Posträuber von Dübendorf war ausgeschaffter Rapper

Der Mann, der letzte Woche eine Postfiliale in Dübendorf ausgeraubt hat, sitzt in U-Haft. Es ist ein im vergangenen Jahr abgeschobener Zürcher Rapper.

B.K. wurde in den Kosovo abgeschoben - und nun in der Schweiz wieder kriminell.

B.K. wurde in den Kosovo abgeschoben - und nun in der Schweiz wieder kriminell. Bild: Sophie Stieger

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«Ich bin geläutert», sagte B.K. dem «Tages-Anzeiger», als er vor drei Jahren aus der Haft in der Schweiz entlassen wurde. Ein paar Monate später wurde er in den Kosovo abgeschoben. Diverse Delikte wie Nötigung, Diebstahl und bewaffneter Raubüberfall führten zur Ausschaffung.

Am vergangenen Mittwoch nun wurde B.K. in der Nähe von Dübendorf erneut verhaftet – als dringender Tatverdächtiger beim Überfall auf eine Postfiliale in Dübendorf. Die Tat soll der 33-Jährige während eines sogenannten Suspensionsvisums in der Schweiz begangen haben, wo er sich einige Wochen legal aufhielt, um sein Kind zu besuchen.

Leute mit Pistole bedroht

B.K. soll beim Überfall Leute mit einer Pistole bedroht und mehrere Hundert Franken erbeutet haben. Der Tatverdächtige wurde vor den Räumen des Studios eines 34-jährigen Produzenten verhaftet, wo er verkehrte und Musik aufnahm. Die Staatsanwaltschaft bestätigt, dass es sich um den Rapper B.K. handelt.

Der 34-jährige Produzent beschreibt die Geschehnisse der Verhaftung so: B.K. sei, nachdem er in der Schweiz angekommen sei, zu ihm ins Studio gekommen. Sie arbeiteten an einem neuen Album. B.K. habe ihm noch Geld geschuldet, das er ihm ein paar Wochen zuvor geliehen habe, um in die Schweiz fliegen zu können.

Im Musikstudio verhaftet

Als der Produzent am Mittwoch gegen Mittag in sein Studio kam, sah er das ausgeliehene Geld in Bündeln bei ihm auf dem Tisch liegen. «Ich wunderte mich, dass das so schnell ging», sagt er.

Danach dauerte es noch ein paar Stunden, bis die Polizei bewaffnet das Studio stürmte und die Räume durchsuchte. Das Bargeld haben sie beschlagnahmt. Den Produzenten nahmen sie in Gewahrsam. Auch B.K. haben sie wenig später verhaftet, er habe sich vor dem Studio des Produzenten aufgehalten. Beide wurden umgehend in U-Haft überführt.

Nach einer 24 Stunden dauernden Haft- und Befragungszeit haben sie den Produzenten wieder auf freien Fuss gesetzt. «Weil sich ein anfänglicher Tatverdacht nicht verdichtet hat», schreibt die Staatsanwaltschaft.

Der Freigelassene vermutet, dass die Polizei dem Täter auf die Schliche gekommen sei, weil dieser seinen für die Tat benützten Scooter direkt nach dem Überfall vor dem Studio parkiert habe. Der Scooter war im Fahndungsschreiben der Polizei aufgelistet.

Zuspruch eines SVP-Nationalrats

B.K. hat vor vier Jahren für Wirbel gesorgt. In den Medien beteuerte er, er habe sich vom Kriminellen zum Rapper mit Vorbildfunktion gemausert. In den sozialen Medien sympathisierten insbesondere viele junge Menschen mit dem Rapper. Auch von politischer Seite erhielt er Zuspruch. Der St. Galler SVP-Nationalrat Lukas Reimann etwa kritisierte die Praxis des Bundes, dass eine Person, die in der Schweiz aufgewachsen sei, ausgeschafft werden könne.

B.K. wurde vor seiner Abschiebung 2017 mit einem Einreiseverbot belegt. Dies focht er und sein Anwalt aber erfolgreich an. Und so durfte er jährlich für zwei Wochen in die Schweiz einreisen. Laut dem Staatssekretariat für Migration werden sogenannte Suspensionsvisa bei gerichtlichen Vorladungen, Todesfällen eines in der Schweiz lebenden nahen Familienmitglieds oder Besuchen von nahen Familienmitgliedern gewährt.

«Ausschaffung hat ihn belastet»

Auch der Regisseur Ciril Braem Tscheligi hat die Geschichte von B.K. verfolgt. Für die SRF-Reihe «DOK» hat er ihn etwa vor seiner Ausschaffung eng begleitet und später im Kosovo besucht. Er sagt: «Die Ausschaffung hat ihn extrem belastet.»

In den letzten Monaten hat der TV-Journalist B.K.s Spur verloren. Auf Anrufe meldete er sich nicht zurück, seine Social-Media-Kanäle deaktivierte er. Scheinbar ging ein Callcenter, das B.K. im Kosovo betreiben wollte, in Konkurs. Auch seine Tätigkeit als Coach für abgeschobene Landsleute übte er nur eine kurze Zeit lang aus.

B.K. befindet sich derzeit in der Schweiz in Untersuchungshaft. Ihm drohen in der Schweiz mehrere Jahre Haft.

Erstellt: 27.02.2019, 15:30 Uhr

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