Polizisten müssen für das Kasernen-Areal zusammenrücken

Das Polizei- und Justizzentrum wird 48,5 Millionen Franken teurer als geplant. Dank Grossraum- statt Einzelbüros haben 180 Beamte zusätzlich Platz, was die Mehrkosten kompensiert.

Blick in den Innenhof des Riesengebäudes, das ab 2022 rund 2000 Angestellten und fast 300 Häftlingen Platz bietet. Foto: Andrea Zahler

Blick in den Innenhof des Riesengebäudes, das ab 2022 rund 2000 Angestellten und fast 300 Häftlingen Platz bietet. Foto: Andrea Zahler

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Es war Baudirektor Markus Kägi (SVP) in seinem letzten öffentlichen Auftritt vergönnt, den letzten Kübel Beton auszubringen – nach einer 20-jährigen Planungsphase. Assistiert wurde er von den künftigen Benutzern: Justizdirektorin Jacqueline Fehr (SP) und Sicherheitsdirektor Mario Fehr (SP). 280 Meter lang, 130 Meter breit und 75 Meter hoch ist das PJZ. Das bei seinen Gegnern «Justizpalast» geschimpfte Gebäude wirkt im Innern naturgemäss eher trostlos: lange, schmucklose Gänge, Gefängniszellen für 284 Häftlinge und Büroplätze für über 2000 Polizisten, Wissenschaftler und Staatsanwälte.

Die drei Regierungsräte beliessen es nicht beim Betonieren. An einer Medienkonferenz gabs auch harte News. So musste die Regierung die gebundenen Ausgaben um 48,5 Millionen erhöhen. Insgesamt soll das PJZ nun nach unzähligen Budgetkorrekturen und zwei Volksabstimmungen 739 Millionen kosten. Die Mehrkosten werden mit Änderungen quasi «fünf vor zwölf» begründet – «kurz bevor wir mit dem Betonieren begonnen haben», wie der Projektdelegierte Hans-Rudolf Blöchlinger vom kantonalen Hochbauamt sagte.

Mit Tricks Platz schaffen

Blöchlinger war es, der tief in die Trickkiste greifen musste, um die Initiative «Wort halten!» des Kantonsrats zu erfüllen. Dieser hatte vom Regierungsrat verlangt, die Polizeikaserne freizugeben. Neu wird auch der Florhof frei, in dem die Oberstaatsanwaltschaft residiert. Die zwei wesentlichsten Änderungen, um Platz für zusätzliche 180 Personen zu schaffen: Gruppenbüros statt Einzelbüros sowie ein Zusammenrücken der Forensik auf einem Stockwerk. Das sind die Spezialisten, die sich in modernsten Labors mit Sprengstoffen, Drogen, Mikrospuren, Schuhabdrücken, Handschriften, Passfälschungen oder Schusswaffen beschäftigen. Sie betreiben zudem das 3-D-Zentrum, eine Methode, um mit animierten Filmen zum Beispiel die Bewegungen eines Täters darzustellen. Raum wurde geschaffen, indem viele Gerätschaften und Medienanschlüsse in einen zusätzlichen Kanal über einer hängenden Decke integriert wurden.

Neun Millionen Franken zusätzlich kostet allein die Änderung der Verkabelung von Glas auf konventionelle Kupferkabel, um die Sicherheit der Datenübertragung zu erhöhen. So unschön die Mehrkosten sind: Nun hat auch die Kapo-Verwaltung Platz im PJZ. Staatsanwaltschaft und Polizei brauchen keine zugemieteten Gebäude mehr; laut Hans-Rudolf Blöchlinger kompensiert dies in etwa die Mehrkosten.

Bessere Haftbedingungen

Kurz vor dem Betonieren wurden auch die Haftbedingungen der Gefängnisinsassen verbessert. Aufgrund der Erkenntnis, dass die Suizidgefahr in der Untersuchungshaft – nach dem Schock der Verhaftung – am grössten ist, wurden mehrere Doppelzellen zu grösseren Zellen für Gruppenvollzug umgewandelt und die Fenster vergrössert. Zudem gibts im PJZ-Knast keine Gitterstäbe an den Fenstern, sondern Glasscheiben. Kräftige Polizeigrenadiere haben die Ausbruchssicherheit dieser Zellen mit diversen Werkzeugen getestet.

Weiterer Wermutstropfen: Für den Betrieb des PJZ ab Mitte 2022 braucht es einen Neubedarf von 171 Stellen. «Damit erreichen wir einen Quantensprung bei der Sicherheit und der Technik», sagt Regierungsrätin Fehr.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 24.04.2019, 23:35 Uhr

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