Schon für die Besichtigung braucht es eine Bewerbung

Wer in Zürich eine städtische Wohnung besichtigen möchte, muss sich neu online anmelden. Ob es klappt, entscheidet auch der Zufall.

Ausharren in der Kälte: Wenn eine städtische Wohnung frei wird, kommen die Interessenten in Scharen zur Besichtigung – wie hier an der Schipfe im Kreis 1.

Ausharren in der Kälte: Wenn eine städtische Wohnung frei wird, kommen die Interessenten in Scharen zur Besichtigung – wie hier an der Schipfe im Kreis 1. Bild: Sophie Stieger

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Städtische Wohnungen sind begehrt. So sehr, dass sich bei den offenen Wohnungsbesichtigungen jeweils lange Schlangen von Bewerbern bilden, die sich die Objekte ansehen möchten. Selbst bei jenen Vergabeverfahren, bei denen man sich telefonisch für einen Besichtigungstermin anmelden musste, gab es Warteschlaufen: Bis zu 30'000-mal wurde jeweils die Nummer gewählt, unter der man sich innerhalb einer halben Stunde für den Termin anmelden und die genaue Adresse des Objekts erfahren konnte.

Nun geht die Stadt neue Wege. Wie das Zürcher Finanzdepartement heute Montag mitteilt, können sich Interessenten künftig im städtischen Onlineservice «Mein Konto» für die Besichtigung anmelden. Wer über keinen Computer oder Internetanschluss verfügt, kann die Anmeldung am Empfang von Liegenschaften Stadt Zürich an der Morgartenstrasse 29 einreichen und erfassen lassen. Die Anmeldung muss bis am Freitagmittag der Woche erfolgen, in der die Wohnung ausgeschrieben ist. Die Ausschreibungen sind weiterhin im «Tagblatt der Stadt Zürich» publiziert sowie neu auch unter www.stadt-zuerich.ch/e-vermietung. Die ersten Angebote sind bereits online.

Zufallsgenerator bestimmt, wer kommen darf

Ein Zufallsgenerator bestimmt schliesslich aus den Einsendungen diejenigen, welche zur Besichtigung eingeladen werden. Nur Personen, die an der Besichtigung teilgenommen haben, bekommen einen Link, über den sie ihre Bewerbung elektronisch erfassen können – auch eine Bewerbung auf Papier ist weiterhin möglich. Bewirtschafter prüfen die Einsendungen und wählen daraus jene Bewerber aus, die dem Profil für die jeweiligen Objekte am besten entsprechen. Der Vermietungsentscheid werde wie bisher nach dem «Vier-Augen-Prinzip» gefällt, heisst es in der Mitteilung weiter.

Hunderte Personen standen im März 2018 an, um eine städtische Wohnung im Enge-Quartier zu besichtigen.

Online-Bewerbungsverfahren für Wohnungen sind nicht neu. In der Stadt Zürich nutzen bereits mehrere Baugenossenschaften ähnliche Verfahren – unter anderem die FGZ. Nun können auch bei der Vergabe von städtischen Wohnobjekten mit der elektronischen Erfassung die einzelnen Schritte im Vermietungsprozess nachvollziehbar dokumentiert werden.

Familie würde auch 1-Zimmer-Wohnung nehmen

Der Druck auf den Wohnungsmarkt ist in der Stadt Zürich laut Kuno Gurtner, Mediensprecher Liegenschaften Stadt Zürich, nach wie vor gross, bezahlbarer Wohnraum bleibe Mangelware. Er habe alleine im vergangenen Jahr zusätzlich zu den regulären Bewerbungen rund 270 Anfragen von Personen beantwortet, die ihm direkt geschrieben haben – darunter eine vierköpfige Familien, die in einer 1-Zimmer-Wohnung lebe.

585 Neuvermietungen konnte Liegenschaften Stadt Zürich 2018 verzeichnen und 434 Wohnungstausche – beispielsweise wenn Eltern nach dem Auszug der Kinder in eine kleinere Wohnung ziehen. Hinzu kamen neun Erstvermietungen in Liegenschaften, welche die Stadt erworben hat. «Die Zahl ist so tief, weil 2018 keine Siedlung neu eröffnet und auch keine ersetzt wurde», erklärt Gurtner. Zum Portfolio von Liegenschaften Stadt Zürich gehören nicht nur städtische Wohnungen, sondern auch Gewerbeimmobilien, Restaurants, Kioske und Parkhäuser.

Erstellt: 25.02.2019, 13:33 Uhr

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