Riesenprojekte für 1,8 Milliarden Franken in Zürich

Die SBB räumen entlang der Gleise in Zürich drei grosse Gebiete. Auf 140'000 Quadratmetern werden Wohnungen und Gewerbebauten erstellt.

Wohnen, Gewerbe und Logistik: SP-Stadtpräsidentin Corine Mauch im Video-Interview. Video: Mirjam Ramseier

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Zwischen 2017 und 2031 öffnen die SBB drei grosse Areale in der Stadt Zürich: Zwischen Hohlstrasse und Gleisen beim Letzipark, bei der Neugasse im Kreis 5 und bei der Hardbrücke am Rand des Kreises 4. Insgesamt stehen neu 140'000 Quadratmeter zur Verfügung. Das ist doppelt so viel wie die Europaallee. SBB und andere werden gesamthaft 1,8 Milliarden Franken investieren.

Die drei Standorte sollen Wohn-, Gewerbe- und Logistik-Zwecken dienen. Auf dem Areal Neugasse sollen Wohnungen gebaut werden, auf einem Drittel der Fläche gemeinnützige. Die Areale Werkstadt und Hardfeld bleiben Arbeitsplatzgebiet.

Mauch: «Hartes Ringen»

Wie Zürichs Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP) an der Präsentation von heute Mittwoch sagte, hat es in der Schweiz noch kein Projekt «in dieser Dimension» gegeben. Es sei ein langer Prozess gewesen, sagte sie und verhehlte nicht, dass die Verhandlungen zwischen der Stadt und den SBB schwierig waren: «Wir waren nicht immer derselben Meinung, es war ein hartes Ringen.» Aber jetzt sei man zu einer guten, gemeinsamen Lösung gekommen. «Wir wagen etwas», schloss Mauch im Stile von Angela Merkel.

SBB-CEO Andreas Meyer sagte, er freue sich jetzt schon auf die ersten Skizzen. Dank Effizienz könnten die Züge neu anderswo repariert werden – an der Hohlstrasse und bei der Neugasse befanden sich bisher Reparaturwerkstätten für Züge. Man stehe am Anfang einer spannenden Entwicklung, es seien erst die ersten Pflöcke eingeschlagen. Zusammen mit der Stadt Zürich wolle man die Mobilität der Zukunft entwickeln und Anreize für eine lebenswerte und nachhaltige «Smart City» setzen, in denen alle digital miteinander vernetzt sind.

Odermatt lobt SBB

Der Zürcher Hochbauvorsteher André Odermatt (SP) sagte, die Arbeitsplatzgebiete würden auf innovative Art bewirtschaftet. Dort sei Wohnen wegen der Zonierung nicht möglich. An der Neugasse würden wiederum normale Wohnungen entstehen, sagte er. «Ich bin froh, dass die SBB keine Luxuswohnungen planen.» Die SBB würden die Planungsgewinne teils an die Stadt abgeben, betonte er.

Odermatt versprach neben Wohnungen und Arbeitsplätzen Schulhäuser, Grünflächen und öffentliche Plätze. Er könne keine Visualisierungen zeigen, sagte Odermatt, denn: «Wir wissen noch gar nicht, wie das aussehen wird.»

Bevölkerung soll sich beteiligen

Jürg Stöckli, Leiter SBB Immobilien, sagte, nun seien Ideen gefragt, um die Fläche von 20 Fussballfeldern zu bespielen. Losgehen soll es mit dem Wohnprojekt Neugasse. Bereits online sei eine Website, auf welcher man sich registrieren und mitdiskutieren kann. Die SBB wollen hier partizipativ vorgehen. Gebaut werden sollen die Wohnungen ab 2020 bis spätestens 2024.

Danach folgt das Projekt Werkstadt an der Hohlstrasse, für welches ebenfalls Ideen gefragt seien. Angedacht ist der Einzug von Start-ups und der Kreativwirtschaft. Erste Pioniernnutzungen sind bereits ab 2017 geplant. Fertiggestellt soll die «Werkstadt» 2026 sein.

Und am Ende kommt das, so Stöckli, mit 70'000 Quadratmetern grösste und «schwierigste» Gebiet. Im Hardfeld haben Unternehmen aus dem Gebiet Entsorgung, Logistik und Lager langfristige Verträge. Stöckli rechnet damit, dass dieses bis 2030/31 neu besetzt wird.

SBB-Areale sind gefragt

Die gemeinsame Ankündigung von SBB und Stadt Zürich ist ein politisch heisses Eisen. Kürzlich wurde bekannt, dass der Mieterverband für die eidgenössische Volksinitiative «Mehr bezahlbare Wohnungen» genügend Unterschriften beisammen hat. Der Verband fordert unter dem Slogan «Zahlbare Wohnungen statt Lofts auf SBB-Arealen», dass die Städte und Gemeinden ein Vorkaufsrecht für Areale erhält, welche der Bund und die SBB freigeben.

Beim neuen Stadtquartier Europaallee, welches auf 78'000 Quadratmetern gleich beim Hauptbahnhof auf ehemaligem SBB-Gebiet erstellt wurde und wird, ist immer wieder kritisiert worden, dass nur Luxus angesiedelt wird.

Genossenschaften schon an Zollstrasse und im Letzibach

Gegenüber der Gleise hingegen, an der Zollstrasse, verkaufen die Stadt und vor allem die SBB 5000 Quadratmeter an die Genossenschaft Kalkbreite, welche bis 2020 unter anderem günstige Wohnungen erstellt.

Auch hat die Stadt Zürich 2014 das 10'000 Quadratmeter grosse Areal Letzibach D in Altstetten von den SBB gekauft, um 250 gemeinnützige Wohnungen zu erstellen.

Erstellt: 23.11.2016, 12:35 Uhr

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