Rosengartentunnel: Befürworter werben ungefragt mit Prominenten

Das Komitee «Chance Rosengarten» lässt Röbi Koller und Beat Schlatter für ihre Sache sprechen: mit alten Aussagen, zu einem anderen Thema.

Sorgte für Irritation: Die inzwischen gelöschte Botschaft von Röbi Koller auf der Facebook-Seite. Screenshot: Facebook/«Chance Rosengarten»

Sorgte für Irritation: Die inzwischen gelöschte Botschaft von Röbi Koller auf der Facebook-Seite. Screenshot: Facebook/«Chance Rosengarten»

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Volksabstimmung über den Rosengartentunnel vom 9. Februar 2020 sorgt schon jetzt für rote Köpfe. Auf der Facebook-Seite «Chance Rosengarten» warben sowohl TV-Moderator Röbi Koller als auch Komiker und Schauspieler Beat Schlatter indirekt für den 2,3 Kilometer langen Autotunnel.

Unter dem Titel «Was Röbi Koller und Beat Schlatter zur Situation im Rosengarten sagen» wurden Statements der beiden Prominenten gezeigt, welche sie vor neun Jahren im Zusammenhang mit der damaligen Abstimmung zum Rosengartentram gemacht haben.

Werbung in anderer Sache

Im November 2010 sagten die Stimmberechtigten der Stadt Zürich klar Nein zu einem Kredit von 31 Millionen Franken zur Vorlage. Das Projekt sah eine Tramlinie vom Milchbuck über die Rosengartenstrasse und die Hardbrücke bis hin zum Albisriederplatz vor. Dabei ging es einzig um die Tramlinie, nicht aber um einen Autotunnel. Die Volksinitiative war damals von Anwohnern und linksgrüner Seite her lanciert worden.

Auch das Statement von Beat Schlatter ist inzwischen von der Facebook-Seite «Chance Rosengarten» gelöscht worden.

Röbi Koller und Beat Schlatter dürfen sich aufgrund eines Teilzeitpensums bei SRF politisch nicht äussern, wie sie auf Anfrage sagen. Koller sagt allerdings, er habe nicht gewusst, dass mit seinen Aussagen nun Werbung für den Autotunnel gemacht werde. Er habe die Aktion auch nicht begrüsst.

Laut Koller haben ihn sowohl die Umweltschutzorganisation Umverkehr, welche den Rosengartentunnel ablehnt, als auch die Volkswirtschaftsdirektion unter der Leitung von Carmen Walker Späh (FDP) für Abstimmungswerbung angefragt. Beiden habe er einen Korb gegeben. Der TV-Moderator, der unweit der dicht befahrenen Strasse in Wipkingen wohnt, habe sich bisher noch nicht für ein Ja oder Nein zur Abstimmungsvorlage entschieden.

ACS zieht Videos zurück

Für die Facebook-Seite verantwortlich zeichnet die Zürcher Sektion des Automobil-Clubs der Schweiz (ACS). Inzwischen hat der ACS die beiden Statements auf der Website von «Chance Rosengarten» gelöscht, wie Geschäftsführer Lorenz Knecht auf Anfrage sagt. Sie hätten für Irritation gesorgt, so die Erklärung. Jetzt werde man Aussagen von Anwohnern veröffentlichen. Knecht fügt hinzu, dass die Links öffentlich zugänglich gewesen seien und dass man die Quelle und den Zeitpunkt der Veröffentlichung deklariert habe.

Das Projekt, über welches die Zürcherinnen und Zürcher am 9. Februar 2020 entscheiden, sieht einen 2,3 Kilometer langen Tunnel zwischen Wipkingen und Irchel vor. Ziel ist es, den Verkehr auf dem knapp 1 Kilometer langen Abschnitt zwischen Bucheggplatz und Wipkingen in den Untergrund zu holen, damit auf der Rosengartenstrasse Platz für eine Tramlinie entsteht und das Quartier verkehrsberuhigt wird. Die Kosten für das Projekt werden auf 1,1 Milliarden Franken beziffert.

Erstellt: 04.12.2019, 11:51 Uhr

Artikel zum Thema

Es war einmal die Rosengartenstrasse

Bildstrecke Bevor sie zum Verkehrsmoloch wurde, war die Zürcher Rosengartenstrasse idyllisch – und hatte ein Tram. Mehr...

Stadtrat fällt Entscheid zum Rosengartentunnel-Projekt

Linksgrüne Kräfte versuchten die Stadtregierung von ihrer Haltung zum Rosengartentunnel abzubringen. Sie scheiterten. Mehr...

Rosengartentunnel: Stadtrat verschreibt sich ein Auftrittsverbot

André Odermatt wird nicht wie angekündigt über das Projekt informieren. Der Stadtrat will sich aus dem Abstimmungskampf heraushalten. Das kommt nicht überall gut an. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Kommentare

Abo

Abo Digital Light - 18 CHF im Monat

Unbeschränkter Zugang auf alle Inhalte und Services (ohne ePaper). Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Unterwegs per Kanu: Ein überfluteter Park in Hereford, England, lädt zum Wassersport ein. (17. Februar 2020)
(Bild: Christopher Furlong/Getty Images) Mehr...