«Populärkultur wird in Zürich diskriminiert»

Michel Pernet will Kultur für alle machen. Aber nicht deshalb hatte er sein schönstes Date auf einem Coiffeurstuhl.

Michel Pernet berät mit seiner Agentur Blofeld Prominente wie Vujo oder Ex-Missen.

Michel Pernet berät mit seiner Agentur Blofeld Prominente wie Vujo oder Ex-Missen. Bild: Andrea Zahler

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Jede Woche beantworten Personen, die Zürich prägen, unseren Fragebogen und verraten uns, was die Stadt für sie ausmacht. Heute: Unternehmer und Kommunikationsberater Michel Pernet.

Weshalb haben Sie vor 15 Jahren die Ausstellungsplattform Photo Zürich gegründet?
Weil es keine populäre Plattform für die besten Fototalente der Schweiz gab. Stadt und Kanton Zürich überhäufen die Hochkultur mit Geld und diskriminieren die Populärkultur mit dem idiotischen Totschlägerargument der Qualität. Wir wollten aber nicht Kultur für Reiche und Kluge machen, sondern für alle. Und das grosse Publikumsinteresse gibt uns recht.

Welches ist Ihr Highlight der vergangenen Ausgaben?
Als Veranstalter durfte ich spannende Persönlichkeiten wie Anton Corbijn, Roger Ballen und Martin Parr kennen lernen. Mein ganz persönliches Highlight war aber die Speech des langjährigen Benetton-Fotografen Olivero Toscani über Kreativität – so etwas Inspirierendes hatte ich zuvor noch kaum gehört.

Auf wen haben Sie sich dieses Jahr am meisten gefreut?
Auf den legendären Türsteher des Berliner Clubs Berghain, Sven Marquardt. Er fotografiert seit den 1980er-Jahren und ist somit ein Chronist der Berliner Subkultur in Ost- und Westberlin.

Welches Hintergrundbild ziert Ihr Smartphone?
Mein 12-jähriger Sohn Mathieu als Panini-Bild.

Vor welcher Kulisse können Sie nicht widerstehen, ein Selfie zu machen?
Vor der Palmentapete im Studio von Mayfairs Films, unserer Filmproduktionsfirma. Es ist die Tapete, die man von den «Bachelor»- und «Bachelorette»-Sendungen auf 3+ kennt.

Welche Ecke Zürichs ist überbewertet?
Der Paradeplatz.

Auf welcher Wiese schauen Sie gerne in den Himmel?
Auf der Bäckeranlage. Am liebsten schaue ich durch die wunderbaren Bäume hindurch.

Zu welcher Uhrzeit ist Zürich am schönsten?
Um 20 Uhr, weil es dann meistens etwas Leckeres zu essen gibt.

Sie können Ihr ganzes Leben nur noch in einer Zürcher Beiz essen – in welche gehen Sie?
Ganz klar zu Heiko Nieder ins Dolder.

Mein perfekter Abend

Apéro
– Espresso bei Orhan in der Piranha-Bar, gratis
– Danach: Signature Cocktail von Kenny im Exer, 14 Franken
– Oder: Brooklyn Bier im Fat Tony, 8 Franken

Abendessen
– Vier Teller im Restaurant Josef, 64 Franken
– Dazu: Chardonnay Büel, 9 Franken
– Mineralwasser, 5 Franken
– Zwei Espressi, 9 Franken

Drinks
– Ingwertee im Kasheme im Kreis 5, 5 Franken
– London Mule in der Olé Olé Bar, 14 Franken

Ausgang
– Konzert im X-tra an der Limmatstrasse, wo ich Member bin, gratis

Ausgaben total:
128 Franken

Wo hatten Sie in Zürich Ihr schönstes Date?
Bei Coiffeur Saleh an der Josefstrasse 141 mit meinem Sohn Mathieu beim Pfefferminz-Tee. Wir tragen beide Surfer-Frisuren, wobei er deutlich mehr Haare hat. Ich nähere mich langsam der Frisur von Gilbert Gress an, wie dieser einmal selber anmerkte. Dieser Friseurtermin ist jedes Jahr ein Highlight.

Mit welchen Zürchern würden Sie gern eine Nacht verbringen?
Auch wenn es abgedroschen ist: Mit Max Frisch und Friedrich Dürrenmatt hätte ich gern ein Züri-Geschnätzlets in der Kronenhalle gegessen.

Wer oder was ist die Liebe Ihres Lebens?
Meine Familie. Und die Musik.

Welches ist der Geschmack Ihrer Kindheit?
Sport Mint und Ovo Sport.

Welches ist Ihr Züri-Soundtrack?
Jetzt gerade kommt er von Black Sea Dahu und Stereoluchs. Oder Faber und Anna Kaenzig. Aber über die Jahre gesehen zählen dazu auch Baby Jail, Vera Kaa, Blues Max und Dodo.

Einer der vielen Züri-Songs von Michel Pernet: Stereo Luchs mit «2Blaui». Video: Youtube/Stereo Luchs

Wo findet einen in Zürich das Glück?
Im Kreis 4 an der Langstrasse 94 im 5. Stock – warum, bleibt mein Geheimnis.


Der 47-jährige Zuger Michel Pernet ist Gründer und Leiter der Werkschau Photo Zürich, die noch bis Dienstag, 14.1., in Oerlikon stattfindet. Der studierte Jurist hat 2003 zusammen mit Peter Kurath die Kommunikationsagentur Blofeld gegründet. Zudem leitet Pernet die Kommunikation des Senders 3+ und berät Promis. Nach über zehn Jahren im Kreis 5 lebt Pernet heute mit seiner Familie nahe Baden.

Erstellt: 12.01.2020, 18:19 Uhr

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