«Schiffbruch» fürs neue Globus-Provisorium

Auf dem Papierwerd-Areal an der Limmat hätte ein neuer Platz entstehen sollen. Doch der Gemeinderat will mehr.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Es hätte nicht zur turbulenten Geschichte des Globus-Provisoriums gepasst, wenn die jüngsten Pläne für das Papierwerd-Areal reibungslos umgesetzt worden wären, wenn die Ideen des Stadtrats für einen Platz mit Pavillon auf Euphorie gestossen wären, wenn die Gemeinderätinnen und Gemeinderäte von links bis rechts gesagt hätten: «Ja, das ist toll, das wollen wir.» Nein, das hätte nicht zu einem Streit gepasst, der nun schon rund 50 Jahre dauert.

Gestern Abend hat der Gemeinderat die Geschichtsschreiber dann auch nicht enttäuscht – beziehungsweise überrascht. Die Stadtparlamentarier haben zuerst über das Projekt für die Umgestaltung des Papierwerd-Areals gestritten, es für ungenügend befunden und schliesslich die Platzidee des Stadtrats versenkt.

«Es ist irritierend, dass der Stadtrat einzig einen Platz vorgeschlagen hat», sagte Simone Brander (SP) in der Debatte. Denn eben einen solchen wollte ihre Fraktion nicht, änderte deshalb bereits vor Jahren den ursprünglichen Vorstoss dahingehend und erzielte damit die Ratsmehrheit. Ihr bleibe nur, zu wiederholen, was sie schon 2015 gesagt habe. Das Areal sei derart wichtig, dass man nur ein wohl überlegtes Projekt angehen solle. «Und jetzt sind wir Jahre später wieder gleich weit.»

Die Schuld dafür gibt sie dem Stadtrat, der den Auftrag des Gemeinderats restriktiv umgesetzt habe und einzig einen Projektierungskredit für einen Platz mit Pavillon beantragte. Deshalb soll die Regierung noch einmal über die Bücher, eine Gesamtschau erstellen und zusätzlich prüfen, wie bereits kurzfristig der Nutzen des Papierwerd-Areals für die Bevölkerung verbessert werden kann. Eine Idee der SP: das Dach des Globus-Provisoriums zugänglich machen.

Alle waren dagegen

Die GLP-Fraktion pflichtete der SP bei. Den Grünliberalen gehe es vor allem um die Diskussion. «Ist der Istzustand gut? Vielleicht. Aber wir denken, es gibt ein grösseres Potenzial», sagte Sven Sobernheim (GLP). Und nur weil heute ein Coop gut funktioniere, müsse das nicht bedeuten, dass auch in Zukunft dort wieder ein Detailhändler stehen müsse.

Letzteres hätte der Vorstellung der SVP entsprochen. Sie wehrte sich gegen die Pläne der Stadt und war der Meinung, die Lösung sei, das Globus-Provisorium abzureissen und einen Neubau für einen Detailhändler hinzustellen. Die FDP, die ebenfalls gegen das Platzprojekt war, ging noch einen Schritt weiter. Ihre Idee: warten. Der Freisinnige Andreas Egli formulierte das so: «Schicken wir das Projekt in den Dornröschenschlaf, lassen wir es dort ruhen und warten auf einen Prinzen beziehungsweise eine Idee, die es wach küsst.»

AL-Stadtrat Richard Wolff schien nach der Debatte etwas konsterniert. Es sei spannend, wie viele Fantasien das Areal in all den Jahren bislang geweckt habe. Aber noch keine Idee sei besser gewesen als das, was heute dort stehe. «Sie wünschen sich Lösungen, aber wo liegt dann das Problem? Sie bitten die Verwaltung und den Stadtrat um Ideen, haben aber selber keine geliefert.» Wolff hält eine neue Idee aus der Verwaltung nicht für mehrheitsfähig. «Wir haben eine geliefert, aber sie hat Schiffbruch erlitten.» Es brauche eine Idee von unten, aus der Bevölkerung, aus dem Quartier.

Wolffs Appell scheiterte. Links-Grün schickte das Geschäft mit 77 Ja-Stimmen zurück an den Stadtrat. Dieser hat nun ein Jahr Zeit, einen Weg zu finden, neue Ideen zu präsentieren.

Erstellt: 28.02.2019, 09:30 Uhr

Artikel zum Thema

Der grosse Kampf um eine kleine Insel

Krawalle, Skandale und illusorische Ideen: Zürichs Papierwerdinsel und das Globus-Provisorium sorgen seit Jahren für politischen Zündstoff. Die Geschichte in sechs Kapiteln. Mehr...

Ist das die Lösung fürs Globus-Provisorium?

Der Zürcher Stadtrat will das Gebiet zwischen dem Hauptbahnhof und dem Central leerräumen. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Kommentare

Die Welt in Bildern

Bitte lächeln: Frankie die Bordeauxdogge stellt sein Löwenkostüm zur Schau. Er nimmt mit seinem Herrchen an der Tompkins Square Halloween Hundeparade in Manhattan teil (20. Oktober 2019).
(Bild: Andrew Kelly) Mehr...