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Züri-Reim, du bist umzwingelt!

Er sei der Vorgesetzte des Dichters, sagt Schriftsteller Martin Suter über den Reim. Stimmt das? Ein Verstest mit Slängikon.

Der Reim ist zwar zehn Jahre alt, doch gilt heut', was schon damals galt.
Der Reim ist zwar zehn Jahre alt, doch gilt heut', was schon damals galt.
Reto Oeschger

Das Reimen, es ist wieder da, und dies dank Social Media. Genauer wars der Martin Suter, der von zu Hause am Computer die Welt mit seinen Tweets erhellt, die er gereimt ins Netz reinstellt.

Dabei, so sagt der Buchautor, gibt das Wort dem Schreiber vor, womit es sich gern paaren will, und da gäbs oft nicht allzu viel. Die Einschränkung sei die Magie des Reims, so die Philosophie.

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«Herrje», gehts mir da durch den Kopf, «der Reimer ist ein armer Tropf.» Beschränkung ist ein leidig Ding. Wer nimmt das denn schon gerne hin? Doch möchte ichs genauer wissen: Sind Worte wirklich so gerissen, dass sie dem Dichter aufdiktieren, wie er den Inhalt soll kreieren?

Gewissheit soll die Prüfung bringen. Den Gleichklang möchte ich abringen Begriffen aus dem Slängikon mit ihrem Zürcher Idiom.

Eis go haa, bevor man steil cha gaa. (Foto: Thomas Egli)
Eis go haa, bevor man steil cha gaa. (Foto: Thomas Egli)

Und weil die Stadt im Rufe steht, dass nächtens stets die Post abgeht, will ich die ersten Verse machen zum Stürzen und all solchen Sachen.

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Im Uusgang hats nicht wenige Verstraalti oder Dänige. Manch einer will noch eis go haa, bevor er richtig steil cha gaa.

Wem Alkohol nicht so entspricht, macht sich auf andre Weise dicht. Zum Beispiel mit dem Tanzdragee. Das klingt zunächst mal voll o.k. Doch weiss, wer die Bedeutung kennt, dass man hier Ecstasy so nennt.

Ein Tanzdragee ist voll o.k. (Foto: Keystone)
Ein Tanzdragee ist voll o.k. (Foto: Keystone)

Wir können auch das Terrain wechseln, zum Liebesleben Reime drechseln. Denn Zürich ist die Schweizer Stadt, in ders ganz viele Singles hat.

Da wird gebalzt, dass Balken biegen, denn jeder will jemanden kriegen. Zunächst gilts Blicke zu erhaschen, erst später kommt dann das Vernaschen. Mit zeukle, füdle und flattieren tut man den anderen hofieren.

Erklingt ein «Zieh de Finkestrich!», gelingt das Höstlere wohl nicht. Denn so sagt man hier: «Mach die Fliege». (Prüf nach, wer findet, dass ich lüge.)

Mit flattieren hofieren. (Foto: Urs Jaudas)
Mit flattieren hofieren. (Foto: Urs Jaudas)

Wer so nen Schue in Arsch kassiert und sich dabei gar arg blamiert, denkt besser «hesonosode», fragt in die Runde: «Hämmers gse?» und zieht eins weiter also dann, weil mans ja eh nicht ändern kann.

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Auch ich muss nun zum Ende kommen. Der Verse satt hab ich ersonnen. Drum lautet denn auch mein Fazit: Die Wörter machen wacker mit.

Sogar den richtig harten Brocken lässt sich ein sinn'ger Reim entlocken. So gibt zum Beispiel Preis der «Tirggeel» mit viel Gewalt nen Vers auf «Weissmeel». Die Combo mag zwar wacklig sein, doch irgendwie ists doch ein Reim.

Ein «Tirggeel» aus «Weissmeel». (Foto: Patrick Gutenberg)
Ein «Tirggeel» aus «Weissmeel». (Foto: Patrick Gutenberg)

Hingegen muss ich eingestehn: Das Dichten ist nicht sehr bequem. Es gilt Begriffe zu entstauben und längst Vergessnes rauszuklauben. Doch zugleich ist der Reim ein Segen, er hilft uns unsre Sprache pflegen. Denn wer stets nur ein «mega» braucht, hat seinen Wortschatz rasch verraucht.

Drum, danke, lieber Mr. Suter für Ihr gedichtetes Getwitter. Ich hab ihn jetzt getscheggt, de Pögg, und zieh mich in die News zurück.

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