Porschefahrer fuhr in Zürcher Klimademo – das ist seine Strafe

Dank einer Videoaufzeichnung konnte die Staatsanwaltschaft den Vorfall rekonstruieren. Sie soll den Fahrer entlasten.

Tausende Menschen beteiligten sich an der Klimademonstration vom 6. April in Zürich.

Tausende Menschen beteiligten sich an der Klimademonstration vom 6. April in Zürich. Bild: Sabina Bobst

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Weil die Klimademo einem Porschefahrer die Strasse versperrte, verlor dieser die Geduld. Er fuhr mit seinem Auto in die Menge. Mehrere Personen hätten zur Seite springen müssen, eine Frau soll leicht touchiert worden sein. Ein Demonstrant habe ein ungefähr dreijähriges Kind gerade noch zur Seite ziehen können, beschrieben mehrere Augenzeugen den Vorfall gegenüber verschiedenen Medien.

Ereignet hatte sich der Vorfall am 6. April kurz nach 15.30 Uhr auf der Sihlstrasse bei der Kreuzung Nüscheler-/Uranistrasse. In der Folge gingen bei der Polizei mehrere Anzeigen gegen den Autolenker ein. Die Staatsanwaltschaft hat seither wegen Gefährdung des Lebens – ein Tatbestand, der mit einer Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft wird – sowie Verletzung der Verkehrsregeln gegen den Mann ermittelt. Nun hat sie das Verfahren per Strafbefehl erledigt, wie die Staatsanwaltschaft auf Anfrage mitteilt.

Vom Hauptvorwurf der Gefährdung des Lebens hat sie den Mann freigesprochen. Das Verfahren sei diesbezüglich eingestellt worden, sagt Erich Wenzinger, Sprecher der Staatsanwaltschaft. Es habe nicht nachgewiesen werden können, dass der Mann in skrupelloser Weise und direkt vorsätzlich Menschen in Lebensgefahr gebracht habe, wie das der entsprechende Straftatbestand verlange.

Detaillierte Erkenntnisse dank Videoaufzeichnung

Der Mann sei aber wegen mehrfacher vorsätzlicher Verletzung der Verkehrsregeln mit einer Busse bestraft worden. Zudem müsse er die Verfahrenskosten tragen. Zur Höhe der Beträge macht die Staatsanwaltschaft keine Angaben.

Dafür beschreibt sie aus ihrer Sicht ausführlich, was sich am 6. April ereignet hat. Dabei bezieht sie sich unter anderem auf eine Videoaufzeichnung. Demnach lenkte der Beschuldigte seinen Porsche im Schritttempo, aber hochtourig und mit viel Lärm in den Demonstrationszug und brachte das Auto dann zum Stillstand. Bei dem Vorgang liess er den Motor absichtlich mehrfach lautstark aufheulen.

«Nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft ist keine unmittelbare Lebensgefahr von Drittpersonen erkennbar.»Erich Wenzinger, Sprecher der Staatsanwaltschaft

Nachdem er etwa fünf Sekunden stehen geblieben war, beschleunigte er schwungvoll den Wagen und lenkte ihn aus dem Demonstrationszug. Bei dieser Beschleunigung hätten sich aber keine Demonstranten unmittelbar neben seinem Fahrzeug befunden. «Bei dieser Ausgangslage ist nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft keine unmittelbare Lebensgefahr von Drittpersonen erkennbar», sagt Wenzinger.

Ermittlungen wegen eingeschlagener Heckscheibe

Sowohl der Strafbefehl als auch die Einstellung des Verfahrens im Zusammenhang mit dem Vorwurf der Gefährdung des Lebens sind noch nicht rechtskräftig.

Der Vorfall könnte auch für weitere Personen noch Folgen haben. Jemand hatte die Heckscheibe des Porsches eingeschlagen. In diesem Zusammenhang ist bei der Stadtpolizei Zürich ebenfalls eine Strafanzeige eingereicht worden. «Die Ermittlungen in diesem Fall laufen noch», sagt Polizeisprecher Marc Surber.

Erstellt: 05.08.2019, 10:03 Uhr

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