Preisüberwacher rüffelt Zürcher Stadtrat

Der Zugang zum Glasfasernetz in der Stadt Zürich ist teilweise zu teuer.

Anschlüsse zu teuer: Arbeiter der EWZ verlegen Glasfaserkabel.

Anschlüsse zu teuer: Arbeiter der EWZ verlegen Glasfaserkabel. Bild: Keystone

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Noch vor wenigen Wochen hat sich der Stadtrat selber gelobt: Das EWZ habe bei den Glasfaseranschlüssen in die Wohnungen der Stadt landesweit eine Vorreiterrolle übernommen. Das schreibt er in einem Zwischenbericht an den Gemeinderat.

Nun bekommt der Stadtrat für das Geschäft mit den Internet-, TV- und Telefonanschlüssen aber einen Rüffel vom Preisüberwacher. Er hält einen Teil dieser Anschlüsse für zu teuer. Die Stadt habe die Preise zwar kontinuierlich gesenkt, doch einige Unternehmen, die Leitungen mieten, profitierten zu wenig davon, meint der Preisüberwacher.

Das EWZ bietet diesen Anbietern zwei Möglichkeiten, Glasfaser zu nutzen: Zum einen das Produkt EWZ.FCS, bei dem das EWZ den Anbietern nicht nur die Glasfaser in die Wohnungen zur Verfügung stellt, sondern auch die Technik, die zur Datenübertragung notwendig ist. Beim Produkt EWZ.FFL dagegen erhalten die Anbieter eine sogenannt unbeleuchtete Glasfaser, sie müssen die elektronischen Einrichtungen zur Glasfaser hin also selber bereitstellen.

Bei diesem Produkt setzt der Preisüberwacher zur Kritik an, wie er in seinem gestern erschienenen Newsletter schreibt. Am 14. Mai hatte er empfohlen, den monatlichen Preis auf 20 Franken zu senken. FDP-Stadtrat Michael Baumer als Vorsteher des Departements der Industriellen Betriebe ist dieser Empfehlung bisher nicht gefolgt.

Stadtrat erstaunt

In seiner Analyse ist der Preisüberwacher zum Schluss gekommen, dass die Preise bei beiden Produkten in den vergangenen Jahren zwar reduziert wurden. Doch die Service-Provider, die sich für die unbeleuchtete Glasfaser entschieden, profitierten weniger. Der Preis sei im Verhältnis zu hoch und die Preissenkung ungenügend. Um die Attraktivität und damit die Wettbewerbsfähigkeit dieses Produkts zu erhalten beziehungsweise wiederherzustellen, empfahl der Preisüberwacher im vergangenen Mai eine deutliche Preissenkung. Er sah die Wettbewerbsfähigkeit des Produkts gefährdet. Und das sei kaum im Sinne der Glasfaserpolitik der Stadt Zürich, schreibt er in einem Brief an Stadtrat Baumer.

Zürich müsse sich nicht verstecken, sagt Michael Baumer. Die Preise in allen Kategorien seien im Vergleich mit der Swisscom und anderen Schweizer Städten günstig. «Wir schöpfen keine übertriebenen Margen ab, im Gegenteil.» Der Stadtrat sei über die Kritik des Preisüberwachers erstaunt. Das Volk habe an der Urne 400 Millionen Franken bewilligt, um den Wettbewerb zwischen den Providern zu fördern. Das sei der Stadt gelungen.

Erstellt: 28.08.2019, 07:55 Uhr

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