«Monsterbau», «Riesenfehler» – Protest gegen ZKB-Seilbahn wächst

Anwohner rund ums Zürichhorn wehren sich gegen die geplante Seilbahn über den Zürichsee.

Gondeln über den Zürichsee: Ab 2020 soll dies mit der ZKB-Seilbahn möglich sein. (Video: Tamedia/lko)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Zu ihrem 150-Jahr-Jubiläum gönnt sich die Zürcher Kantonalbank (ZKB) eine 1,3 Kilometer lange Seilbahn mit 18 Kabinen für je 24 Personen zwischen dem Strandbad Mythenquai und der Blatterwiese beim Chinagarten. Kostenpunkt: 50 Millionen Franken. Der Betrieb ist auf fünf Jahre befristet. Vor einem Jahr wurde das Projekt vorgestellt, Kantons- und Stadtvertreter waren begeistert.

Nun bildet sich rund um das Projekt immer mehr Widerstand. Der Protest kommt vor allem aus den von der ZKB-Seilbahn betroffenen Quartieren und den Anwohnern rund ums Zürichhorn. Sie machten ihrem Ärger Luft an einer Informationsveranstaltung, die gestern Abend im Quartier stattfand. Dort standen Projektverantwortliche der Öffentlichkeit erstmals Red und Antwort.

Seilbahn als Mehrbelastung

Einer der prominentesten Gegner ist Anton Schaller, langjähriger «Tagesschau»-Chefredaktor beim Schweizer Fernsehen und engagierter Quartierbewohner. «Ihr macht einen Riesenfehler», sagte er an die Adresse der ZKB-Verantwortlichen, «das Seeufer ist jetzt schon komplett überlastet. Die Bahn bringt noch mehr Leute in ein Gebiet, welches von der Kapazität her bereits auf dem Zahnfleisch läuft.» Für Schaller bringt das Projekt in erster Linie mehr Verkehr und eine noch grössere Belastung der Uferlandschaft.

Was die Zürcher von der Seilbahn halten:

Strassenumfrage: Wollen die Zürcher Gondeln über dem See? (Video: Tages-Anzeiger/Lea Blum)

Auch Urs Frey, Präsident des Quartiervereins Riesbach, geizte nicht mit Kritik. «Wir wollen keine Spassbremsen sein, aber wir wehren uns entschieden gegen diese Seilbahn. Es ist ein Monsterbau.» Die Bahn sei nicht innovativ, sondern rückwärts gerichtet und von der Technologie her veraltet. «Was an diesem Projekt ist nachhaltig, wenn es nach fünf Jahren bereits wieder abgerissen wird.» Er wies in seiner Rede mehrmals darauf hin, dass der Zürichsee und die Blatterwiese chronisch übernutzt seien und dies nicht erst seit wenigen Monaten. Er stelle in seinem Umfeld fest, dass die anfängliche Euphorie immer mehr einer ablehnenden Haltung weiche.

Eine Quartierbewohnerin fürchtet, die Seilbahn verschandele das schöne Landschaftbild und versperre die Aussicht, die man vom Bürkliplatz her habe. «Statt eine Seilbahn, hätten wir viel lieber ein Schiff mit einer regelmässigen Verbindung», sagte die Frau.

4300 Personen am Wochenende

Dass die zwei Seilbahnstationen mehr Verkehr und Lärm ins Quartier bringen, konnte der von der ZKB beauftragte Generalplaner Flavio De Tomasi nicht vollständig ausräumen. Man habe zum Nutzungsverhalten eine repräsentative Studie in Auftrag gegeben und dazu 1000 Leute befragt. Die Resultate zeigen, dass von Montag bis Freitag täglich 1250 Personen (je Richtung) die Seilbahn benutzen würden, an einem schönen Wochenende könnten es bis zu 4300 Personen sein.

Im Herbst will die ZKB den Gestaltungsplan öffentlich auflegen. «Mit der Baubewilligung rechnen wir im Sommer 2019», sagte Dominique Friedli, ZKB-Verantwortlicher für das Jubiläumsprojekt. Die Seilbahn soll ab 2020 die ersten Fahrgäste zwischen Mythenquai und Chinagarten befördern.

Schützenhilfe bekommen die Seilbahn-Gegner von der Zürcher Sektion des Verkehrsclubs der Schweiz (VCS). Deren Geschäftsführerin Gabi Petri sagt: «Wir sind gegen die Seilbahn, weil sie dem Erholungsraum der Stadtzürcher Bevölkerung nicht dient.» Sie bemängelt vor allem die ungenügende Verkehrserschliessung bei den beiden Seilbahnstationen. «An Spitzentagen ist dort sicher mit viel mehr Autoverkehr zu rechnen.»

Die Seilbahn sei eine zusätzliche Belastung für das Seeufer, welches schon seit längerem an Übernutzung leide. Zudem verändere die Bahn mit ihren grossen Kabinen das Landschaftsbild. «Man muss sich einmal die Masten mit ihren Dimensionen vorstellen. Die Stationen erinnern mich von der Ausstrahlung her an den Charme eines Wintersportorts», sagt Petri. Der VCS wartet nun den Gestaltungsplan ab und will dann entsprechend handeln.

Erstellt: 29.06.2018, 09:22 Uhr

Artikel zum Thema

Eine Seilbahn fürs Gemüt

Kommentar Mit ihrem Seilbahnprojekt ist der Zürcher Kantonalbank ein PR-Coup gelungen. Wie auch immer die Idee bei der Bevölkerung ankommt, die ZKB steht in jedem Fall gut da. Mehr...

Von hier schwebt die Seilbahn über den Zürichsee

Jetzt ist klar, wo sich ab 2020 die Stationen der Züri-Bahn befinden werden. Um diese zu eruieren, waren auch Taucher nötig. Mehr...

Zürich darf vom Schweben über den See träumen

Video Eine Seilbahn vom Zürichhorn zur Landiwiese: Das sind die Pläne für eine 1400 Meter lange Fahrt über das Seebecken. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Weiterbildung

Gamen in der Schule

Die Schule bereitet Kinder auf die Arbeitswelt vor. Das Rüstzeug soll auch spielerisch vermittelt werden.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Herbstlich gefärbte Weinberge: Winzer arbeiten in Weinstadt, im deutschen Baden-Württemberg. (17. Oktober 2019)
(Bild: Christoph Schmidt/DPA) Mehr...