Zum Hauptinhalt springen

Provokation mit Köppel löst Empörung aus

Das Zürcher Neumarkt-Theater kündigt an, Nationalrat Roger Köppel müsse von einem antisemitischen Geist exorziert werden. SVP und FDP protestieren gegen «dumpfe Primitivität».

Besessen? SVP-Nationalrat und «Weltwoche»-Chef Roger Köppel.
Besessen? SVP-Nationalrat und «Weltwoche»-Chef Roger Köppel.
Ennio Leanza, Keystone

Vor dem Neumarkt-Theater im Zürcher Kreis 1 kommt es am Freitag zu einer provokativen Aktion: Eine «Entköppelung» der Schweiz soll dort vor versammeltem Publikum stattfinden. Laut Programm soll dabei ein «erfahrener Exorzist» Roger Köppel vom Geist Julius Streichers befreien, in Nazideutschland Herausgeber des antisemitischen Blatts «Der Stürmer». Denn von diesem sei der SVP-Nationalrat eindeutig besessen, heisst es in der Ankündigung im Internet.

Geplant sei «eine streng katholische Prozession» zum Privatdomizil des Politikers und «Weltwoche»-Chefredaktors. Die Teilnehmer werden dazu aufgefordert, stinkende Fische mitzubringen. Zudem solle ein afrikanischer Voodoo-Priester Köppel verfluchen – der gleiche, der auch für Jörg Haiders tödlichen Autounfall verantwortlich gezeichnet habe.

Eine «niveaulose Aktion»

Die Reaktionen lassen nicht lange auf sich warten. Die SVP der Stadt Zürich schreibt in einer Medienmitteilung, die angekündigte Aktion des subventionierten Theaters sei an «dumpfer Primitivität nicht mehr zu übertreffen». Sie kritisiert aufs Schärfste den Vergleich mit dem «Stürmer»-Herausgeber und die Aufforderung, in Köppels Privatsphäre vorzudringen. Die SVP protestiere «in aller Form und mit Vehemenz» gegen die Hetze. Das Ganze müsse personelle Konsequenzen haben – «auf allen Ebenen».

Auch die FDP der Stadt Zürich zeigt sich empört über die «niveaulose Aktion», wie sie in einer Mitteilung schreibt. Damit überschreite das Theater Neumarkt eine rote Linie auf der persönlichen Ebene. «Eine kontraproduktivere Aktion ist kaum vorstellbar.» Die FDP fordert Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP) dazu auf, diese Aktion sofort zu stoppen.

Nicht das erste Mal

Es ist nicht das erste Mal, dass das Neumarkt-Theater mit einer Aktion provoziert, die sich gegen Köppel richtet. Vor drei Jahren inszenierte der Regisseur Milo Rau dort während drei Tagen einen öffentlichen Gerichtsprozess gegen den «Weltwoche»-Chef. Der Zeitung wurden «Schreckung der Bevölkerung», «Rassendiskriminierung» sowie «Gefährdung der verfassungsmässigen Ordnung» vorgeworfen. Der fiktive Prozess endete damals mit einem Freispruch.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch