von ihnen weniger.

Doch war es ein Fehler, das Stadtparlament nicht vorgängig in die Planung einzubeziehen? Genau das kritisierten SP-Gemeinderäte. Projektleiter Rufer räumt ein, dass der Gemeinderat, im Gegensatz zu Stadt- und Regierungsrat, nicht vorgängig begrüsst worden sei. Einen Fehler mag er darin nicht erkennen: «Wir haben einen offenen Dialog mit allen Interessierten geführt und von Anfang an offen über jeden Schritt informiert.» Zudem sei «die politische Legitimation für die Seilbahn sehr wohl vorhanden», sagt Rufer. So habe derselbe Gemeinderat, der nun gegen die Bahn votierte, vor knapp zwei Jahren einen regionalen Richtplan verabschiedet, der eine solche Seilbahn über den See vorsieht. «Dies war für uns überhaupt erst die Basis, um das Plangenehmigungsverfahren für die Seilbahn in Gang zu setzen.»

Trotz des politischen Widerstands und trotz Rekursen, etwa jenem des VCS, zeigt sich die Kantonalbank optimistisch, dass die Seilbahn wie geplant im Sommer 2020 den Betrieb aufnehmen kann.

Gondelbahn wird nach fünf Jahren abgebrochen

Der Seilbahnbetrieb werde die betroffenen Quartiere «nur marginal belasten», verspricht Rolf Rufer. «Wir tun alles, damit die Quartiere nicht unter der Bahn leiden werden.» Bereits heute stehe fest, dass die Bahn nach Ablauf der fünf Jahre wieder wegkomme. Zum Ticketpreis von 14 Franken, der im Gemeinderat ebenfalls für Diskussionen sorgte, sagt der Projektleiter: «Es wird 10 Prozent Rabatt für Fahrgäste mit gültigem ÖV-Ticket und 20 Prozent Rabatt für ZKB-Kunden geben.»

Definitiv nicht infrage kommen für die Bank zwei vom Gemeinderat als Alternativen zur Gondelbahn ins Spiel gebrachte Massnahmen zum ZKB-Jubiläum: eine dauerhafte Schiffsverbindung zwischen den beiden Seeufern oder ein Gratis-Sparheft für alle Bewohnerinnen und Bewohner des Kantons.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch