Vortritt für Quartierbewohner

In der städtischen Siedlung Hornbach soll ein Teil der Wohnungen für Bewohner des Quartiers reserviert werden.

Die 125 Wohnungen der Siedlung Hornbach im Zürcher Seefeld befinden sich noch im Bau.

Die 125 Wohnungen der Siedlung Hornbach im Zürcher Seefeld befinden sich noch im Bau. Bild: zet

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Zwei Jahre bevor die ersten Mieterinnen und Mieter in die Siedlung Hornbach im Zürcher Seefeld einziehen können, meldet der Quartierverein Riesbach Ansprüche an. In einem Brief an Stadtrat Daniel Leupi (Grüne) fordert er eine Quotenregelung für Bewohnerinnen und Bewohner des Quartiers im äusseren Seefeld: «Es soll sichergestellt werden, dass ein Anteil der Wohnungen an Menschen aus dem Quartier gehen.»

Als Grund gibt der Quartierverein an, dass die Integration einfacher sei. Zudem werde die Fluktuation, die im ganzen Quartier überdurchschnittlich hoch sei, in der Siedlung damit kleiner. Die Idee sei nicht neu: Bei der Erstvermietung der Siedlung Tiefenbrunnen vor rund 25 Jahren sei ein Sozialarbeiter eingesetzt worden, der versucht habe, eine gute Durchmischung bei den Bewohnern zu finden.

AL-Gemeinderat fordert Bevorzugung

Das Finanzdepartement von Stadtrat Leupi bestätigt den Eingang des Briefes, kann momentan aber keine Informationen geben, ob eine solche Quotenregelung überhaupt möglich ist. Der Grund: Zur Wohnüberbauung liegt eine ähnlich gelagerte schriftliche Anfrage von AL-Gemeinderat Mischa Schiwow vor. Das Departement will die beiden Antworten aufeinander abstimmen. Schiwow fragt den Stadtrat unter anderem, wie er sicherstellen will, dass bei den Erstvermietungen Personen zum Zuge kommen, die kürzlich aus dem Quartier verdrängt wurden oder denen eine Kündigung bevorsteht.

Die Vergabe von eigenen Mietwohnungen hat die Stadt kürzlich in einer neuen Verordnung und einem neuen Mietreglement geordnet. Dies, nachdem es vor drei, vier Jahren zu verschiedenen schlagzeilenträchtigen Medienartikeln über städtische Mietliegenschaften gekommen war. Eine SVP-Gemeinderätin war 2014 abgewählt worden, nachdem der «Tages-Anzeiger» publiziert hatte, dass sie in Zürich eine günstige städtische Wohnung gemietet hatte, in Uster aber ein Millionenvermögen versteuerte und dort auch eine Villa bewohnte, die als Schlössli bezeichnet wurde. Im Zuge dieser Affäre tauchten mehrere Namen von prominenten Zürcherinnen und Zürchern auf, die ebenfalls von günstigen städtischen Wohnungen profitierten.

Zufallsgenerator wählt aus

Grundsätzlich schreibt die Stadt alle Wohnungen, die zur Miete frei werden, auf ihrer Website und im Amtsblatt, das im «Tagblatt» abgedruckt wird, aus. Darauf können sich Interessenten bewerben – sie müssen allerdings Kriterien erfüllen. Zum Beispiel müssen in einer 3-Zimmer-Wohnung mindestens zwei Personen wohnen, in einer 4-Zimmer-Wohnung mindestens drei Personen. Zudem müssen Einkommen und Vermögen in einem bestimmten Verhältnis zum Mietpreis stehen. Aus den Bewerbungen wählt die Stadt per Zufallsgenerator einige Personen zur Wohnungsbesichtigung ein. Aus diesen sucht sie dann die künftigen Mieter aus. Eine Warteliste führt die Stadt nicht. Ein Sprecher des Quartiervereins weist auf Anfrage darauf hin, dass das Reglement Ausnahmen zulässt.

4-Zimmer-Wohnung für 1670 Franken

In der Siedlung Hornbach entstehen zurzeit 125 Wohnungen vorwiegend für Familien, Kinderbetreuungseinrichtungen und Gewerbeflächen. Das Zürcher Stimmvolk hatte 2015 dem Bau und einem Kredit von 100 Millionen Franken zugestimmt. Die Grundsteinlegung verzögerte sich allerdings aufgrund von Rekursen bis in den Sommer 2018. Die ersten Bewohnerinnen und Bewohner werden 2021 einziehen.

Das Finanzdepartement rechnet damit, dass es die Wohnungen in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres ausschreiben kann. Schon heute ist sicher, dass es einen regelrechten Run auf die Wohnungen geben wird. Denn eine 4-Zimmer-Wohnung an dieser äusserst attraktiven Wohnlage wird netto rund 1670 Franken kosten, wie den Abstimmungsunterlagen von 2015 zu entnehmen ist.

Erstellt: 18.06.2019, 10:57 Uhr

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