Quartier wehrt sich gegen Rekord-Schulhaus

Altstetten braucht bis 2027 ein neues Sekundarschulhaus, das grösste in Zürich soll es werden. Der Standort passt den Anwohnern aber gar nicht.

Die Wiese, die überbaut werden soll. Bild: Samuel Schalch

Die Wiese, die überbaut werden soll. Bild: Samuel Schalch

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Weil in Zürich die Zahl der Schülerinnen und Schüler konstant anwächst, geraten die Schulhäuser an ihre Kapazitätsgrenzen. Besonders akut ist das Schulraumproblem in Altstetten. Deshalb plant die Stadt im Quartier Grünau mit dem Tüffenwies den grössten Schulhausneubau – auf der grünen Wiese.

500 Sekundarschülerinnen und -schüler sollen dort ab 2027 darin zur Schule gehen. Das passt dem Quartier aber gar nicht, wie auch die «NZZ» schon berichtet hat. Die für das Projekt ausgewählte Sportwiese der Primarschule Grünau hat für sie einen weit grösseren Wert als jener einer Freifläche. Die Wiese steht für eine erfolgreiche Quartierentwicklung im Stadtteil eingeklemmt zwischen Autobahn und Kläranlage. Bis in die 90er-Jahre galt das Quartier auch als Ausländer-Ghetto. Die Jugendkriminalität war hoch.

Heute spielen die Kinder auf dem Rasen Fussball. An schönen Tagen picknicken dort Familien.

Eine Wiese, die verbindet

Die Stadt hat massgeblich zur positiven Entwicklung beigetragen. Sie hat ab 2005 die Siedlung Werdwies mit 152 Wohnungen gebaut. Dazu hat das GZ Grünau viel Quartierarbeit geleistet. Thomas Isler, Vorstand des Quartiervereins Grünau, sagt: «Die Wiese verbindet unser Quartier.» Gleichzeitig dient sie als Ausgleichsfläche zu den vielen Hochhäusern.

Das Quartier hegt Zweifel an der Konzeption des grossen Schulhauses. Da ist die Zahl von 24 Klassen. Im Schnitt werden Sekschulhäuser mit 16 Klassen gebaut. Zudem fürchten sich die Anwohnerinnen und Anwohner, dass das sozial fragile Quartier diese vielen Jugendlichen nicht schlucken kann. Bisher gingen die Sekundarschüler ennet der Autobahn im Kappeli zur Schule. Zuletzt herrscht Skepsis darüber, ob der Bau eines neuen Sekundarschulhauses neben einer bestehenden Primarschule gut für die soziale Atmosphäre ist.

Grund für die Schulraumknappheit ist die Bautätigkeit: Bis 2035 werden 6500 neue Personen nach Altstetten ziehen.

Grund für die Schulraumknappheit im Schulkreis Letzi ist die intensive Bautätigkeit. Bis 2035 werden 6500 neue Personen nach Altstetten ziehen, die Schülerzahlen massiv steigen, der bestehende Sekundarschulhaus-Teil Kappeli nur noch für Primarschüler genutzt werden.

Dass der Schulkreis neuen Schulraums bedarf, ist der Quartierbevölkerung klar. Sie schlägt Alternativstandorte vor, etwa das Feld 11 der Sportanlage Hardhof oder das Areal zwischen Autobahn und Rampe auf die Europabrücke. Thomas Isler sagt: «Wir fragen uns, warum die Stadt auf den Neubaugebieten in Altstetten keine Schulraumflächen gesichert hat.»

Interesse an Dialog

Die Stadt signalisierte bisher wenig Bereitschaft, von ihrer Planung abzurücken. In einer Antwort auf eine Interpellation von Gemeinderätin Katharina Prelicz-Huber und Gemeinderat Balz Bürgisser (beide Grüne) von Anfang September ist von der grössten Flächenreserve im Schulkreis Letzi die Rede, die gut erreichbar wäre. Alternativstandorte seien alle geprüft worden. Die Idee einer Erweiterung des Schulhauses Kappeli wurde verworfen.

Auf Anfrage verweist das Hochbaudepartement darauf, dass erst eine Machbarkeitsstudie gemacht worden sei. Schulvorsteher Filippo Leutenegger (FDP) hat sich vor einigen Tagen vor Ort ein Bild gemacht. Wie sehr er sich für eine andere Lösung einsetzen will, ist noch offen. Am Donnerstagabend diskutieren er und Hochbauvorsteher André Odermatt (SP) zusammen mit der Quartierbevölkerung. Die Stadt wolle die Anliegen der Quartierbevölkerung ins Wettbewerbsprogramm einfliessen lassen. Zudem werde eine Vertretung des Quartiers in der Wettbewerbsjury Einsitz nehmen können.

Erstellt: 01.10.2019, 14:30 Uhr

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