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Schläger, denkt ans neue Stadion!

Die gewalttätigen Fans liefern den Gegnern des Stadionprojekts auf dem Hardturmareal Argumente.

Es hat geknallt rund ums Zürcher Fussballderby. Vor und nach dem Spiel kam es zu gegenseitigen Angriffen gewaltbereiter Fans, ein 14-Jähriger wurde ins Spital eingeliefert. Das alles war zu viel für Richard Wolff. Heute Morgen früh mussten die Führungen von FCZ und GC beim Zürcher Sicherheitsvorsteher antraben. Man sollte ­allerdings nicht allzu enttäuscht sein, wenn auch diese Runde kein Allheilmittel gegen junge Männer findet, die beim Prügeln ihren Kick suchen.

Vieles wurde in den letzten Jahren in und um die Schweizer Stadien getan. Prävention mit Fanprojekten und Repression mit Stadionverboten. Und gerade die Zürcher Clubs suchen den Austausch mit ihren Fankurven. So eng das eben geht bei einer heterogenen Ansammlung von Tausenden von Menschen, die keineswegs alle dasselbe Ziel verfolgen. All das wird nie reichen, um Gewalt zu 100 Prozent zu verhindern. Aber die Anstrengungen zeitigen Erfolge. Und genau die führen absurderweise zu den Szenen, die es am Samstag in Zürich gab: Im Letzigrund selber nämlich blieb es während des Derbys ruhig. Je überwachter und ­sicherer aber die Stadien werden, desto mehr verschiebt sich die Gewalt in die Stadt.

Womit sich die Frage stellt, wer verantwortlich ist, wenn Schläger, zeitlich und räumlich losgelöst von einem Fussballspiel, aufeinander losgehen. Sind es die Clubs? Nach dieser Logik hätte die Kleidermarke Lonsdale in den 90er-Jahren für Taten von Neonazis geradestehen müssen. Fans sind keine Vereinsangestellten, sie gehorchen nicht, nur weil ihnen ein Präsident etwas befiehlt. Und sollte jemand die Idee ­haben, dass Kollektivstrafen wie gesperrte Fankurven die Lösung seien: Es gibt keinen schnelleren Weg, Fans zu radikalisieren, als die Bestrafung Unschuldiger. Damit würde man sich zugleich eine mögliche ­Lösung des Problems verbauen. Die gewalttätigen Fans liefern nämlich den Gegnern des Stadionprojekts auf dem Hardturmareal Argumente. Sobald sich aber in den Kurven die Einsicht durchsetzt, dass prügelnde Halbstarke dabei sind, das neue Stadion zu verhindern, könnte es sein, dass die Störenfriede durch Selbstregulierung rasch zur Räson gebracht werden.

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