Rätselhafte Hochtöne am Zürcher Hauptbahnhof

Die schwarzen Kästchen sind verstummt. Trotzdem werden am HB weiterhin hohe Töne gesendet. Die SBB sind ratlos.

Werden beschallt: Passantinnen und Passanten am HB sind Hochtönen ausgesetzt. Foto: Urs Jaudas

Werden beschallt: Passantinnen und Passanten am HB sind Hochtönen ausgesetzt. Foto: Urs Jaudas

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Nun sollte Stille herrschen am Hauptbahnhof – zumindest im Hochfrequenzbereich. Die Die Swisscom hat ihren Versuch abgebrochen, über hohe Töne Handys von Passanten anzusteuern. Die dazu montierten Kästchen senden laut der Swisscom seit über einem Monat keine Signale mehr.

Und doch ist keine Ruhe eingekehrt. Es lassen sich weiterhin codierte Signale im Frequenzbereich von 20 Kilohertz messen.

Töne in dieser Höhe sind für fast alle Menschen unhörbar. SBB-Passagier Daniel Siegenthaler spürt sie trotzdem. Er leidet unter einem hochfrequenten Tinnitus und reagiert empfindlich auf Töne in derselben Höhe. Seit Monaten schmerzten ihn die Ohren, wenn er sich im Hauptbahnhof bewegte. Um die Ursache aufzuspüren, führte er mit einer Handy-App Schallmessungen durch. «Dabei habe ich im ganzen unterirdischen Bereich sowie auf sämtlichen unter- und oberirdischen Bahnsteigen ein Pfeifen entdeckt.»

Senden keine Töne mehr: Die Beem-Kästchen der Swisscom. Bild: Urs Jaudas

Erst verdächtigte Siegenthaler die Boxen der Swisscom als Urheber. Diese widersprach: Unmöglich, die Kästchen seien abgestellt. Beim Nachprüfen stiessen Swisscom-Experten ebenfalls auf die hohen Töne.

Niemand kann es erklären

Nach erneuten Messungen hält Siegenthaler nun die offiziellen SBB-Lautsprecher für die Quelle. «Sie pfeifen, seit es die Werbeflächen nicht mehr tun.» SBB-Sprecher Martin Meier bestätigt die Vermutung: «Höchstwahrscheinlich stammen die Signale aus der Beschallungsanlage, mit der wir unsere Durchsagen machen.» Erklären könne man das Phänomen allerdings nicht. «Abklärungen laufen.» SBB-Fachtechniker hätten die Lautsprecher untersucht und keine Fehler gefunden. Eine Audiofirma, welche die Anlage warte, sei ebenfalls vor Ort gewesen. Sie werde in den nächsten Tagen eine vertiefte Analyse durchführen. Sobald das Problem bekannt sei, werde man es «raschestmöglich» beheben.

Neben Werbezwecken können hochfrequente Töne auch eingesetzt werden, um Menschen zu zählen oder Sicherheitsschranken zu steuern. Die Technologie ist allerdings umstritten, weil Kinder, Tiere und auch Erwachsene die hohen Signale als störend wahrnehmen können.

Das Bundesamt für Umwelt untersucht derzeit, wie lästig oder schädlich ihr Einsatz ist. Die Ergebnisse sollten gegen Ende Jahr vorliegen. Auch die Swisscom wartet diese Studie ab.

Seit die hohen Signale durch den HB schwirren, geht Daniel Siegenthaler nur noch geschützt mit einem Pamir auf den Zug. «Sonst halte ich es nicht aus. Und selbst mit Gehörschutz habe ich ein Klingeln im Ohr, weil sich der Tinnitus verstärkt hat.» Ausser ihm scheint das Signal aber kaum jemanden zu stören. Beim SBB-Kundendienst, sagt Sprecher Meier, seien bisher keine Meldungen dazu eingegangen.

Erstellt: 23.08.2019, 09:02 Uhr

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