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11-jähriges Mädchen: «Er zeigte mir Pornos und erklärte mir alles»

Ein Rentner aus dem Zürcher Unterland soll ein Mädchen missbraucht haben. Der Angeklagte bestreitet die Vorwürfe. Ihm droht eine Freiheitsstrafe.

Ein schlimmer Fall, der hier, am Bezirksgericht Dielsdorf, verhandelt wird. Foto: Daniel Kellenberger
Ein schlimmer Fall, der hier, am Bezirksgericht Dielsdorf, verhandelt wird. Foto: Daniel Kellenberger

So richtig glauben will man nicht, was im grossen Saal des Bezirksgerichts Dielsdorf seit über einer Stunde über den grossen Flachbildschirm flimmert. Es ist die auf Video aufgezeichnete polizeiliche Befragung des damals elfjährigen Mädchens.

Sie schildert, wie der Beschuldigte «mit mir perverse Sachen gemacht hat, die man mit Kindern nicht tun sollte». Sie erzählt, was der damals über 70 Jahre alte Rentner aus dem Zürcher Unterland zwischen Frühjahr 2015 und Frühjahr 2017 ihr, dem damals acht- bis zehnjährigen Mädchen, angetan hat.

Diese Verdächtigungen haben ihm, der nun im Alter von bald 76 Jahren seit fast genau einem Jahr in Untersuchungshaft sitzt, eine Anklage wegen mehrfacher sexueller Nötigung, mehrfachen sexuellen Handlungen mit einem Kind und mehrfacher Pornografie eingetragen.

Irritierend ist nicht nur, was das Mädchen sagt, sondern vor allem, wie sie es sagt. Ihr kommen die einschlägigen Begriffe – Dildo, eins blasen, Nutte, einen runterholen und so weiter – scheinbar selbstverständlich über die Lippen – Begriffe, die geeignet sind, noch manchem Erwachsenen die Schamesröte ins Gesicht zu treiben.

Teilweise tägliche Übergriffe

Warum weiss das Kind so gut Bescheid? «Er zeigte mir Pornos mit Erwachsenen und erklärte mir alles», lautete ihre Antwort. Er, das war der langjährige, beste, vertrauteste Freund der Familie. Ein Mann, der laut dem Staatsanwältin perfekt dem Bild des hilfsbereiten, freundlichen Grossvaters entsprach, dem man bedenkenlos sein Kind anvertraut – gemäss Anklageschrift in den erwähnten zwei Jahren insgesamt sechsmal für jeweils eine Woche.

Ein Mann auch, der nach eigenen Angaben dem Kind jeden Wunsch von den Augen ablas. «Er hat mir immer alles gegeben, was ich wollte», sagte auch das Mädchen im Video. Der dafür aber, was er vehement bestreitet, Gegenleistungen verlangte. Ohne ins Detail zu gehen, ging es dabei um diverse sexuellen Handlungen, die bis zum Anal- und gegenseitigen Oralverkehr reichten, wobei verschiedentlich ein Dildo zu Einsatz kam – Handlungen, die sich laut Anklage zum Teil täglich wiederholten.

«Blühende Fantasie»

In einer Weise, die man als weit über die geistige Reife einer Elfjährigen hinausreichend empfand, schilderte das Mädchen im Video, wie sie sich «ausgenützt» fühlte und auch daran dachte, einfach aus dem Fenster zu springen. Andererseits erklärte sie auch, ihre Neugierde habe sie dazu getrieben, es geschehen zu lassen. «Es war ein Fehler, dass ich das zuliess.» Aber gewisse Berührungen hätten ihr auch gutgetan.

Was das Mädchen der Polizei schilderte, lässt sich aus Sicht des Beschuldigten in aller Kürze zusammenfassen: blühende Fantasie. Was sie erzählt habe, sei «alles eine Lüge und nicht wahr». Sie habe von ihren Eltern gelernt, was sie der Polizei sagen müsse. In Wirklichkeit sei es so gewesen, dass sie vor ihm einen Striptease vollzogen und sich nackt auf seinen Schoss gesetzt habe. Immer wieder sei sie nackt auf ihn zugekommen, habe Berührungen im Intimbereich gewollt.

Freispruch gefordert

Weil er ihre Avancen aber abwehrte und auch ihren immer teueren Wünschen nicht mehr nachkam, hasse sie ihn jetzt. In seinem Schlusswort gab er sich überzeugt: «In acht bis zehn Jahren wird das Mädchen zu mir kommen und sich entschuldigen. Das ist ganz sicher.»

Das Urteil wird am Freitag bekannt gegeben. Die Staatsanwältin verlangt eine Freiheitsstrafe von fünfeinhalb Jahren, der Verteidiger einen Freispruch.

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