Science-Fiction auf dem Hönggerberg

Die ETH zeigt mit einem neuen Gebäude, was digitalisiertes Bauen kann. Das Holzdach dürfte so manchen Zimmermann sprachlos machen.

Das Arch_Tech_Lab der ETH Zürich zeigt, wie das Bauen der Zukunft aussehen könnte.
Video: Mirjam Fuchs und Lea Blum

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Auf dem Campus Hönggerberg hat die ETH Zürich das, was ihr am Hochschul-Zentrum in der Stadt fehlt: Platz zum Bauen. Sie nutzt diesen Umstand für spektakuläre Architektur. Gestern eröffnete die Hochschule ein neuartiges Gebäude, das sechs Professuren des Instituts für Technologie gemeinsam entwickelt haben und das der Forschung als Reallabor dienen soll: das Arch_Tech_Lab.

Es ist eine Zeitmaschine, die in die Zukunft des Bauens blicken lässt. Die doppelstöckige Halle des Arch_Tech_Lab wurde – Stichwort Verdichtung – auf das Dach einer bestehenden Parkgarage gebaut und ist über eine Passerelle mit dem Gebäude des Departements Architektur verbunden. Dass beim Bauen digitale Technologien eingesetzt wurden, merkt man beim Blick an die Decke. Die Struktur kann nur ein Computer designt haben.

«Ein Mensch könnte das nicht in dieser Perfektion»

Das Holzdach spannt sich wie ein Baldachin über die obere Halle, die auf Stahlträgern ruht und deshalb flexibel genutzt werden kann. 50'000 Latten formen ein 2300 Quadratmeter grosses Gewebe mit Linien, die sich leicht wellen und so Raum frei geben für Fenster, Neonröhren oder Lüftungsschächte. «Dieses Dach wurde programmiert, nicht gezeichnet – das ist neu», erklärt Matthias Kohler, Professor am Institut für Technologie, beim Rundgang durch das Gebäude.

Ein Roboter hat das geschwungene Dach komplett vorgefertigt. Kohler zeigt einen Planausschnitt, auf dem exakt eingezeichnet ist, wo wie viele Nägel eingeschlagen werden müssen, um die einzelnen Latten zu verbinden. «Ein Mensch könnte das nicht in dieser Perfektion bauen», sagt Kohler. Er ist überzeugt: Das Bauen der Zukunft wird die Symbiose zwischen Mensch und Maschine ausnutzen.

Undichte Stellen sind Absicht

Geht es nach Kohler und seinen Kollegen, setzen die Baumeister der Zukunft auf Nachhaltigkeit. Deshalb kommt die an der ETH Zürich seit 2010 entwickelte Null-Emissions-Technologie zum Einsatz. Im Zwischenboden des Gebäudes befinden sich 120 sogenannte Airboxen. Sie lüften, heizen oder kühlen, je nach Bedarf. Die verbrauchte Luft entweicht durch kleine undichte Stellen –, dass der Bau solche hat, ist Absicht.

Zudem reduzierten die Wissenschaftler im 38 Millionen Franken teuren Gebäude bewusst die Baumasse. Im Vergleich zu herkömmlichen Hochbauten, bei denen auf einen Kubikmeter bis zu 400 Kilogramm Material kommt, beträgt die durchschnittlich verbaute Masse des Arch_Tech_Labs bloss 240 Kilogramm. «Das hat natürlich auch mit dem vielen Luftraum zu tun», räumt Sacha Menz ein, Vorsteher Institut für Technologie in der Architektur und geistiger Vater des Gebäudes.

Der Rundgang endet im Erdgeschoss. In der riesigen Halle ist ein Robotiklabor untergebracht. Es ist die weltweit erste Forschungsplattform für roboterbasierte Fabrikation in der Architektur. Von der Decke hängen vier kooperierende Industrieroboter, man fühlt sich an eine Autofabrik erinnert, nur steht da kein unfertiges Auto, sondern eine Skulptur aus Metallstangen in der Mitte. Auf Knopfdruck setzen sich die Roboterarme in Bewegung und bauen das Gebilde weiter. Science-Fiction auf dem Hönggerberg. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 23.09.2016, 15:45 Uhr

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