Sexclub beim Opernhaus kurz vor Eröffnung

Nicht einmal ein zweistelliger Millionenbetrag konnte es verhindern: Im Seefeld eröffnet bald das grösste Bordell der Stadt Zürich.

Wer das VIP-Zimmer mit Whirlpool reserviert, wird diskret durch den Hintereingang in den Sexclub geführt. Visualisierungen: PD

Wer das VIP-Zimmer mit Whirlpool reserviert, wird diskret durch den Hintereingang in den Sexclub geführt. Visualisierungen: PD

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Die Betreiber des in Zukunft grössten Sexclubs der Stadt sind sich bewusst, an welch exklusiver Lage ihr Etablissement liegt. Blue Opera haben sie es getauft. Das Motto: «La Traviata for Gentlemen». Der Name ist Programm. Das Bordell liegt in unmittelbarer Nähe der Zürcher Oper im obersten Stock eines Bürogebäudes. Es erstreckt sich über 750 Quadratmeter und verfügt über einen Wellnessbereich im antiken Stil, ein Fumoir im altenglischen Stil, eine Bar sowie 14 Zimmer. In einschlägigen Internetforen wird das «Grand Opening» seit Wochen für Ende Januar angekündigt. Nun verzögert sich der Event. «Am ersten Februar-Wochenende wollen wir eröffnen», sagt der Besitzer dem «Tages-Anzeiger». Es soll der Schlusspunkt eines langen Rechtsstreits sein.

Bis vor Bundesgericht

Seit 2015 kämpften die Eigentümer von Liegenschaften in der Nachbarschaft gegen den Sexclub. Unterstützt wurden sie dabei von der Finanz- und Nachrichtenagentur Thompson Reuters, die im Parterre des Hauses im Seefeld ein Büro betreibt. Gemäss dem Blog «Inside Paradeplatz» plant die Nachrichtenagentur den Auszug, denn die Rekurrenten sind vor allen Instanzen gescheitert.

Zuletzt hat das Bundesgericht im Januar 2017 entschieden: Der Bau ist rechtens. Gemäss der stadtzürcherischen Bau- und Zonenordnung sind Sexsalons nur dort ausgeschlossen, wo ein Wohnanteil von mindestens 50 Prozent vorgeschrieben ist. Das Blue Opera ist zwar in einem Bürohaus eingemietet, das gegenüber von Wohnhäusern liegt, doch dazwischen liegt eine Zonengrenze. So liegt der Sexclub in einer Bauzone mit 0 Prozent Wohnanteil.

Wer Eintritt bezahlt, kann sich frei im Barbereich bewegen und gratis konsumieren.

Die rekurrierenden Hauseigentümer sind noch immer enttäuscht über den Entscheid des Bundesgerichts. «Wir werden die Situation genau beobachten, wenn der Sexclub erst einmal eröffnet ist», sagt ein Vertreter der Hauseigentümer. Allfällige Massnahmen werde man sich vorbehalten.

«Wildparkierende Autos» und «zwielichtige Typen»

Sie befürchten «wildparkierende Autos» und «zwielichtige Typen» in der Nachbarschaft. Das Blue Opera wird an 365 Tagen geöffnet sein. Unter der Woche jeweils von 10 bis 2 Uhr, am Freitag und Samstag gar bis 4 Uhr und am Sonntag zwischen 12 und 24 Uhr. 25 Sexarbeiterinnen sollen täglich vor Ort sein. Die Betreiber suchen in Jobinseraten nach «gepflegten Frauen zwischen 18 und 35 Jahren». Neben Deutsch und Englisch sind die Inserate in osteuropäischen Sprachen geschaltet.

Vom Konzept her richten sich die Betreiber an Sexclubs aus, wie es sie bisher bloss in der Agglomeration gab: Man bezahlt Eintritt, erhält einen Bademantel und kann sich beliebig lange im Club aufhalten. Der Wellnessbereich, das Essen und nicht alkoholische Getränke sind gratis. Wer mit einer Sexarbeiterin auf ein Zimmer geht, bezahlt eine Zimmernutzungsgebühr und einen Preis für die Dienste der Frau, je nachdem wie lange man diese in Anspruch nimmt. Willkommen seien alle ausser «unter 18-Jährige und stark Betrunkene», heisst es auf der Website. Betont wird zudem, dass der ganze Club rollstuhlgängig sei. In den Sexclub im obersten Stock des Gebäudes gelangt man per Lift. Wer nicht gesehen werden möchte, kann das VIP-Zimmer mit Whirlpool vorreservieren und wird über einen Hintereingang hineingeführt.

Zutritt über Hintereingang: Das Whirlpool-Zimmer im neuen Edelbordell.

Die meisten Besucher würden aber ohnehin auf Diskretion setzen, sagt der 44-jährige Besitzer des Blue Opera. Tatsächlich bleiben viele der rund 139 Sexsalons, die es nach Angaben der Stadtpolizei in der Stadt Zürich gibt, für viele unbemerkt. Auch im Seefeld ist der neue Sexclub längst nicht der einzige. Dementsprechend gering war auch der Widerstand im Quartier, nachdem die NZZ das geplante Bordell 2015 publik gemacht hatte. «Bis heute hat sich bloss ein Quartierbewohner lautstark darüber beschwert», sagt Quartiervereinspräsident Urs Frey.

Anonyme Drohbriefe

Offenbar gar nicht erfreut über das neue Angebot im Seefeld ist die Konkurrenz. Nachdem der Betreiber, der ein weiteres Bordell in der Stadt besitzt und in der Szene bekannt ist, den Mietvertrag unterschrieben hatte, verteilte jemand anonyme Briefe in der Nachbarschaft: «Möchten Sie ein Bordell als Nachbar?», steht darin geschrieben. Was das bedeuten würde, fasst der Verfasser in sechs Punkten zusammen. Unter anderem: «Ca. alle 3 Monat Buttersäure anschlag (chemisches, hoch Stinkendes Gift)», «Jeden Monat Polizei Grossrazia» oder «Jeden Abend nach 02:00 Uhr kommt Zuhälter mit Ausländischen Nummer aus Rumänien, Ungarn und aus der Slowakei, die Mädchen abholen». Unterschrieben ist das Schreiben mit «Ein besorgter Familien Vater».

Gemäss mehreren Insidern handelt es sich beim Verfasser um den Betreiber eines Bordells in der Zürcher Agglomeration. Auf die Website des Blue Opera wurden mehrere DDoS-Angriffe ausgeführt. Das bedeutet: Eine Website wird gleichzeitig von so vielen Geräten wie möglich aufgerufen, damit sie überlastet ist. Ein weiterer Konkurrent drohte mit einer Klage gegen den ursprünglich ­geplanten Namen Blue Velvet, weil er zu ähnlich sei wie jener seines Bordells im Aargau.

Der Besitzer des Sexclubs im Seefeld nahm all diese Angriffe gelassen. Er änderte den Namen des Lokals und liess den neuen schützen, nahm das Gerichtsverfahren bis vor Bundesgericht hin und fürchtete sich nicht vor Attacken der Konkurrenz.

Millionenbetrag abgelehnt

Etwas aus der Ruhe brachte ihn höchstens ein Übernahmeangebot aus Deutschland. Jemand soll ihm für den Mietvertrag an der exklusiven Lage in Zürich einen zweistelligen Millionenbetrag geboten haben. Der Besitzer lehnte bisher jedoch ab. Er glaubt an das grosse Potenzial seines Clubs im Seefeld, wie er sagt: «Ich halte mir vorerst lieber die Option offen, weitere Stockwerke dazuzumieten.» Vorerst freue er sich aber vor allem, endlich eröffnen zu können.

Eigentlich wollte er schon im September starten, doch der Umbau dauerte länger als geplant. Nun soll es nächste Woche losgehen. Kaum erwarten können es jedenfalls die User eines Internetforums mit über 30'000 registrierten Mitgliedern: «Geil freue mich schon. Endlich mal wieder eine neue Entdeckung zu erforschen», schreibt einer.

Erstellt: 26.01.2018, 21:26 Uhr

Situation für Sexsalons entschärft

Mit der Schliessung des Strassenstrichs am Sihlquai und neuen Verordnungen ist das Sexgewerbe unter Druck geraten. Nun hat sich die Lage etwas beruhigt.

Das Sexgewerbe in Zürich hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Der Strassenstrich am Sihlquai wurde 2013 geschlossen und in Altstetten ein Strichplatz mit Sexboxen eröffnet. Zudem nimmt die Anzahl der Sexsalons in der Stadt laufend ab. Gemäss Zahlen der Stadtpolizei waren es 2012 noch 218. 2014, nach der Einführung neuer gesetzlicher Regelungen, waren es bereits 60 weniger. Die neuste Zahl von Ende 2017 liegt nun bei 139 Salons. Dies ist ein Indiz dafür, dass sich die Lage etwas beruhigt hat.

Die Bedingungen für die Eröffnung von Sexsalons sind in der Bau- und Zonenordnung (BZO) sowie in der Prostitutionsgewerbeverordnung (PGVO) festgehalten. Seit 2001 schreibt die BZO vor, dass das Sexgewerbe nur in Bauzonen erlaubt ist, die einen Wohnanteil von unter 50 Prozent vorschreiben. Ausnahmebewilligungen erhalten Salons, die schon vor 2001 bestanden haben. Gemäss der PGVO müssen die Betreiber einen Salon seit 2013 bewilligen lassen. Von dieser Bewilligungspflicht ausgenommen sind Kleinstsalons. Die Definition, was ein Kleinstsalon ist, wurde in der Zwischenzeit auch angepasst. Heute gelten auch zwei Räume noch als Kleinstsalon und nicht mehr nur einer, was die Situation etwas entschärft hat, wie es bei Beratungsstellen heisst.

Mit dieser Änderung im vergangenen März hat der Zürcher Gemeinderat klargemacht, dass die bestehenden Verordnungen mit Augenmass durchgesetzt werden sollen. Dadurch habe sich die Situation entschärft, das sagt auch AL-Gemeinderat Walter Angst. Die Befürchtungen von den Gegnern von scharfen gesetzlichen Grundlagen ist, dass das Sexgewerbe dadurch aus der Stadt hinaus in die Agglomeration gedrängt wird. Die Sexarbeiterinnen könnten dort weniger gut kontrolliert und somit auch geschützt werden. Auch die Bedingungen für die Strassenprostitution passte der Gemeinderat im März an und schaffte die Gebühr von fünf Franken pro Tag ab.

Corsin Zander

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