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Schlammschlacht verschoben

Der Zürcher Gemeinderat musste sich mit mehreren Spitalthemen beschäftigen – eigentlich eine Steilvorlage für die zahlreichen Gegner der Gesundheitsvorsteherin Claudia Nielsen.

Der Frontalangriff auf die Stadträtin blieb aus: Claudia Nielsen gestern Abend im Zürcher Rathaus. Foto: Urs Jaudas
Der Frontalangriff auf die Stadträtin blieb aus: Claudia Nielsen gestern Abend im Zürcher Rathaus. Foto: Urs Jaudas

Man kann sich vorstellen, dass SP-Stadträtin Claudia Nielsen tief Luft geholt hat, bevor sie gestern Abend das Zürcher Rathaus betrat. Auf der To-do-Liste stand die Sitzung des Gemeinderats, und diesem ist in der Regel nichts zu gesucht, um sich nicht laut und theatralisch über das zu beschweren, was ihn gerade umtreibt. Insofern schien das Skript geschrieben: Es standen gleich mehrere Spitalthemen auf der Traktandenliste, ein gefundenes Fressen für die Bürgerlichen, die sich im Wahlkampf auf die Gesundheitsvorsteherin eingeschossen haben. Eine Abrechnung für einen Magnetresonanztomografen zum Anlass nehmen, um ihr für ihre Spitalplanung die Leviten zu lesen? Man hätte schon Abwegigeres erlebt.

Aber stattdessen passierte: fast nichts. FDP-Stadtratskandidat Michael Baumer unternahm einen zaghaften Versuch, eine lange verschleppte Kreditüberschreitung beim Kauf des Tomografen für das Triemli zu seinen Zwecken zu nutzen. Der Fall zeige, dass es im Stadtspital auch im operativen nicht laufe, wie es sollte. Dass es «ziemliche Mängel im Prozessmanagement» gebe – nicht gerade der Stoff, aus dem die Träume seines Wahlkampfleiters gemacht sind.

«Von Beginn weg entschlossen»

Vielleicht lag es ja an der Adventskerze, die versöhnlich in der Mitte des Saals flackerte. Die SP jedenfalls, die sich offensichtlich auch auf eine Schlammschlacht eingestellt hatte, nutzte das Vakuum, um etwas Werbung für Nielsen zu machen. Als es um die Fortführung eines Geriatrieverbunds ging, den das Stadtspital Waid mit dem Universitätsspital und den Pflegezentren versuchshalber seit zwei Jahren betreibt, betonte die Partei: Das sei ein Erfolg ihrer Stadträtin, die das «von Beginn weg entschlossen» vorangetrieben habe. Also genau mit jener Tatkraft, die ihr die Bürgerlichen bei der Spitalplanung absprechen. Gleich fünf SP-Leute drängten sich auf die Rednerliste, um diesen Punkt wortreich zu betonen. Geschenkt, dass sie in der eigentlichen Abstimmung gegen die Bürgerlichen unterlagen, als es darum ging, ob der Betrieb unlimitiert oder bloss auf Zusehen weitergeführt wird. Wichtiger war, dass die politischen Gegner nicht grundsätzlich widersprechen mochten, dass es sich um eine sinnvolle Kooperation zugunsten alter Stadtbewohner handle.

Das gleiche Schauspiel wiederholte sich bei einer bürgerlichen Interpellation zur Beschaffung von zwei Linearbeschleunigern fürs Triemli. Aufseiten der SP durfte man sich freuen, dass die insinuierten Ungereimtheiten sich in Luft aufgelöst hatten. Und die Gegenseite sogar Fehler bei den eigenen Recherchen eingestehen musste. So war es am Schluss sogar Nielsen, die plötzlich Oberwasser hatte und sich deshalb erlaubte, ihre Kritiker zu belehren. Danach bedankte sie sich bei allen – und so, wie es für sie gelaufen war, nahm man es ihr sogar ab.

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