Schmale Zimmer, kaum Angestellte – das ist Zürichs neues Hotel

Mitten im Zentrum von Zürich eröffnet CitizenM am 1. August ein Hotel mit 160 Zimmern und nur 26 Mitarbeitenden.

Die Zimmer im neuen CitizenM-Hotel am Talacker sind klein, aber funktionell. Der Gast schläft direkt neben der Fensterscheibe. Fotos: Andrea Zahler

Die Zimmer im neuen CitizenM-Hotel am Talacker sind klein, aber funktionell. Der Gast schläft direkt neben der Fensterscheibe. Fotos: Andrea Zahler

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Es sind ungewöhnliche Zimmer für ein Hotel in der Nachbarschaft der internationalen Grossbanken am Paradeplatz: Nur gerade 17 Quadratmeter messen die Räume des CitizenM, das ab morgen Donnerstag Gäste beherbergt. Die Betten in Kingsize-Grösse stehen direkt am Fenster und geben die Breite des Zimmers vor – an Kopf- und Fussenden sind direkt die Wände.

Alles ist kompakt. Stauflächen für das Gepäck hats in Schubladen unter dem Bett. Dort ist auch der zimmereigene Safe versteckt. Ein Stuhl steht direkt neben dem Bett vor einer kleinen Arbeitsfläche, das Brünneli ist ebenfalls im Schlafbereich, in der Nasszelle gibt es nur die Toilette und Dusche.

Ein Hotel für wenige Nächte

160 solcher Zimmer bietet die niederländische Kette in ihrem ersten Hotel in der Schweiz an. Alle sind identisch – nicht nur in Zürich, auch in allen anderen 18 bisher eröffneten Hotels. Suiten oder Räume mit zwei Einzelbetten? Fehlanzeige. Hier steigt kaum jemand ab, um länger in der Stadt zu sein. Geschäftsreisende werden hier nächtigen. Oder Touristen, die kurze Zeit in Zürich sind. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer eines Gastes im CitizenM liegt bei allen Häusern bei etwa eineinhalb Tagen.

Das neuste Hotel in Zürich steht am Talacker, nur wenige Meter entfernt vom mondänen Paradeplatz.

Eine weitere Besonderheit der CitizenM-Häuser befindet sich in der Lobby. Eine Réception existiert nicht. Gäste können Zimmer nur übers Internet buchen. Der Gast checkt vor Ort selber an einem Computerterminal ein: Ausländische Besucher müssen ihren Pass einscannen. Alle Gäste beschreiben die Karte, die als Schlüssel dient, alleine. Wer überfordert ist damit, für den steht ein Mitarbeitender des Hotels zur Verfügung.

Alle müssen alles können

Das gesamte Team umfasst inklusive Hotelmanagerin Tamara Dias 26 Personen – so wenig Personal für so viele Gäste hat wohl kein anderes Hotel in Zürich. Rund um die Uhr sind immer acht bis neun Leute des Hotels anwesend. Alle müssen dabei alles können: die Besucher beim Einchecken unterstützen, einen Cocktail mixen oder bei Problemen helfen. Allerdings müssen sie nicht die Zimmer putzen und aufräumen: Für das gesamte Housekeeping und die Technik arbeitet das Hotel mit externen Partnern zusammen.

Das Hotel nennt diesen Bereich Wohnzimmer: Er ist mit Designermöbeln von Vitra eingerichtet und steht auch Besuchern offen, die nicht im Hotel wohnen.

Im Parterre hat CitizenM eine Art riesiges Wohnzimmer mit Bar eingerichtet: Die Gäste sollen sich hier zu Hause fühlen, sagt Levie, ein Mitarbeitender des Hotels. Statt sich in ihr kleines Zimmer zurückzuziehen, sollen sie sich hier aufhalten und auch hier arbeiten. Zusätzlich bietet das Hotel fünf Sitzungszimmer zur Miete von 500 Franken pro Tag an.

Preise steigen bei vielen Buchungen

Ein Zimmer kostet pro Nacht in der Einführungsphase mindestens 169 Franken. Fest ist der Preis in Zukunft allerdings nicht: Er wird dem Buchungsstand angepasst. Je höher die Auslastung, desto höher wird der Preis. Die Spanne will Levie nicht verraten. Wer heute für Mitte September ein Zimmer buchen will, bezahlt über Booking.com bereits mindestens 252 Franken. Die Preise würden aber immer tiefer sein als bei den Hotels in nächster Umgebung, verspricht er. Zum Vergleich: Dieselbe Nacht kostet im neuen 25hours-Hotel an der Langstrasse 325 Franken, das etwa drei Jahre alte Motel One in der ehemaligen Post Selnau ist ausgebucht, die Preise beginnen dort bei 189 Franken.

Der Gast checkt im CitizenM selber an diesen Terminals ein, eine Réception hat das Hotel nicht.

Weder über die Investitionen auf dem Platz Zürich noch über den momentanen Buchungsstand gibt CitizenM Auskunft. Doch eines ist bereits klar: Während der Street Parade, die in eineinhalb Wochen stattfindet, sind bereits alle 160 Zimmer ausgebucht.

Erstellt: 31.07.2019, 15:22 Uhr

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