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Warum jetzt nur noch Gondeln über dem Zürichsee möglich sind

Der Kanton hat gestern Seilbahn-Projekte in der Stadt gestrichen – dafür jenem von der Landiwiese ans Zürichhorn den Weg geebnet.

Marius Huber
Luftig: Während der Gartenbauausstellung 1959 verband eine Seilbahn die beiden Stadtzürcher Seeufer.
Luftig: Während der Gartenbauausstellung 1959 verband eine Seilbahn die beiden Stadtzürcher Seeufer.
ETH-Bibliothek, Bildarchiv/Comet Photo
Die mögliche Linienführung von einem Parkhaus am Ende der Autobahn bis zum HB. Bei Toni-Areal und Escher-Wyss-Platz kann aus- oder zugestiegen werden.
Die mögliche Linienführung von einem Parkhaus am Ende der Autobahn bis zum HB. Bei Toni-Areal und Escher-Wyss-Platz kann aus- oder zugestiegen werden.
Grafik Högger/Hauri
Hoch hinaus gehts in anderen Städten bereits: Gondeln in Barcelona.
Hoch hinaus gehts in anderen Städten bereits: Gondeln in Barcelona.
Leitner ropeways
Die Seilbahn Koblenz, auch Buga-Seilbahn oder Rheinseilbahn genannt, ist eine Luftseilbahn über den Rhein.
Die Seilbahn Koblenz, auch Buga-Seilbahn oder Rheinseilbahn genannt, ist eine Luftseilbahn über den Rhein.
PD
Eine typische Stadtseilbahn gibt es in Medellín, Kolumbien.
Eine typische Stadtseilbahn gibt es in Medellín, Kolumbien.
Epa/Key
Die Vinpearl Cable Car ist eine Gondelbahn, welche die Küstenstadt Nha Trang in der Provinz Khánh Hòa in Vietnam mit der etwa drei Kilometer entfernten Bambusinsel verbindet.
Die Vinpearl Cable Car ist eine Gondelbahn, welche die Küstenstadt Nha Trang in der Provinz Khánh Hòa in Vietnam mit der etwa drei Kilometer entfernten Bambusinsel verbindet.
PD
Die Standseilbahn in Tiflis, Georgien. Sie wurde am 27. März 1905 in Betrieb genommen und führt auf den Berg Mtazminda.
Die Standseilbahn in Tiflis, Georgien. Sie wurde am 27. März 1905 in Betrieb genommen und führt auf den Berg Mtazminda.
PD
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Der Regierungsrat hat gestern den überholten Richtplan für die Stadt Zürich veröffentlicht (siehe auch Seite 19) und damit den Weg geebnet für die ZKB-Seilbahn: Sie ist im Plan eingetragen, was zwingend ist für ihre Realisierung. Wer aber meint, das sei ein positives Signal für jene anderen städtischen Seilbahnen, die der Zürcher Gemeinderat letztes Jahr überraschend in den Richtplan gezeichnet hat, irrt. Den Vorschlag der FDP für eine Bahn von Altstetten über den Hönggerberg nach Affoltern hat der Regierungsrat ganz gestrichen. Die von der SP angeregte Bahn vom Tiefenbrunnen Richtung Balgrist liess er zwar im Plan, aber mit einer Einschränkung: Sie lasse sich erst langfristig rechtfertigen, «wenn überhaupt». Zukunftsmusik also.

Gegen die Seilbahnen spricht aus Sicht des Kantons vor allem eines: Die Stadt hat nicht nachgewiesen, dass an den betreffenden Orten überhaupt eine Nachfrage besteht. Laut Balthasar Thalmann vom kantonalen Amt für Raumentwicklung ist das zentral, weil eine Seilbahn ein erheblicher Eingriff in die Landschaft ist. Ein solcher rechtfertigt sich nur, wo ein überwiegendes öffentliches Interesse besteht. Man müsse darlegen können, dass der Verkehr substanziell entlastet würde. Das hat sich bei der Planung der Zoo-Seilbahn gezeigt, die nur schleppend vorankommt, weil das Verwaltungsgericht nicht überzeugt war, dass die Autofahrten tatsächlich zurückgehen würden.

Aus ebendiesen Gründen begrüssten die Stadtzürcher Grünen gestern als Einzige den Entscheid des Regierungsrats. Dieser habe die «Seilbähnli-Euphorie» der Gemeinderatsmehrheit zu Recht gestoppt. Es bestehe kein Bedarf für solche Lösungen, und sie seien auch nicht stadtund landschaftsverträglich.

Wird die ZKB bevorzugt?

Insofern überrascht, dass ausgerechnet die ZKB-Seilbahn im Richtplan blieb: Sie ist landschaftlich ein besonders krasser Eingriff und verbindet überdies zwei Orte, an denen die Nachfrage bislang nicht einmal für eine Schiffsverbindung genügte. Die SP äusserte deshalb gestern den Verdacht, die Kantonalbank könnte sich den Richtplaneintrag bei SVP-Baudirektor Markus Kägi erkauft haben.

Video: Das sagen Zürcherinnen und Zürcher zur Seilbahn

Spektakulär Ja, notwendig Nein: Die Meinungen auf der Strasse gehen auseinander. Video: Lea Blum

Thalmann erwidert, dass es kein Gegengeschäft gebe. Der Regierungsrat habe in diesem Fall seine harte Linie aus zwei Gründen verlassen: Erstens habe die ZKB den Bedarf und die technische Machbarkeit hinreichend belegt. Zweitens ist diese Bahn ausdrücklich befristet auf maximal fünf Jahre. Bestünde dereinst der politische Wille, den Betrieb zu verlängern, müsste das gesamte Bewilligungsverfahren von vorn begonnen werden – mit ungewissem Ausgang. Der aktuelle Entscheid ist insofern kein Präjudiz für eine dauerhafte Seilbahn über den See, wie sie der Gemeinderat für die ferne Zukunft angeregt hat.

Was das gestrichene Seilbahnprojekt am Hönggerberg betrifft, gibt die FDP nicht auf. Initiant Michael Baumer sagt, die Stadt müsse nun den Nachweis erbringen, dass diese ein sinnvoller Beitrag zur Verkehrsinfrastruktur wäre. Man werde nächste Woche einen Vorstoss einreichen. Die FDP kann sich auf den Bundesrat stützen: Dieser anerkennt, dass Seilbahnen als urbane Verkehrsmittel Vorteile haben. Sie seien günstiger als andere Lösungen und brauchten weniger Boden. Technisch und rechtlich spreche nichts dagegen.

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